Sprichwörter aus der Antike
Manche deutschen Sprichwörter sind rund zweitausend Jahre alt. Sie gehen auf griechische und römische Autoren zurück oder auf lateinische Sprichwörter, die über Schule und Gelehrtensprache ins Deutsche kamen. Hier stehen nur Wendungen mit belegtem antikem Ursprung.
- Aus einer Mücke einen Elefanten machenEine Kleinigkeit maßlos aufbauschen und so tun, als sei sie ein riesiges Problem.
- Besser spät als nieEtwas verspätet zu tun ist allemal besser, als es ganz zu lassen.
- Eile mit WeileAuch wer es eilig hat, sollte sorgfältig bleiben, denn Hast führt zu Fehlern, die am Ende mehr Zeit kosten.
- Eine Hand wäscht die andereWer einem anderen einen Gefallen tut, kann mit einer Gegenleistung rechnen; oft heißt es auch, dass man sich gegenseitig deckt.
- Eine Krähe hackt der anderen kein Auge ausLeute aus derselben Gruppe oder demselben Berufsstand schonen und decken einander, auch wenn einer von ihnen etwas falsch gemacht hat.
- Eine Schwalbe macht noch keinen SommerEin einzelnes gutes Zeichen beweist noch nicht, dass sich eine Lage wirklich und dauerhaft gebessert hat.
- Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins MaulEin Geschenk nimmt man dankbar an, ohne es kritisch zu prüfen oder seinen Wert zu bemängeln.
- Es ist noch nicht aller Tage AbendDie Sache ist noch nicht entschieden; es kann sich noch vieles ändern, zum Guten wie zum Schlechten.
- Eulen nach Athen tragenEtwas Überflüssiges tun, indem man etwas dorthin bringt, wo es davon ohnehin mehr als genug gibt.
- Geld stinkt nichtWoher Geld stammt, sieht und riecht man ihm nicht an. Auch Einnahmen aus anrüchigen Quellen sind so viel wert wie andere.
- Gleich und Gleich gesellt sich gernMenschen mit ähnlichen Ansichten, Interessen oder Schwächen finden leicht zueinander.
- Gottes Mühlen mahlen langsamUnrecht wird oft erst spät bestraft, aber am Ende holt die Gerechtigkeit den Täter doch ein.
- Irren ist menschlichJeder Mensch macht Fehler. Das gehört zum Menschsein dazu und ist verzeihlich.
- Jeder ist seines Glückes SchmiedWie das eigene Leben verläuft, hängt vor allem vom eigenen Handeln ab.
- Öl ins Feuer gießenEinen Streit oder eine ohnehin gereizte Stimmung durch Worte oder Taten noch weiter anheizen.
- Schuster, bleib bei deinem LeistenMan soll bei dem bleiben, wovon man etwas versteht, und nicht über Dinge urteilen, für die einem das Wissen fehlt.
- Steter Tropfen höhlt den SteinMit Ausdauer erreicht man auch Schwieriges, wenn man nur immer wieder dranbleibt.
Häufige Fragen
Welche Sprichwörter kommen aus dem Lateinischen?
Aus dem Lateinischen stammen zum Beispiel „Eine Hand wäscht die andere“ (manus manum lavat, bei Seneca und Petronius) und „Steter Tropfen höhlt den Stein“ (gutta cavat lapidem, bei Ovid). „Geld stinkt nicht“ geht auf eine Anekdote über Kaiser Vespasian zurück, die Sueton erzählt.
Wie kamen antike Sprichwörter ins Deutsche?
Antike Sprichwörter kamen vor allem über den Lateinunterricht und die Gelehrtensprache ins Deutsche. Die „Adagia“ des Erasmus von Rotterdam, erstmals 1500 erschienen und später auf über 4000 Einträge erweitert, machten lateinische und griechische Sprichwörter in ganz Europa bekannt. Übersetzt wanderten viele davon in die Alltagssprache.
Stammt jedes Sprichwort, das alt klingt, aus der Antike?
Bei vielen Sprichwörtern wird ein antiker Ursprung behauptet, der sich nicht belegen lässt. In dieser Liste stehen nur Wendungen, für die eine antike Quelle nachweisbar ist, etwa ein Vers bei Ovid oder eine Stelle bei Sueton.