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Lustige Sprichwörter: bekannte Klassiker, verdreht

Ein bekanntes Sprichwort, ein unerwartetes Ende: „Wer zuletzt lacht, hat den Witz nicht verstanden.“ Hier stehen nur Abwandlungen, die tatsächlich im Umlauf sind, jeweils mit dem Original, das sie verdrehen.

    • Aller Anfang ist schwer, sagte der Dieb und stahl einen Amboss

      Sagwort, von Wander im 19. Jahrhundert verzeichnet.

    Original: Aller Anfang ist schwer

    • Der frühe Vogel kann mich mal

      Spruch der Langschläfer, 2009 Untertitel der Filmkomödie „13 Semester“.

    • Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus bekommt den Käse

      Beliebte Erwiderung, denn die erste Maus landet in der Falle.

    Original: Der frühe Vogel fängt den Wurm

    • Die Axt im Haus erspart den Scheidungsrichter

      Schwarzer Humor, den Wiktionary als scherzhafte Abwandlung verzeichnet.

    Original: Die Axt im Haus erspart den Zimmermann

    • Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt

      Verbreitete pessimistische Fortsetzung.

    Original: Die Hoffnung stirbt zuletzt

    • Leute machen Kleider

      Umkehrung, schon 1874 in Gottfried Kellers Novelle als Inschrift im Fastnachtszug.

    Original: Kleider machen Leute

    • Was lange gärt, wird endlich Wut

      Der Duden schreibt das Wortspiel dem Aphoristiker Hanns-Hermann Kersten zu.

    Original: Was lange währt, wird endlich gut

    • Wer zuletzt lacht, hat den Witz nicht verstanden

      Verbreiteter Scherzspruch über Spätzünder.

    • Wer zuletzt lacht, denkt zu langsam

      Auch Titel eines Buchs des Comedians Sascha Korf (2010).

    Original: Wer zuletzt lacht, lacht am besten

    • Alte Liebe rostet nicht, ein Beweis, dass sie nicht aus Eisen ist

      Spott aus den Münchner „Fliegenden Blättern“ von 1857, von Wander verzeichnet.

    • Auch alte Liebe rostet

      Schlagzeilenform, die den Sinn umkehrt, etwa bei Scheidungen nach langer Ehe.

    Original: Alte Liebe rostet nicht

    • Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder

      Bekannteste Scherzfortsetzung, 2014 auch Titel eines Dokumentarfilms.

    • Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder, drum pfeif ich auf die Süßigkeit und leg mich wieder nieder

      Verlängerte Fassung, die den Spott zu Ende reimt.

    Original: Arbeit macht das Leben süß

    • Auch ein blindes Huhn trinkt mal einen Korn

      Kalauer mit dem Doppelsinn von „Korn“, 2014 Titel einer Sammlung verdrehter Sprichwörter.

    Original: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn

    • Auf Regen folgt Sonnenschein, sagte Töffel und stellte sich unter die Dachtraufe

      Sagwort, von Wander verzeichnet.

    Original: Auf Regen folgt Sonnenschein

    • Aus einem Elefanten eine Mücke machen

      Umkehrung, die ein aufgebauschtes Problem wieder auf Normalmaß bringen will.

    Original: Aus einer Mücke einen Elefanten machen

    • Da staunst du Bauklötze mit Gummiecken!

      Scherzhafte Steigerung, die Röhrich verzeichnet: Bauklötze mit Gummiecken gibt es nur in der Fantasie.

    Original: Bauklötze staunen

    • Blau ist keine Farbe, blau ist ein Zustand.

      Scherzspruch, den Röhrich als neuere Wendung verzeichnet.

    Original: Blau sein

    • Das Glück ist mit den Doofen

      Spöttisches Gegenstück, oft in der saloppen Form „mit die Doofen“.

    Original: Das Glück ist mit den Tüchtigen

    • Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen

      Verbreiteter Spruch unbekannter Herkunft.

    • Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken!

      Lothar Matthäus zugeschriebener Versprecher, auch im Film „(T)Raumschiff Surprise“ (2004).

    Original: Den Kopf in den Sand stecken

    • Den Herren gibt’s Gott im Schlaf

      Spöttische Abwandlung über die Reichen und Mächtigen, von Wander verzeichnet.

    Original: Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf

    • Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd

      Kalauer mit dem Pferdeapfel.

    • Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum

      Scherzform aus Preußen, die Wander nach Frischbier verzeichnet.

    • Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, es wäre denn, er steht am Hang

      Wird gelegentlich Karl Valentin zugeschrieben, ein Beleg dafür fehlt.

    Original: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

    • Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist

      Bekannter Sponti-Spruch.

    • Der Klügere kippt nach

      Kneipenspruch, 2015 auch Titel einer Late-Night-Show auf Tele 5.

    Original: Der Klügere gibt nach

    • Der Mensch denkt: Gott lenkt. Keine Red davon!

      Bertolt Brecht in „Mutter Courage und ihre Kinder“: Der Doppelpunkt kehrt den Sinn um.

    • Der Mensch denkt und Gott lacht

      Jiddisches Sprichwort: „Der mentsh trakht un got lakht“.

    • Der Mensch denkt’s, Gott lenkt’s und der Teufel besudelt’s

      Bissige Erweiterung, die Wander nach Eiselein verzeichnet.

    Original: Der Mensch denkt, Gott lenkt

    • Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Es kann auch etwas Butter sein

      Dem Aphoristiker Ulrich Erckenbrecht zugeschrieben.

    Original: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

    • Der Scheck heiligt die Mittel

      Wortspiel über Käuflichkeit und Bestechung.

    Original: Der Zweck heiligt die Mittel

    • Die voluminöse Expansion subterraner Knollengewächse ist reziprok proportional zur intellektuellen Kapazität des Agrarökonomen

      Scherz im Gelehrtendeutsch, der in vielen Fassungen umläuft.

    Original: Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln

    • Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin

      Oft Mark Twain zugeschrieben, belegt ist der englische Witz erst 1957.

    Original: Die Zeit heilt alle Wunden

    • Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Bessres findet

      Verbreitete Parodie auf Schillers Vers.

    Original: Drum prüfe, wer sich ewig bindet

    • Ehrlich währt am längsten. Aber wer hat schon so viel Zeit?

      Oft Robert Lembke zugeschrieben, ein Beleg dafür fehlt.

    • Ewig währt am längsten

      Häufiges Wortspiel in Überschriften und Titeln, 1996 etwa Tourmotto der Toten Hosen.

    Original: Ehrlich währt am längsten

    • Eigenlob stimmt

      Titel von Sabine Asgodoms Ratgeber zur Selbst-PR (1996), seitdem ein verbreitetes Motto.

    Original: Eigenlob stinkt

    • Ein Mann, ein Wort. Eine Frau, ein Wörterbuch.

      Scherzhafte Erweiterung, die Lutz Röhrich als frauenfeindlich einstuft.

    Original: Ein Mann, ein Wort

    • Ein Zwilling kommt selten allein

      Deutscher Titel der Filmkomödie von 1998 nach Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“.

    Original: Ein Unglück kommt selten allein

    • Einem geschenkten Barsch schaut man nicht in den Arsch

      Derbe Reimabwandlung, entschärft auch „… nicht in die Kiemen“.

    Original: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul

    • Früh krümmt sich, was ein Häkchen werden will

      Vermischt Schillers Vers mit dem Sprichwort „Was ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten“.

    Original: Früh übt sich, was ein Meister werden will

    • Geld allein macht nicht glücklich, aber es beruhigt

      So verbreitet, dass der Duden-Band „Redewendungen“ den Zusatz als möglichen Teil des Sprichworts führt.

    • Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn

      Oft Marcel Reich-Ranicki zugeschrieben, ein sicherer Beleg fehlt.

    Original: Geld allein macht nicht glücklich

    • Gelegenheit macht Liebe

      Vor allem als Titel von Filmen und Theaterstücken gebräuchlich.

    • Nicht Gelegenheit macht Diebe, sie ist selbst der größte Dieb

      Goethe im „West-östlichen Divan“, als Liebeserklärung.

    Original: Gelegenheit macht Diebe

    • Gleich und gleich gesellt sich gern, sprach der Teufel zum Köhler

      Altes Sagwort, das Wander mit Belegen seit dem 16. Jahrhundert verzeichnet.

    Original: Gleich und Gleich gesellt sich gern

    • Handwerk hat goldenen Boden, sprach der Weber, da schien ihm die Sonne in den leeren Brotbeutel

      Spöttisches Sagwort über die Armut kleiner Handwerker.

    Original: Handwerk hat goldenen Boden

    • Wäre, wäre, Fahrradkette

      Abwandlung von Lothar Matthäus, die Spiegel Online im August 2017 aufgriff.

    Original: Hätte, hätte, Fahrradkette

    • Irren ist menschlich, sagte der Igel und stieg von der Klobürste

      Sagwort, auch mit „Bürste“ oder „Drahtbürste“ erzählt.

    • Irren ist männlich

      Wortspiel, 1996 Titel einer deutschen Filmkomödie.

    Original: Irren ist menschlich

    • Jede Jeck is von woanders.

      Motto der Immisitzung, einer Kölner Karnevalssitzung von Zugezogenen und Eingewanderten, gegründet 2010.

    • Jede Jeck dräump anders.

      Aus dem Motto des Kölner Rosenmontagszugs 1987: „Janz Kölle dräump, un jede Jeck dräump anders“.

    Original: Jeder Jeck is anders

    • Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische

      Wird dem Münchner Komiker Karl Valentin zugeschrieben.

    Original: Jedes Ding hat zwei Seiten

    • Jemandem geht ein Kronleuchter auf

      Scherzhafte Steigerung, im Duden als umgangssprachlich verzeichnet.

    • Jemandem geht ein Seifensieder auf

      Veraltende Scherzform aus der Studentensprache: Seifensieder gossen früher auch Kerzen.

    Original: Jemandem geht ein Licht auf

    • Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Attentat

      Makabre Reimverlängerung aus der Umgangssprache.

    Original: Kommt Zeit, kommt Rat

    • Lachen ist die beste Medizin, außer bei Durchfall

      Derber Scherzspruch, verbreitet auf Tassen und T-Shirts für Pflegekräfte.

    Original: Lachen ist die beste Medizin

    • Leben und sterben lassen

      Deutscher Titel des James-Bond-Films von 1973, im Original „Live and Let Die“.

    Original: Leben und leben lassen

    • Liebe macht blind, aber die Ehe gibt das Gesicht wieder

      Spöttische Fortsetzung, schon bei Wander 1873 verzeichnet.

    Original: Liebe macht blind

    • Morgenstund hat Blei im Hintern

      Umkehrung für Morgenmuffel, derber auch „Blei im Arsch“.

    Original: Morgenstund hat Gold im Mund

    • Ohne Fleiß kein Reis

      Wortspiel, 2012 auch Titel eines Buchs von Martin Hyun.

    Original: Ohne Fleiß kein Preis

    • Ordnung ist das halbe Leben, ich lebe in der anderen Hälfte

      Bürospruch, beliebt auf Schildern und Wandtattoos.

    Original: Ordnung ist das halbe Leben

    • Rache ist Blutwurst

      Umgangssprachlich, literarisch belegt 1929 in Remarques „Im Westen nichts Neues“.

    Original: Rache ist süß

    • Spare in der Not, dann hast du Zeit dazu

      Spöttische Umkehrung, auch mit „da hast du Zeit dazu“.

    Original: Spare in der Zeit, so hast du in der Not

    • Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

      Umkehrung, unter anderem Titel eines Buchs von Verena Bentele.

    Original: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

    • Viele Köche verderben die Köchin

      Anzügliches Wortspiel, das die Wikipedia als Beispiel für ein Antisprichwort anführt.

    Original: Viele Köche verderben den Brei

    • Schadenfreude ist die schönste Freude

      Spöttisches Gegenstück, oft mit dem Zusatz „denn sie kommt von Herzen“.

    Original: Vorfreude ist die schönste Freude

    • Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen

      Ironisches Motto für Aufschieber.

    Original: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen

    • Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Und was ich weiß, machte mich heiß, wenn ich nicht wüßte, wie’s werden müßte.

      Goethes Fortsetzung in seinen Versen „Sprichwörtlich“.

    Original: Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß

    • Wenn zwei sich streiten, freut sich der Rechtsanwalt

      Verbreiteter Juristenwitz.

    Original: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte

    • Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.

      Bertolt Brecht in seinem Lehrstück „Der Neinsager“ (1930/31).

    Original: Wer A sagt, muss auch B sagen

    • Wer anderen eine Grube gräbt, hat ein Grubengrabgerät

      Verbreiteter Kalauer.

    Original: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein

    • Wissen ist Macht. Ich weiß nichts. Macht nichts.

      Sponti-Spruch der 1970er-Jahre, auch mit „Wir wissen nichts“.

    • Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts

      Kürzere Fassung desselben Wortspiels.

    Original: Wissen ist Macht

    • Wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch

      Scherzhafte Abwandlung, die Wolfgang Mieder 1989 in seine „Antisprichwörter“ aufnahm.

    Original: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Häufige Fragen

Was ist ein Antisprichwort?

Ein Antisprichwort ist ein bekanntes Sprichwort, das absichtlich verändert wurde, meist für einen Witz oder um dem Original zu widersprechen. Den Begriff prägte der Sprichwortforscher Wolfgang Mieder, der Tausende solcher Abwandlungen gesammelt hat.

Warum sind verdrehte Sprichwörter lustig?

Ein verdrehtes Sprichwort lebt davon, dass alle das Original im Kopf haben. Der Satz beginnt vertraut und endet anders als erwartet, und dieser Bruch ist die Pointe. Deshalb funktionieren Abwandlungen nur bei sehr bekannten Sprichwörtern.

Woher kommen lustige Sprichwörter?

Viele verdrehte Sprichwörter verbreiteten sich als Sponti-Sprüche der 1970er- und 1980er-Jahre, auf Wänden, Postkarten und Aufklebern, andere als Bürosprüche. Wer sie zuerst gesagt hat, ist fast nie bekannt.

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