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Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

Kurz gesagt

Wer von jemandem bezahlt oder versorgt wird, redet ihm nach dem Mund und vertritt dessen Interessen.

Auf Englisch
He who pays the piper calls the tune
Auch gesagt
Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe
Dess Brot ich ess’, dess Wort ich sprech’

Was bedeutet „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“?

„Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ beschreibt, dass Menschen dem gegenüber loyal sind, der sie bezahlt: Sie loben ihn, verteidigen seine Sicht und sagen nichts gegen ihn. Heute wird der Satz meist kritisch gebraucht, etwa über Gutachter, die im Sinne ihres Auftraggebers urteilen, über Politiker mit gut bezahlten Nebenjobs oder über Medien, die mit ihren Anzeigenkunden schonend umgehen. DWDS kennzeichnet ihn als sprichwörtlich, gelegentlich scherzhaft und leicht abwertend.

Selbstironisch klingt er, wenn jemand die eigene Befangenheit zugibt, etwa die Werbetexterin, die beim Abendessen die Produkte ihrer Kunden lobt. Die altertümlichen Formen „wes“ und „des“ stehen für „wessen“ und „dessen“ und geben dem Satz den Klang eines alten Spruchs. Gemeint ist nicht unbedingt Bestechung, eher die stille Abhängigkeit, die das eigene Urteil färbt, oft ohne dass man es selbst merkt.

Woher kommt „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“?

Das Bild stammt aus einer Welt, in der Sänger, Dienstboten und Hofleute vom Tisch eines Herrn lebten und dessen Lob sangen. Häufig wird der Spruch auf fahrende Spielleute des Mittelalters zurückgeführt; das passt zum Bild, ist aber eine Deutung, kein Beleg. Gedruckt ist er seit dem 16. Jahrhundert: Johannes Agricola nimmt die Fassung „Das Brot ich esse, das lied ich singe“ in seine Sprichwörtersammlung auf, Christoph Lehmann notiert im 17. Jahrhundert „Dessen Brodt einer isset, dessen Lied singt er“.

Wander verzeichnet „Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe“ mit rund zwanzig Quellen und einer kritischen Anmerkung: Es sei natürlich, das Beste dessen zu fördern, von dem man abhänge, doch nicht über die Grenzen des Rechts hinaus, sonst gehöre das Sprichwort „in einen Hundekatechismus“. Er nennt auch eine lateinische Parallele, „Cujus edis panes, illius et adspice nutum“, und das niederländische „Wiens brood ik eet, wiens woord ik spreek“.

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Der Gutachter der Baufirma findet am Neubau keinen einzigen Mangel. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, murmelt die Vertreterin der Eigentümergemeinschaft.

  • Beim Grillabend lobt Sarah die Elektroautos ihres Arbeitgebers in den höchsten Tönen. Ihr Schwager lacht: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing, was?“

  • „Natürlich findet der Vereinsvorsitzende den neuen Sponsor großartig“, sagt Trainer Malik in der Kabine. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“

Häufige Fragen

Was bedeutet „wes“ in „Wes Brot ich ess“?

„Wes“ ist eine alte Kurzform von „wessen“, „des“ steht für „dessen“. Ausgeschrieben lautet der Satz: Wessen Brot ich esse, dessen Lied singe ich.

Wie sagt man „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ auf Englisch?

Die übliche Entsprechung ist „He who pays the piper calls the tune“: Wer den Pfeifer bezahlt, bestimmt die Melodie. Das englische Sprichwort schaut vom Geldgeber aus, das deutsche vom Bezahlten.

Ist „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ abwertend?

Meist leicht, denn man unterstellt damit, dass jemand nicht unabhängig urteilt, weil er von einem Geldgeber abhängt. Auf sich selbst bezogen klingt der Satz dagegen ehrlich und selbstironisch.

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Wer den Pfennig nicht ehrt, …

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