Wer hat, dem wird gegeben
Kurz gesagt
Wer schon viel besitzt, bekommt meist noch mehr dazu, während die, die wenig haben, leer ausgehen.
- Ursprung
- Aus der Bibel
- Auf Englisch
- The rich get richer
- Unto every one that hath shall be given
- Auch gesagt
- Wer da hat, dem wird gegeben
- Wer hat, dem gibt man
- Gegenteil
- Die Letzten werden die Ersten sein
Was bedeutet „Wer hat, dem wird gegeben“?
„Wer hat, dem wird gegeben“ heißt: Wer schon viel besitzt, bekommt meist noch mehr dazu. Geld, Ansehen und Erfolg ziehen weiteres Geld, weiteres Ansehen und weiteren Erfolg an. Man sagt den Satz meist bitter oder ironisch, wenn ein reicher Konzern Fördergeld erhält, der Gutverdiener auch noch die Tombola gewinnt oder die ohnehin beliebteste Schülerin zusätzlich zur Klassensprecherin gewählt wird. Er beschreibt eine Ungerechtigkeit, die man beklagt, aber selten ändern kann.
Seltener klingt er anerkennend, etwa wenn ein Erfolg den nächsten nach sich zieht. Die Soziologie hat dafür einen Namen: Robert K. Merton nannte 1968 die Beobachtung, dass bekannte Forscher für vergleichbare Arbeit mehr Anerkennung bekommen als unbekannte, den „Matthäus-Effekt“. Seitdem spricht man auch in Bildung und Wirtschaft davon, wenn sich kleine Vorsprünge zu großen Abständen aufschaukeln. Mit dem ursprünglichen Sinn des Bibelworts hat diese Deutung wenig zu tun.
Woher kommt „Wer hat, dem wird gegeben“?
Der Satz steht zweimal im Matthäusevangelium. Als die Jünger fragen, warum Jesus in Gleichnissen redet, antwortet er: „Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat“ (Matthäus 13,12, Lutherbibel 2017). Am Ende des Gleichnisses von den anvertrauten Talenten steht er noch einmal: Dem Knecht, der sein Geld vergraben hat, wird es genommen und dem gegeben, der schon zehn Zentner hat (Matthäus 25,28–29). Ähnlich heißt es in Markus 4,25, Lukas 8,18 und Lukas 19,26.
Gemeint war geistliches Verstehen, nicht Besitz. Luther erklärte in seiner Bibel von 1545 am Rand: Wo das Wort Gottes verstanden werde, „da mehret es sich“, wo nicht, „da nimpt es ab“. Als Sprichwort außerhalb der Bibel ist der Satz früh belegt. Wander verzeichnet „Wer hat, dem wirt gegeben“ nach Sebastian Francks Sammlung von 1541, dazu „Wer hat, dem gibt man“ und das lateinische „Habenti dabitur“. Merton zitiert in seinem Aufsatz von 1968 den Vers Matthäus 25,29 nach der King-James-Bibel.
Quellen
- Lutherbibel 2017: Matthäus 13,10–12
- Lutherbibel 2017: Matthäus 25,14–30
- Lutherbibel 1545: Matthäus 13,12, mit Luthers Randglosse
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Haben‘
- Wikipedia: Matthäus-Effekt
- Robert K. Merton: The Matthew Effect in Science. In: Science 159 (1968), S. 56–63
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Der Konzern macht Milliardengewinne und bekommt trotzdem Fördergeld für sein neues Werk. Leonie schüttelt beim Zeitunglesen den Kopf: „Wer hat, dem wird gegeben.“
Ausgerechnet Herr Nowak, der schon zwei Ferienwohnungen besitzt, gewinnt bei der Firmentombola den Reisegutschein. Kollegin Aylin seufzt: „Wer hat, dem wird gegeben.“
Nach ihrem ersten Hit kann die Band plötzlich zwischen drei Plattenfirmen wählen. Ihr Manager grinst: „Wer hat, dem wird gegeben. Jetzt bloß nichts falsch machen.“
Häufige Fragen
Wo steht „Wer hat, dem wird gegeben“ in der Bibel?
„Wer hat, dem wird gegeben“ geht auf Matthäus 13,12 und Matthäus 25,29 zurück, ähnlich auch auf Markus 4,25 und Lukas 8,18 und 19,26. Die Lutherbibel schreibt: „Denn wer da hat, dem wird gegeben“.
Was ist der Matthäus-Effekt?
Der Matthäus-Effekt ist ein Begriff des Soziologen Robert K. Merton aus dem Jahr 1968. Er beschreibt, dass bestehende Vorteile weitere Vorteile nach sich ziehen, zuerst am Beispiel berühmter Wissenschaftler. Der Name verweist auf „Wer hat, dem wird gegeben“ im Matthäusevangelium.
Wie sagt man „Wer hat, dem wird gegeben“ auf Englisch?
Im Alltag sagt man „The rich get richer“. Die King-James-Bibel übersetzt Matthäus 25,29 mit „Unto every one that hath shall be given“.
Kurzer Test
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