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Stille Wasser sind tief

Kurz gesagt

Wer ruhig und unauffällig wirkt, hat oft mehr Gedanken, Gefühle oder Fähigkeiten, als man ihm zutraut.

Auf Englisch
Still waters run deep
Auch gesagt
Stille Wasser gründen tief
Stille Wasser haben tiefe Gründe

Was bedeutet „Stille Wasser sind tief“?

Gemeint sind Menschen, die wenig reden und kaum auffallen, bei denen sich aber irgendwann zeigt, dass mehr in ihnen steckt: eine überraschende Begabung, ein scharfer Verstand, starke Gefühle oder ein Privatleben, von dem niemand etwas ahnte. Heute fällt der Satz meist anerkennend oder mit einem Augenzwinkern, etwa wenn die stille Kollegin auf der Firmenfeier plötzlich Karaoke singt.

Ursprünglich klang er weniger freundlich. Ältere Sammlungen kennen Fortsetzungen wie „Stille Wasser gründen tief, dass der Teufel keinen Boden sieht“ oder „Stillen Wassern ist nicht zu trauen“. So redete man über Leute, deren Absichten man nicht durchschaut. Dieser Unterton ist noch da, wenn jemand mit hochgezogenen Augenbrauen sagt: „Na, stille Wasser sind tief.“

Woher kommt „Stille Wasser sind tief“?

Das Bild stammt aus der Beobachtung von Flüssen: Wo das Wasser tief ist, fließt es ruhig, über flachen Stellen rauscht und plätschert es. Schon der römische Geschichtsschreiber Curtius Rufus gibt im 1. Jahrhundert n. Chr. in seiner Alexandergeschichte ein Sprichwort wieder, nach dem die tiefsten Flüsse mit dem geringsten Geräusch dahingleiten („altissima quaeque flumina minimo sono labi“).

Im Deutschen ist der Satz seit dem 16. Jahrhundert belegt. Martin Luther notierte „Stille wasser tief“ in seiner handschriftlichen Sprichwörtersammlung, und Burkard Waldis griff das Bild 1548 in seiner Fabelsammlung „Esopus“ auf. Entsprechungen gibt es in vielen europäischen Sprachen, etwa das englische „Still waters run deep“ oder das niederländische „Stille wateren hebben diepe gronden“.

Quellen

Stand:

Beispiele aus dem Alltag

  • Drei Jahre lang sagte Malte in der Teambesprechung kaum ein Wort. Dann hielt er auf der Weihnachtsfeier eine Rede, über die die ganze Firma lachte. „Stille Wasser sind tief“, flüsterte seine Chefin.

  • „Deine Schwester schreibt Gedichte? Und die werden gedruckt?“ Jonas staunt. Lea zuckt mit den Schultern: „Stille Wasser sind tief.“

  • „Ausgerechnet der nette Nachbar, der nie aufgefallen ist“, sagt Kommissarin Brandt am Ende des Krimis und klappt die Akte zu. „Stille Wasser sind tief.“

Häufige Fragen

Ist „Stille Wasser sind tief“ ein Kompliment?

Meistens ja: Man sagt es, wenn ein ruhiger Mensch mit Talent oder Witz überrascht. Je nach Tonfall kann es aber auch heißen, dass man jemandem nicht ganz über den Weg traut.

Was bedeutet „Stille Wasser gründen tief“?

„Gründen“ heißt in dieser älteren Form so viel wie „Grund haben, tief hinabreichen“. Die Variante sagt also dasselbe wie „Stille Wasser sind tief“.

Wie sagt man „Stille Wasser sind tief“ auf Englisch?

Die genaue Entsprechung ist „Still waters run deep“. Auch im Englischen kann der Satz bewundernd oder misstrauisch gemeint sein.

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