Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht
Kurz gesagt
Wer einmal beim Lügen ertappt wurde, verliert Vertrauen und wird später selbst dann angezweifelt, wenn er die Wahrheit sagt.
- Auf Englisch
- A liar is not believed when he speaks the truth
- Auch gesagt
- Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht
- Gegenteil
- Einmal ist keinmal
Was bedeutet „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“?
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht: Wer beim Lügen erwischt wurde, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, das lange nachwirkt. Man sagt den Satz, wenn sich jemand über Misstrauen beklagt, das er selbst verursacht hat. Etwa die Fünfzehnjährige, die nach der erfundenen Übernachtung bei einer Freundin plötzlich jede Verabredung belegen muss, oder der Kollege, dessen Krankmeldungen seit einer aufgeflogenen Ausrede niemand mehr ungeprüft hinnimmt. Der Ton ist meist ernst und ein wenig belehrend. Eltern und Lehrkräfte benutzen das Sprichwort gern, unter Erwachsenen klingt es eher wie eine trockene Feststellung.
Vollständig heißt es „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht“. Erst der zweite Teil zeigt, worum es eigentlich geht: um die Folge der Lüge. Wer gelogen hat, kann später völlig recht haben und wird trotzdem angezweifelt. Ganz wörtlich nimmt das allerdings niemand. Ein einzelner Schwindel macht einen Menschen nicht für immer unglaubwürdig, und Vertrauen lässt sich zurückgewinnen. Das Sprichwort beschreibt, wie schnell es kippt und wie mühsam der Weg zurück ist.
Woher kommt „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“?
Der Gedanke ist antik. Cicero schreibt in „De divinatione“ (2,146): „Mendaci homini ne verum quidem dicenti credere solemus“, also etwa: Einem Lügner glauben wir nicht einmal, wenn er die Wahrheit sagt. Dieselbe Lehre zieht die Äsop zugeschriebene Fabel vom Hirtenjungen, der so oft zum Spaß „Wolf!“ ruft, dass ihm niemand mehr zu Hilfe kommt, als der Wolf tatsächlich da ist.
Im Deutschen verzeichnet Friedrich Petri Anfang des 17. Jahrhunderts die Form „Wer einmal leugt, dem glaubt man nicht wieder“. Die heute bekannte gereimte Fassung mit dem Zusatz „und wenn er auch die Wahrheit spricht“ steht 1846 in Karl Simrocks Sammlung „Die deutschen Sprichwörter“. Wander übernimmt sie 1873 in den dritten Band seines Deutschen Sprichwörter-Lexikons und stellt ihr Entsprechungen aus dem Dänischen, Englischen, Französischen und Italienischen an die Seite.
Quellen
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Lügen‘
- Karl Simrock: Die deutschen Sprichwörter (1846)
- Cicero: De divinatione 2,146
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Lena hat ihren Eltern erzählt, sie lerne bei Jana, und war in Wahrheit auf einem Konzert. Seitdem ruft ihr Vater jedes Mal bei Janas Mutter an. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, sagt er nur, als Lena protestiert.
Der Mittelfeldspieler hatte sich vor drei Wochen krankgemeldet und wurde am selben Abend in einer Bar fotografiert. Als er jetzt wirklich mit Fieber absagt, brummt der Trainer: „Tja. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“
„Diesmal war der Akku wirklich leer!“, schreibt Paul in den Familienchat. Seine Schwester antwortet knapp: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“
Häufige Fragen
Wie geht „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“ weiter?
Die vollständige Fassung lautet „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht“. So steht sie schon 1846 in Karl Simrocks Sprichwortsammlung.
Welche Fabel passt zu „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“?
Die Fabel vom Hirtenjungen und dem Wolf, die Äsop zugeschrieben wird. Der Junge schlägt so oft falschen Alarm, dass ihm niemand mehr glaubt, als der Wolf wirklich kommt.
Wie sagt man das auf Englisch?
Das englische Sprichwort lautet „A liar is not believed when he speaks the truth“. Wer durch falschen Alarm sein Vertrauen verspielt, von dem sagt man auch, er habe „cried wolf“.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Eigenlob …