Ein trojanisches Pferd
Kurz gesagt
Etwas scheinbar Harmloses oder Willkommenes, in dem eine verborgene Gefahr steckt, die erst wirkt, wenn man es hereingelassen hat.
- Ursprung
- Aus der Antike
- Auf Englisch
- a Trojan horse
Was bedeutet „Ein trojanisches Pferd“?
„Ein trojanisches Pferd“ ist etwas, das harmlos oder sogar als Geschenk daherkommt und in Wahrheit eine Gefahr ins Innere bringt. Man nennt so ein Angebot, hinter dem ein Hintergedanke steckt, ein Gesetz, in dem eine unbeliebte Regel versteckt ist, oder eine Person, die eine Gruppe von innen heraus unterwandern soll. Im Ton ist es fast immer ein Vorwurf oder eine Warnung: „Dieses Abkommen ist ein trojanisches Pferd.“ In der Politik gehört das Bild zum festen Vokabular, gerade bei Handelsabkommen und Gesetzespaketen.
Seit den 1970er Jahren hat das Bild eine zweite, technische Bedeutung: ein Programm, das sich als nützliche Software tarnt und im Hintergrund Schaden anrichtet. Im Alltag heißt es kurz „Trojaner“, nach dem englischen „Trojan“. Streng genommen sind Trojaner die Bewohner Trojas, also die Getäuschten, der Duden verzeichnet das Wort aber in beiden Bedeutungen. Geschrieben wird das Pferd aus der Sage groß („das Trojanische Pferd“), im übertragenen Sinn klein.
Woher kommt „Ein trojanisches Pferd“?
Das Bild stammt aus der Sage vom Fall Trojas. In der „Ilias“ kommt das Pferd nicht vor, wohl aber in der „Odyssee“. Dort bittet Odysseus den Sänger Demodokos um das Lied vom hölzernen Pferd, das Epeios mit Athenes Hilfe baute und das Odysseus mit einer List in die Burg von Troja brachte (8. Gesang). Die Trojaner beraten, ob sie es zerschlagen, vom Felsen stürzen oder als Weihgabe für die Götter behalten sollen, und entscheiden sich für das Letzte. Dann steigen die im Bauch versteckten Griechen heraus und zerstören die Stadt.
Am ausführlichsten erzählt Vergil im zweiten Buch der „Aeneis“. Dort warnt der Priester Laokoon: „timeo Danaos et dona ferentis“, ich fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen (2,49). Die Trojaner reißen trotzdem ihre eigene Mauer ein, um das Pferd hereinzuziehen. Verwandt ist das Wort „Danaergeschenk“ für eine Unheil bringende Gabe. Der Duden leitet es allerdings nicht von diesem Vers ab, sondern von „Danaum fatale munus“, dem verhängnisvollen Geschenk der Danaer bei Seneca. Gemeint ist auch dort das Pferd. Für Computerprogramme ist „Trojan horse“ seit Anfang der 1970er Jahre belegt, etwa im Unix-Handbuch von 1971 und in einem Bericht der US Air Force von 1974.
Beispiele aus dem Alltag
Die Opposition hält das Handelsabkommen für ein trojanisches Pferd. „Vorne steht Zollsenkung drauf, und hinten kommen die privaten Schiedsgerichte heraus“, sagt die Abgeordnete im Bundestag.
Jonas hat den Anhang einer angeblichen Paketbenachrichtigung geöffnet. Fünf Minuten später ruft die IT an: „Das war ein trojanisches Pferd. Zieh bitte sofort das Netzwerkkabel.“
Ein Investor bietet dem Sportverein ein neues Vereinsheim an, will dafür aber bei der Trainerwahl mitreden. Die Vorsitzende Aylin Demir warnt: „Das Geschenk ist ein trojanisches Pferd.“
Häufige Fragen
Wo kommt das Trojanische Pferd vor?
Das Trojanische Pferd kommt in Homers „Odyssee“ vor, vor allem im Lied des Demodokos im 8. Gesang, und ausführlich in Vergils „Aeneis“ (2. Buch). In der „Ilias“ wird es nicht erzählt, denn sie endet vor dem Fall Trojas.
Warum heißt Schadsoftware Trojaner?
Der Trojaner ist nach dem trojanischen Pferd benannt: Das Programm gibt sich als nützlich aus und schleust verborgen Schaden ein. „Trojaner“ ist eine Kurzform des englischen „Trojan horse“, das der Duden als EDV-Jargon verzeichnet.
Schreibt man „trojanisches Pferd“ groß oder klein?
Das Pferd aus der Sage schreibt man groß, „das Trojanische Pferd“. Im übertragenen Sinn, auch für Schadsoftware, schreibt der Duden klein: „ein trojanisches Pferd“.
Was bedeutet „Timeo Danaos et dona ferentes“?
„Timeo Danaos et dona ferentes“ heißt: Ich fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen. Mit diesem Satz warnt Laokoon in Vergils „Aeneis“ (2,49) die Trojaner vor dem hölzernen Pferd. „Danaer“ ist ein alter Name für die Griechen.
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