Sprichwörter über Charakter und Moral
Hochmut, Neid, Ehrlichkeit: Diese Sprichwörter sind kleine Verhaltensregeln. Sie sagen, wie man sich benehmen soll, und meistens auch, was passiert, wenn man es nicht tut.
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- Auf der Kanzel ist der Mönch keuschWer anderen Moral predigt, lebt selbst nicht unbedingt danach.
- Auge um Auge, Zahn um ZahnWer anderen schadet, soll Gleiches zurückbekommen: der Grundsatz der genau abgemessenen Vergeltung.
- Aus den Augen, aus dem SinnWen oder was man nicht mehr sieht, vergisst man schnell.
- Das ist nicht mein BierDamit sagt man, dass einen eine Sache nichts angeht oder dass man dafür nicht zuständig ist.
- Das schwarze Schaf seinIn einer Familie oder Gruppe der Außenseiter sein, der aus der Reihe tanzt und von den anderen als Makel gesehen wird.
- Den Ball flach haltenSich zurückhalten, bescheiden bleiben und kein unnötiges Risiko eingehen.
- Den Bock zum Gärtner machenAusgerechnet jemanden mit einer Aufgabe betrauen, der dafür völlig ungeeignet ist oder dem Anvertrauten selbst schadet.
- Den Vogel abschießenAlle anderen übertreffen; meist ironisch: sich das Dreisteste, Dümmste oder Peinlichste von allen leisten.
- Der Apfel fällt nicht weit vom StammKinder ähneln ihren Eltern, in Begabungen genauso wie in Macken.
- Der Fisch stinkt vom Kopf herWenn in einer Gruppe etwas faul ist, liegt die Ursache meist bei der Führung.
- Der Prophet gilt nichts im eigenen LandWer in seiner Heimat oder seinem Umfeld etwas leistet, wird dort oft weniger geschätzt als in der Fremde.
- Der Schein trügtEtwas oder jemand ist anders, als es auf den ersten Blick wirkt; der äußere Eindruck führt in die Irre.
- Der Zweck heiligt die MittelFür ein Ziel, das man für gut hält, seien auch fragwürdige oder unmoralische Mittel erlaubt.
- Die Katze lässt das Mausen nichtWer eine Gewohnheit oder Neigung hat, legt sie nicht ab, auch wenn er es verspricht oder sich die Umstände ändern.
- Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufenEinfache Leute werden für kleine Vergehen hart bestraft, Reiche und Mächtige kommen selbst bei großen Taten davon.
- Die Ratten verlassen das sinkende SchiffWenn eine Firma, Partei oder Sache zu scheitern droht, setzen sich die Unzuverlässigen als Erste ab.
- Die Sau rauslassenSich hemmungslos austoben und ausgelassen feiern, ohne auf Benehmen und Zurückhaltung zu achten.
- Ehrlich währt am längstenAuf Dauer kommt man mit Ehrlichkeit weiter als mit Lügen oder Betrug, auch wenn Unehrlichkeit kurzfristig Vorteile bringt.
- Eigenlob stinktWer sich selbst lobt, macht sich unbeliebt; glaubwürdig ist Lob nur, wenn es von anderen kommt.
- Ein Auge zudrückenÜber einen Fehler oder kleinen Regelverstoß großzügig hinwegsehen und ihn nicht bestrafen.
- Ein gutes Gewissen ist ein sanftes RuhekissenWer sich nichts vorzuwerfen hat, schläft ruhig und bleibt auch bei Vorwürfen gelassen.
- Ein Haar in der Suppe findenAn einer eigentlich guten Sache kleinlich etwas auszusetzen finden.
- Ein Mann, ein WortEine Zusage gilt und wird gehalten, auch ohne Vertrag oder Unterschrift.
- Eine Hand wäscht die andereWer einem anderen einen Gefallen tut, kann mit einer Gegenleistung rechnen; oft heißt es auch, dass man sich gegenseitig deckt.
- Eine Krähe hackt der anderen kein Auge ausLeute aus derselben Gruppe oder demselben Berufsstand schonen und decken einander, auch wenn einer von ihnen etwas falsch gemacht hat.
- Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins MaulEin Geschenk nimmt man dankbar an, ohne es kritisch zu prüfen oder seinen Wert zu bemängeln.
- Einmal ist keinmalEin einziges Mal zählt nicht: als Ausrede für eine Ausnahme oder als Trost nach einem ersten Fehlschlag.
- Es faustdick hinter den Ohren habenGerissener und durchtriebener sein, als man aussieht; hinter einer harmlosen Fassade Schlauheit und Hintergedanken haben.
- Etwas auf dem Kerbholz habenEtwas Verbotenes oder Unrechtes getan haben, etwa eine Straftat oder ein Vergehen, das einem noch anhängt.
- Fünf gerade sein lassenEs nicht so genau nehmen und großzügig über kleine Fehler oder Regelverstöße hinwegsehen; auch: sich entspannen und alles ruhen lassen.
- Geld stinkt nichtWoher Geld stammt, sieht und riecht man ihm nicht an. Auch Einnahmen aus anrüchigen Quellen sind so viel wert wie andere.
- Gelegenheit macht DiebeGünstige Umstände verführen Menschen zu Unrecht, das sie sonst nie begehen würden, etwa wenn Wertsachen unbeaufsichtigt herumliegen.
- Glaube versetzt BergeWer fest an etwas glaubt, kann Dinge erreichen, die unmöglich scheinen.
- Gleich und Gleich gesellt sich gernMenschen mit ähnlichen Ansichten, Interessen oder Schwächen finden leicht zueinander.
- Gottes Mühlen mahlen langsamUnrecht wird oft erst spät bestraft, aber am Ende holt die Gerechtigkeit den Täter doch ein.
- Haare auf den Zähnen habenStreitbar, schlagfertig und rechthaberisch sein und sich mit scharfen Worten durchsetzen.
- Hochmut kommt vor dem FallWer überheblich wird und sich für unangreifbar hält, scheitert oft gerade daran.
- Irren ist menschlichJeder Mensch macht Fehler. Das gehört zum Menschsein dazu und ist verzeihlich.
- Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniertWer sein Ansehen schon verloren hat, muss auf die Meinung anderer keine Rücksicht mehr nehmen.
- Jedem Tierchen sein PläsierchenJeder soll seinen Vergnügungen nachgehen dürfen, auch wenn andere sie seltsam finden.
- Jeder Jeck is andersRheinisch für „Jeder Narr ist anders“: Jeder Mensch hat seine Eigenheiten, und man lässt ihn so, wie er ist.
- Jeder kehre vor seiner eigenen TürWer andere kritisiert, soll sich zuerst um die eigenen Fehler und Angelegenheiten kümmern.
- Jemandem das Fell über die Ohren ziehenJemanden grob betrügen oder finanziell ausnehmen, sodass er viel mehr verliert, als er ahnt.
- Jemandem die Schau stehlenDie Aufmerksamkeit, die eigentlich einem anderen gilt, auf sich ziehen und ihn damit in den Schatten stellen.
- Jemandem die Stange haltenZu jemandem halten und ihn unterstützen, auch wenn es schwierig wird oder andere sich von ihm abwenden.
- Jemandem ein X für ein U vormachenJemanden plump täuschen und ihm etwas Falsches als wahr verkaufen.
- Jemanden an der Nase herumführenJemanden täuschen, hinhalten oder mit falschen Versprechungen in die Irre führen.
- Jemanden über den Tisch ziehenJemanden bei einem Geschäft oder einer Verhandlung übervorteilen oder betrügen.
- Kleider machen LeuteWie jemand angezogen ist, prägt, wie andere ihn sehen und behandeln.
- Krokodilstränen weinenTrauer, Reue oder Mitleid nur vortäuschen, ohne es wirklich zu empfinden.
- Leben und leben lassenMan führt sein eigenes Leben und gesteht anderen dasselbe Recht zu, ohne ihnen dreinzureden.
- Lügen haben kurze BeineWer lügt, kommt damit nicht weit: Früher oder später fliegt die Lüge auf.
- Lügen, dass sich die Balken biegenMaßlos und dreist lügen, oft so offensichtlich, dass es eigentlich jeder merken müsste.
- Man sieht sich immer zweimal im LebenMenschen begegnen sich oft später wieder, darum zahlt sich fairer Umgang aus. Je nach Ton ist der Satz ein freundlicher Abschied oder eine Drohung.
- Mein Name ist HaseIch weiß von nichts: So stellt man sich ahnungslos, oft um keine Verantwortung zu übernehmen oder niemanden zu verraten.
- Mia san miaBairisch für „Wir sind wir“: Ausdruck eines selbstbewussten bayerischen Wir-Gefühls, bekannt als Motto des FC Bayern München.
- Mit dem ist nicht gut Kirschen essenMit diesem Menschen legt man sich besser nicht an: Er ist schwierig, streitlustig oder unberechenbar.
- Müßiggang ist aller Laster AnfangWer nichts zu tun hat, kommt leicht auf dumme Gedanken und gerät auf Abwege.
- Nach jemandes Pfeife tanzenSich ganz dem Willen eines anderen fügen und tun, was er verlangt, ohne eigenen Spielraum.
- Not kennt kein GebotIn einer echten Notlage setzen sich Menschen über Regeln, Gesetze und Verbote hinweg, die sonst gelten.
- Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der KönigeWer pünktlich ist, zeigt Respekt vor der Zeit anderer, und gerade Mächtige sollten niemanden warten lassen.
- Rache ist süßEs verschafft Genugtuung, jemandem ein erlittenes Unrecht oder eine Niederlage heimzuzahlen.
- Schadenfreude ist die schönste FreudeAugenzwinkerndes Eingeständnis, dass es Spaß macht, wenn anderen ein harmloses Missgeschick passiert, besonders Angebern.
- Sich zum Affen machenSich durch sein Verhalten lächerlich machen und zum Gespött anderer werden.
- Stille Wasser sind tiefWer ruhig und unauffällig wirkt, hat oft mehr Gedanken, Gefühle oder Fähigkeiten, als man ihm zutraut.
- Übermut tut selten gutWer leichtsinnig und überdreht handelt, weil gerade alles gut läuft, richtet meist Schaden an.
- Unkraut vergeht nichtZähe Menschen überstehen auch Krankheit, Unfall und Krisen. Meist sagt man es scherzhaft über sich selbst.
- Unter aller SauAusgesprochen schlecht, miserabel; derb gesagt über Leistungen, Zustände oder Benehmen.
- Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besserMan sollte sich nicht blind auf Zusagen verlassen, sondern selbst nachprüfen, ob etwas stimmt oder erledigt ist.
- Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zuBehandle andere nicht so, wie du selbst nicht behandelt werden möchtest.
- Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die MäuseSobald die Aufsicht fehlt, nehmen sich die anderen Freiheiten heraus, die sonst nicht erlaubt sind.
- Wer A sagt, muss auch B sagenWer etwas anfängt oder zusagt, muss auch die Folgen tragen und den nächsten Schritt gehen.
- Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hineinWer anderen schaden will, schadet damit am Ende oft sich selbst.
- Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wertWer kleine Beträge geringschätzt, kommt nie zu Wohlstand und hat ihn auch nicht verdient.
- Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgenWem ein Missgeschick passiert, der wird obendrein auch noch ausgelacht.
- Wer einmal lügt, dem glaubt man nichtWer einmal beim Lügen ertappt wurde, verliert Vertrauen und wird später selbst dann angezweifelt, wenn er die Wahrheit sagt.
- Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfenWer selbst Fehler hat, sollte andere nicht für genau diese Fehler angreifen.
- Wer schön sein will, muss leidenWer gut aussehen möchte, muss dafür Unbequemes oder Schmerzhaftes in Kauf nehmen, etwa drückende Schuhe oder ziependes Kämmen.
- Wer schweigt, stimmt zuWer zu etwas schweigt, obwohl er widersprechen könnte, wird so behandelt, als sei er einverstanden.
- Wer Wind sät, wird Sturm erntenWer Unruhe, Streit oder Hass stiftet, muss mit weit schlimmeren Folgen rechnen.
- Wes Brot ich ess, des Lied ich singWer von jemandem bezahlt oder versorgt wird, redet ihm nach dem Mund und vertritt dessen Interessen.
- Wie der Vater, so der SohnSöhne gleichen ihren Vätern oft in Charakter, Gewohnheiten und Talenten, im Guten wie im Schlechten.
- Wie die Saat, so die ErnteWas man am Ende bekommt, hängt davon ab, was man vorher getan oder investiert hat.
- Wie du mir, so ich dirIch behandle dich so, wie du mich behandelt hast: Gutes wird mit Gutem, Schlechtes mit Schlechtem vergolten.
- Wie ein Elefant im PorzellanladenPlump, ungeschickt und taktlos vorgehen und dabei Schaden anrichten, wo eigentlich Feingefühl gefragt wäre.
- Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es herausWie man andere behandelt, so wird man auch selbst behandelt.
- Wo viel Licht ist, ist auch viel SchattenGroße Stärken, Erfolge oder Vorzüge bringen meist auch deutliche Schwächen oder Nachteile mit sich.
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