Wer nicht wagt, der nicht gewinnt
Kurz gesagt
Ohne ein gewisses Risiko gibt es keinen Erfolg.
- Auf Englisch
- Nothing ventured, nothing gained
- Fortune favours the bold
- Auch gesagt
- Wer wagt, gewinnt
- Wer nichts wagt, der nichts gewinnt
Was bedeutet „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“?
Wer etwas erreichen will, muss etwas aufs Spiel setzen: Geld, Zeit, Bequemlichkeit oder den eigenen Stolz. Man sagt das Sprichwort, um jemandem Mut zu machen, der zögert, etwa vor einer Bewerbung, einem Umzug in eine fremde Stadt oder dem ersten Schritt auf jemanden zu, den man mag.
Es hat aber eine Kehrseite. Der Satz sagt nur, dass man ohne Wagnis nicht gewinnt, nicht, dass jedes Wagnis gewinnt. Wer ihn als Rechtfertigung für leichtsinnige Wetten oder riskante Geldanlagen nimmt, hat ihn gründlich missverstanden. Ironisch hört man ihn auch bei Kleinigkeiten, etwa wenn sich jemand an das schärfste Gericht auf der Karte traut.
Woher kommt „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“?
Ein verwandter Gedanke ist schon aus der Antike überliefert, eine direkte Übersetzung ist das deutsche Sprichwort aber nicht. Bei Terenz heißt es „Fortes fortuna adiuvat“, den Tapferen hilft das Glück. In Vergils „Aeneis“ ruft Turnus: „Audentes fortuna iuvat“, den Wagenden hilft das Glück. Cicero zitierte den Satz bereits als altes Sprichwort.
Im Deutschen kannte Hans Sachs im 16. Jahrhundert die Formel, allerdings mit nüchternem Nachsatz: „Wagen gewinnt und wagen verleust“, also verliert. Durchgesetzt hat sich nur die erste, mutigere Hälfte. Die heutige verneinte Form steht unter anderem in den „Legenden von Rübezahl“, die Johann Karl August Musäus in seinen „Volksmärchen der Deutschen“ (1782 bis 1786) veröffentlichte.
Quellen
- Terenz: Phormio, Vers 203 (The Latin Library)
- Vergil: Aeneis 10,284 (The Latin Library)
- Cicero: Tusculanae disputationes 2,11 (The Latin Library)
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Wagen (Verb.)‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Jana zögert, sich auf die Stelle in Hamburg zu bewerben, weil sie nur die Hälfte der Anforderungen erfüllt. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagt ihre Kollegin. „Schlimmer als eine Absage kann’s nicht werden.“
In der 89. Minute schickt der Trainer beim Stand von 0:1 den Torwart mit nach vorn. Nach dem Ausgleich sagt er im Interview nur: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“
„Dieses Jahr kauf ich zum ersten Mal ein Los für die Tombola“, verkündet Opa Heinz. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Seine Enkelin grinst: „Bei zwei Euro Einsatz ist das Risiko überschaubar.“
Häufige Fragen
Warum heißt es „der nicht gewinnt“ und nicht „der gewinnt nicht“?
Das ist eine alte Satzstellung, die sich im Sprichwort erhalten hat. Das „der“ greift das „wer“ noch einmal auf, und das Verb rückt ans Ende. So klingt der Satz knapper und rhythmischer.
Wie sagt man „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ auf Englisch?
Die übliche Entsprechung ist „Nothing ventured, nothing gained“. Etwas feierlicher klingt „Fortune favours the bold“, die Übersetzung des lateinischen Vorbilds.
Was ist das Gegenteil von „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“?
Die vorsichtige Gegenposition lautet „Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach“. Auch „Übermut tut selten gut“ warnt davor, zu viel zu riskieren.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Der erste Schritt …