Sauer macht lustig
Kurz gesagt
Scherzhafter Spruch beim Essen von Saurem: Gurken, Zitronen und Ähnliches sollen Appetit machen und die Stimmung heben.
Was bedeutet „Sauer macht lustig“?
„Sauer macht lustig“ heißt: Saures Essen regt an, macht Lust auf mehr und hebt die Laune. Man sagt es, wenn jemand in eine Zitronenscheibe beißt und das Gesicht verzieht, wenn die Gewürzgurken direkt aus dem Glas gegessen werden oder wenn ein Kind sich saure Gummischlangen in den Mund stopft. Oft ist der Spruch eine fröhliche Rechtfertigung für den eigenen Geschmack, manchmal eine Ermunterung an Mäkelige, doch ein Stück zu probieren.
Der Ton ist umgangssprachlich und gut gelaunt, als Lebensregel nimmt den Satz niemand ernst. Weil „sauer“ auch „verärgert“ bedeutet, dient er gern als Wortspiel: Wer schmollt, bekommt ihn mit einem Augenzwinkern zu hören, als könne die schlechte Laune selbst lustig machen. Das kann entspannen, bei echtem Ärger aber auch als Spott ankommen. Was „lustig“ hier ursprünglich meinte, ist weniger eindeutig, als es klingt: Vermutlich ging es eher um Appetit als um Heiterkeit.
Woher kommt „Sauer macht lustig“?
Wander verzeichnet „Sauer macht lustig“ unter dem Stichwort „Sauer“ nach Karl Simrocks Sprichwörtersammlung (1846) und erklärt knapp: „Nämlich sauere Speisen.“ Als Beleg aus dem Alltag zitiert er die Zeitschrift „Die Grenzboten“ von 1871 über einen Mann, der „stets sauere Gurken“ aß und dabei die Redensart im Munde führte. Unmittelbar davor steht bei Wander die Fassung „Sauer macht Appetit“ aus einer Rendsburger Handschrift, die im Jahr 1700 begonnen wurde.
Das passt zu einer älteren Bedeutung von „lustig“. Nach Grimms „Deutschem Wörterbuch“ hieß das Wort zunächst „Verlangen habend, etwas begehrend“; dieser Sinn lebe in Zusammensetzungen wie „esslustig“ und „kauflustig“ fort. „Sauer macht lustig“ könnte demnach ursprünglich gemeint haben: Saures macht Lust aufs Essen. Sicher belegt ist diese Deutung nicht, und heute versteht man „lustig“ ganz selbstverständlich als „fröhlich“. Wer den Spruch zuerst gebraucht hat, ist nicht bekannt.
Beispiele aus dem Alltag
Jonas beißt beim Grillabend in eine Zitronenscheibe und verzieht das ganze Gesicht. „Sauer macht lustig“, ruft er und greift nach der nächsten.
Oma Hannelore stellt ein Glas Gewürzgurken neben die Brotzeit. „Nehmt euch, Kinder, sauer macht lustig!“
Mia ist sauer, weil ihr Bruder ihr Ladekabel mitgenommen hat. Der grinst nur: „Sauer macht lustig.“
Lustige Abwandlungen
Sauer macht lustig, lustig macht beutelleer, beutelleer macht kopfschwer
Scherzhafte Verlängerung zu einer Kette, von Wander verzeichnet.
Häufige Fragen
Woher kommt „Sauer macht lustig“?
„Sauer macht lustig“ ist spätestens seit dem 19. Jahrhundert belegt: Wander nimmt es nach Simrocks Sammlung von 1846 auf und bezieht es ausdrücklich auf saure Speisen. Wer den Spruch geprägt hat, ist nicht bekannt.
Was bedeutet „lustig“ in „Sauer macht lustig“?
Früher hieß „lustig“ auch „Lust habend, begierig“, wie noch in „esslustig“. „Sauer macht lustig“ meinte daher vermutlich, dass Saures Appetit macht; Wander kennt auch die Fassung „Sauer macht Appetit“. Heute versteht man „lustig“ als „fröhlich“.
Kann man „Sauer macht lustig“ zu jemandem sagen, der verärgert ist?
Viele nutzen „Sauer macht lustig“ als Wortspiel mit „sauer“ im Sinn von „verärgert“. Unter Freunden lockert das oft die Stimmung, bei echtem Ärger wirkt es leicht spöttisch.
Kurzer Test
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