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Der Schein trügt

Kurz gesagt

Etwas oder jemand ist anders, als es auf den ersten Blick wirkt; der äußere Eindruck führt in die Irre.

Auf Englisch
Appearances are deceptive
Appearances can be deceiving
Don’t judge a book by its cover
Auch gesagt
Der Schein betrügt
Der Schein kann trügen

Was bedeutet „Der Schein trügt“?

Der Schein trügt: Was harmlos, gut oder schlecht aussieht, muss es nicht sein. Man sagt das, wenn sich ein erster Eindruck als falsch herausgestellt hat, oder als Warnung, bevor jemand voreilig urteilt. Der freundliche Vermieter entpuppt sich als Abzocker, das unscheinbare Restaurant hat die beste Küche der Stadt, die stille Mitschülerin gewinnt den Debattierwettbewerb. Der Satz ist kurz und neutral und passt in jede Stilebene, vom Familientisch bis zum Zeitungskommentar.

Das Sprichwort wirkt in zwei Richtungen: Es warnt vor Blendern, die besser aussehen, als sie sind, und es nimmt Menschen in Schutz, die unterschätzt werden. „Trügen“ ist ein älteres Wort für ‚täuschen‘ und lebt vor allem in festen Verbindungen weiter, etwa in „wenn mich nicht alles trügt“ oder im Adjektiv „trügerisch“. In der Vergangenheit heißt es „Der Schein trog“. Wer das Sprichwort als Pauschalurteil benutzt, übersieht allerdings, dass der erste Eindruck oft auch stimmt.

Woher kommt „Der Schein trügt“?

Der Gedanke ist alt und in vielen Sprachen zu Hause: lateinisch „Fallitur visus“, italienisch „L’apparenza inganna“, niederländisch „Schijn bedriegt“. Wander verzeichnet in seinem „Deutschen Sprichwörter-Lexikon“ die kurze Form „Der Schein trügt“ mit Belegen aus zahlreichen Sammlungen und Mundarten, plattdeutsch etwa „De Schin drügt“. Daneben stehen gereimte Fassungen wie „Der Schein betrügt, der Spiegel lügt“ und „Der Schein betrügt, die Wahrheit siegt“. Zum ersten Reim stellt Wander Senecas „Fallaces sunt rerum species“, der Anschein der Dinge ist trügerisch.

Schon im 16. Jahrhundert reimt der Fabeldichter Burkard Waldis, nichts betrüge die Leute so sehr wie der Schein und das äußere Glänzen. Wann sich die knappe heutige Form durchgesetzt hat, lässt sich nicht genau sagen.

Beispiele aus dem Alltag

  • Das Café an der Ecke sieht aus wie eine Imbissbude, aber der Kuchen ist der beste im Viertel. „Der Schein trügt“, sagt Ayşe und bestellt ein zweites Stück.

  • Im Kegelverein gilt der neue Kassenwart als Musterknabe, bis die Kassenprüfer Lücken in der Abrechnung finden. „Tja, der Schein trügt“, sagt die Vorsitzende.

  • Der Gebrauchtwagen glänzt frisch poliert, doch Onkel Bernd legt sich darunter und schüttelt den Kopf: „Der Schein trügt, Junge. Da unten ist alles verrostet.“

Häufige Fragen

Wie heißt „der Schein trügt“ in der Vergangenheit?

„Trügen“ ist ein starkes Verb: der Schein trügt, der Schein trog, der Schein hat getrogen. Das DWDS verzeichnet nur diese Formen, „trügte“ ist nicht standardsprachlich.

Was ist der Unterschied zwischen „trügen“ und „betrügen“?

„Trügen“ heißt ‚einen falschen Eindruck erwecken‘ und setzt keine Absicht voraus. „Betrügen“ meint, jemanden bewusst zu hintergehen. Der Schein kann also trügen, ohne dass jemand betrügt.

Wie sagt man „der Schein trügt“ auf Englisch?

Üblich sind „appearances are deceptive“ und „appearances can be deceiving“. Bildhafter ist „don’t judge a book by its cover“: Beurteile ein Buch nicht nach seinem Umschlag.

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