Ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Kurz gesagt
Ironischer Hinweis, dass hinter einem scheinbar harmlosen Vorgang sehr wohl eine eigennützige Absicht stecken dürfte.
- Auf Englisch
- Honi soit qui mal y pense
- Evil be to him who evil thinks
- Auch gesagt
- Ein Schelm, der Böses dabei denkt
- Ein Schuft, wer Böses dabei denkt
Was bedeutet „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“?
„Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“ heißt wörtlich: Nur ein Schurke würde dahinter eine böse Absicht vermuten. Gemeint ist fast immer das Gegenteil. Der Sprecher hält den Verdacht für naheliegend und äußert ihn auf diese Weise, ohne ihn offen auszusprechen. Das DWDS nennt den Satz einen ironischen Ausspruch, oft mit einem Augenzwinkern. Typisch ist er in Kommentaren und Leserbriefen: Ein Minister wechselt nach dem Ausscheiden zu einem Konzern, dem er vorher Aufträge verschafft hat, die Spritpreise steigen pünktlich zu den Sommerferien, der Neffe des Bürgermeisters bekommt den Zuschlag.
Der Witz liegt in der Umkehrung. Wer den Verdacht hat, erklärt sich scheinbar selbst zum Schelm und überlässt den Gedanken dem Publikum. So schützt man sich vor dem Vorwurf, etwas unterstellt zu haben. Meist steht der Satz am Ende, nachdem die verdächtigen Umstände aufgezählt sind. Er klingt etwas gebildet, ist aber im Alltag geläufig, bis in den Gruppenchat. Als ehrliche Bitte, nichts Schlechtes zu denken, wird er heute kaum noch gebraucht. Statt „wer“ hört man auch „der“, statt „Schelm“ gelegentlich „Schuft“.
Woher kommt „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“?
Die Wendung übersetzt „Honi soit qui mal y pense“, den Wahlspruch des englischen Hosenbandordens. Der Satz ist anglonormannisch, also im Französisch des mittelalterlichen englischen Hofs abgefasst, und bedeutet etwa: Beschämt sei, wer Schlechtes davon denkt. König Eduard III. stiftete den Orden in den 1340er Jahren, als Gründungsjahr gilt meist 1348. Deutsche Nachschlagewerke übersetzten den Spruch lange ganz verschieden, Meyers Konversations-Lexikon (1907) etwa mit „Schmach über den, der Arges dabei denkt!“. Wann sich die Fassung mit dem Schelm durchsetzte, ist nicht geklärt.
Bekannt ist eine Legende: Bei einem Fest habe eine Dame, meist als Gräfin von Salisbury bezeichnet, ihr Strumpfband verloren. Als die Höflinge lachten, habe der König es aufgehoben, sich selbst ans Bein gebunden und den Satz gesprochen. Belegt ist das nicht. Die Geschichte ist erst über hundert Jahre nach der Ordensgründung schriftlich nachweisbar und gilt in der Forschung als erfunden. Vermutlich zielte der Wahlspruch auf Eduards Anspruch auf die französische Krone. „Schelm“ war früher ein starkes Schimpfwort: Laut DWDS bedeutete es im Mittelhochdeutschen „Aas“, dann „Schurke, Betrüger“. Erst seit dem 17. Jahrhundert schwächte sich die Bedeutung allmählich zum heutigen „Spaßvogel“ ab.
Beispiele aus dem Alltag
Der Stadtrat vergibt den Auftrag für die neue Schulmensa an die Firma, die von der Schwester des Bürgermeisters geführt wird. Redakteurin Aylin Demir schließt ihren Kommentar mit: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“
Pünktlich zum Ferienbeginn steigt der Spritpreis um zwölf Cent. Jonas schreibt in den Familienchat: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“
Die Kollegin, die sonst um vier geht, bleibt ausgerechnet in der Woche lange, in der über die Beförderung entschieden wird. Murat grinst: „Ein Schelm, der Böses dabei denkt.“
Häufige Fragen
Woher kommt „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“?
„Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“ ist eine deutsche Fassung von „Honi soit qui mal y pense“, dem Wahlspruch des englischen Hosenbandordens. König Eduard III. stiftete den Orden im 14. Jahrhundert, als Gründungsjahr gilt meist 1348.
Stimmt die Geschichte vom verlorenen Strumpfband?
Die Erzählung, Eduard III. habe das Strumpfband einer Gräfin aufgehoben und dabei „Honi soit qui mal y pense“ gesagt, gilt als Legende. Sie ist erst über hundert Jahre nach der Ordensgründung schriftlich nachweisbar, Zeugnisse aus der Zeit selbst fehlen.
Was bedeutet „Schelm“ in „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“?
In der Wendung steht „Schelm“ im alten Sinn für einen Schurken oder Betrüger. Heute denkt man bei dem Wort eher an einen Spaßvogel, deshalb sagen manche auch „Ein Schuft, wer Böses dabei denkt“.
Ist „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“ ironisch gemeint?
Fast immer. Wer „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“ sagt, hält den Verdacht in Wahrheit für berechtigt und deutet ihn nur an, statt ihn offen zu erheben.
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