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Wie gewonnen, so zerronnen

Kurz gesagt

Was man schnell oder ohne Mühe bekommen hat, ist oft genauso schnell wieder weg.

Auf Englisch
Easy come, easy go
Auch gesagt
Leicht gewonnen, leicht zerronnen

Was bedeutet „Wie gewonnen, so zerronnen“?

„Wie gewonnen, so zerronnen“ sagt man, wenn etwas, das man leicht oder plötzlich bekommen hat, ebenso rasch wieder verloren geht. Klassisch ist das Geld: der Lottogewinn, der nach zwei Jahren verprasst ist, die Steuererstattung, die von der Autoreparatur aufgefressen wird, die Kryptowährung, die sich erst verdoppelt und dann halbiert. Der Ton ist meist gelassen bis schicksalsergeben, oft auch spöttisch, wenn jemand schnelles Geld leichtsinnig ausgegeben hat.

DWDS verzeichnet daneben einen erweiterten Gebrauch: Auch eine Führung im Fußballspiel, ein Rekord oder eine junge Liebe können „wie gewonnen, so zerronnen“ sein. Im Kern steckt die Beobachtung, dass leicht Erworbenes schlecht hält. „Zerrinnen“ bedeutet ‚zerfließen, sich auflösen‘, wie Schnee in der Sonne. Mit „Unrecht Gut gedeiht nicht“ ist der Satz verwandt, aber nicht gleich: Dort geht es um unehrlich erworbenen Besitz, hier nur um leicht gewonnenen.

Woher kommt „Wie gewonnen, so zerronnen“?

Den Kern des Spruchs kennt das Deutsche seit dem Spätmittelalter. Wander verzeichnet „Leicht gewunnen, leicht zerrunnen“ und merkt an, es komme schon um 1360 bei dem österreichischen Spruchdichter Heinrich dem Teichner vor. Im 16. Jahrhundert sammeln Eberhard Tappius und Sebastian Franck die Form „So gewunnen, so entrunnen“. Die heutige Fassung „Wie gewonnen, so zerronnen“ belegt Wander mit vielen Quellen des 18. und 19. Jahrhunderts; 1815 trug sogar ein in Heidelberg aufgeführtes Sprichwortspiel diesen Titel.

Ähnliche Sprüche gibt es in vielen Sprachen, etwa englisch „Easy come, easy go“. Oft wird auch das lateinische „Male parta male dilabuntur“ genannt, das Cicero in seiner zweiten Philippischen Rede als Wort eines ungenannten Dichters zitiert. Es heißt aber ‚Übel Erworbenes zerrinnt übel‘ und zielt auf unrechtes Gut, nicht auf leicht gewonnenes.

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Timo gewinnt beim Tippspiel im Büro 200 Euro und lädt am selben Abend die ganze Abteilung in die Kneipe ein. Am Monatsende schaut er aufs Konto: „Wie gewonnen, so zerronnen.“

  • In der 80. Minute führt der FC mit 2:0, fünf Minuten später steht es 2:2. „Wie gewonnen, so zerronnen“, schreibt Lisa in die Fangruppe.

  • Oma Gerda hört, dass der Nachbar seine Erbschaft in einen Sportwagen und eine Weltreise gesteckt hat. „Wie gewonnen, so zerronnen“, sagt sie und gießt weiter ihre Tomaten.

Häufige Fragen

Wie sagt man „Wie gewonnen, so zerronnen“ auf Englisch?

Die feste Entsprechung ist „Easy come, easy go“. Sie wird genauso für Geld, Erfolge und kurze Liebschaften gebraucht.

Was bedeutet „zerronnen“?

„Zerronnen“ ist das Partizip von „zerrinnen“ und heißt ‚zerflossen, aufgelöst‘. Das Wort klingt etwas gehoben und lebt im Alltag vor allem in diesem Sprichwort und in Wendungen wie „unter den Fingern zerrinnen“.

Ist „Wie gewonnen, so zerronnen“ dasselbe wie „Unrecht Gut gedeiht nicht“?

Nicht ganz. „Unrecht Gut gedeiht nicht“ meint unehrlich erworbenen Besitz, „Wie gewonnen, so zerronnen“ dagegen alles, was man schnell oder ohne Mühe bekommen hat, auch ganz legal.

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