Ein Pyrrhussieg
Kurz gesagt
Ein Sieg, der mit so hohen Verlusten erkauft ist, dass er eher einer Niederlage gleichkommt.
- Ursprung
- Aus der Antike
- Auf Englisch
- a Pyrrhic victory
Was bedeutet „Ein Pyrrhussieg“?
„Ein Pyrrhussieg“ ist ein Sieg, der so teuer bezahlt wird, dass er einer Niederlage nahekommt. Man gewinnt den Streit, das Spiel oder die Abstimmung und steht danach schlechter da als vorher. Typische Fälle: Ein Mieter bekommt nach drei Jahren Prozess recht und bleibt auf den Anwaltskosten sitzen. Eine Partei setzt sich in der Koalition durch und verliert dabei den Partner. Eine Mannschaft gewinnt das Pokalspiel, aber ihr bester Spieler fällt monatelang aus. Gängig sind Verbindungen wie „einen Pyrrhussieg erringen“ oder „sich als Pyrrhussieg erweisen“. Der Duden nennt das Wort bildungssprachlich, in Sportberichten und politischen Kommentaren ist es aber alltäglich.
Nicht jeder knappe oder glückliche Sieg ist ein Pyrrhussieg. Entscheidend ist, dass der Preis den Gewinn aufzehrt, und das zeigt sich oft erst im Rückblick. Deshalb steht das Wort gern in Sätzen wie „Was wie ein Sieg aussah, war ein Pyrrhussieg“. Wer jemandem vorhält, er habe nur einen Pyrrhussieg errungen, meint: Du hast zwar gewonnen, aber zu welchem Preis. Der Ton ist nüchtern bis spöttisch.
Woher kommt „Ein Pyrrhussieg“?
Das Wort geht auf König Pyrrhus (griechisch Pyrrhos) von Epirus zurück, der 280 und 279 v. Chr. gegen die Römer zwei Schlachten gewann, bei Herakleia und bei Asculum, jedes Mal unter schweren eigenen Verlusten. Plutarch erzählt in seiner Lebensbeschreibung des Pyrrhos (Kapitel 21), wie dieser nach Asculum einem Gratulanten geantwortet haben soll: Wenn wir noch eine Schlacht gegen die Römer gewinnen, sind wir völlig verloren.
Plutarch gibt den Satz als Überlieferung wieder und begründet ihn: Pyrrhus hatte einen großen Teil seines Heeres und bis auf wenige alle Freunde und Feldherren verloren, Nachschub aus der Heimat kam nicht, während Rom seine Verluste rasch ersetzte. Die Zahlen schwanken schon in den antiken Quellen. Plutarch nennt nach dem Geschichtsschreiber Hieronymos rund 6000 tote Römer und 3505 Gefallene auf Seiten des Pyrrhus, nach Dionysios dagegen über 15 000 Tote insgesamt. Im Deutschen ist „Pyrrhussieg“ spätestens Anfang des 20. Jahrhunderts geläufig: Das DWDS zitiert Georg Hermanns Roman „Kubinke“ (1910) mit dem Satz, die Jugend wisse noch nicht, „daß diese Siege nur Pyrrhussiege sind“.
Beispiele aus dem Alltag
Familie Nowak hat den Streit um die Grundstücksgrenze vor Gericht gewonnen. „Ein Pyrrhussieg“, sagt Frau Nowak, „die Anwälte haben mehr gekostet als die zwei Meter Rasen, und mit den Nachbarn redet keiner mehr.“
Der Verein gewinnt das Derby 1:0, doch Kapitän Murat humpelt mit einem Bänderriss vom Platz. Im Podcast heißt es am Abend: „Drei Punkte, aber das war ein Pyrrhussieg.“
Leonie hat sich mit ihrem Vorschlag im Projektteam durchgesetzt, nach einer Sitzung voller Streit. Ihre Kollegin schreibt ihr danach: „Glückwunsch, aber pass auf, dass es kein Pyrrhussieg wird. Die anderen sind ziemlich sauer.“
Häufige Fragen
Wer war Pyrrhus?
Pyrrhus, griechisch Pyrrhos, war König von Epirus im Nordwesten Griechenlands. Er besiegte die Römer 280 und 279 v. Chr. zweimal, erlitt dabei aber so hohe Verluste, dass sein Name für den Pyrrhussieg steht.
Was hat Pyrrhus über seinen Sieg gesagt?
Nach Plutarch soll Pyrrhus nach der Schlacht bei Asculum einem Gratulanten geantwortet haben: Wenn wir noch eine Schlacht gegen die Römer gewinnen, sind wir völlig verloren. Plutarch gibt den Satz als Überlieferung wieder, nicht als wörtlich bezeugtes Zitat.
Wie sagt man „Pyrrhussieg“ auf Englisch?
Ein Pyrrhussieg heißt auf Englisch „a Pyrrhic victory“. Die Wendung wird genauso gebraucht wie im Deutschen.
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