Das Auge isst mit
Kurz gesagt
Wie appetitlich ein Essen angerichtet ist, beeinflusst, wie gut es uns schmeckt.
- Auf Englisch
- We eat with our eyes first
- Auch gesagt
- Das Auge will auch etwas haben
Was bedeutet „Das Auge isst mit“?
Das Auge isst mit: Ob uns ein Gericht schmeckt, hängt auch davon ab, wie es aussieht. Ein liebevoll angerichteter Teller weckt Appetit, ein grauer Klecks auf Plastikgeschirr verdirbt ihn, selbst wenn der Geschmack derselbe ist. Man sagt den Satz beim Kochen und Servieren, oft als Begründung, warum man noch Schnittlauch darüberstreut oder den Kuchen auf die schöne Platte legt. Er ist umgangssprachlich und freundlich, manchmal augenzwinkernd, wenn jemand beim Dekorieren übertreibt.
Übertragen wird er auf alles, bei dem die Aufmachung zählt: eine Präsentation mit sauberen Folien, ein Schaufenster, ein Geschenk in schönem Papier. Kritisch gebraucht, weist er darauf hin, dass die Optik manchmal mehr Aufmerksamkeit bekommt als der Inhalt. Anders als „Der Schein trügt“ nimmt das Sprichwort den Eindruck des Äußeren aber ernst und sieht darin keine Täuschung, sondern einen Teil des Genusses.
Woher kommt „Das Auge isst mit“?
Woher die Form „Das Auge isst mit“ stammt und seit wann sie verbreitet ist, ist nicht belegt. Wander verzeichnet in seinem Deutschen Sprichwörter-Lexikon (1867–1880) ältere Verwandte: „Das Auge will auch etwas haben“ und „Das Auge will auch sein Theil haben“, dazu das französische „L’oeil veut de tout sa part“, das Auge will von allem seinen Anteil. Im Italienischen sagt man bis heute „l’occhio vuole la sua parte“.
Daneben sammelt Wander eine ganze Reihe von Sprichwörtern, die Auge und Magen gegeneinanderstellen, etwa „Die Augen sind weiter denn der Bauch“, das schon Johannes Agricola im 16. Jahrhundert aufschrieb. Dort geht es allerdings um Gier: Man nimmt sich mehr, als man essen kann. „Das Auge isst mit“ verbindet Sehen und Genießen dagegen freundlich miteinander.
Beispiele aus dem Alltag
Vor dem Geburtstagsbrunch legt Annika die Erdbeeren zu einem Herz auf den Teller. „Das Auge isst mit“, sagt sie, als ihr Bruder die Augen verdreht.
In der Kantine landet das Gulasch lieblos neben dem Reis. „Das Auge isst mit, Leute“, schreibt ein Kollege ins Feedback-Formular.
Beim Kochkurs zieht der Küchenchef die Soße mit dem Löffel in einem Bogen über den Teller. „Schmeckt dadurch nicht besser, aber das Auge isst mit.“
Häufige Fragen
Gibt es ein älteres Sprichwort mit derselben Bedeutung?
Wander verzeichnet im 19. Jahrhundert „Das Auge will auch etwas haben“. Es meint dasselbe: Auch das Sehen will bei einer Sache auf seine Kosten kommen.
Schreibt man „Das Auge isst mit“ oder „Das Auge ißt mit“?
Nach heutiger Rechtschreibung schreibt man „isst“ mit Doppel-s. Die Schreibung „ißt“ galt vor der Rechtschreibreform von 1996.
Wie sagt man „Das Auge isst mit“ auf Englisch?
Eine feste Entsprechung gibt es nicht. Häufig hört man „We eat with our eyes first“, also: Wir essen zuerst mit den Augen.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Gegessen wird, …