Hunde, die bellen, beißen nicht
Kurz gesagt
Wer laut droht und schimpft, macht seine Drohungen meist nicht wahr. Gefährlicher sind oft die Stillen.
- Auf Englisch
- Barking dogs seldom bite
- His bark is worse than his bite
- Auch gesagt
- Hunde, die viel bellen, beißen nicht
- Bellende Hunde beißen nicht
Was bedeutet „Hunde, die bellen, beißen nicht“?
„Hunde, die bellen, beißen nicht“ heißt: Wer lautstark droht, poltert und schimpft, lässt es meist bei Worten. Man sagt das Sprichwort, um jemanden zu beruhigen, der sich vor einem cholerischen Chef, einem aufbrausenden Nachbarn oder einem großsprecherischen Gegner fürchtet. Der Ton ist alltagssprachlich, oft mit einem leicht spöttischen Blick auf den Polterer, dessen Gebrüll man nicht mehr ernst nimmt. Manche sagen es auch halb entschuldigend über sich selbst, wenn sie im Ärger lauter geworden sind, als sie es gemeint haben.
Mitgedacht ist häufig die Umkehrung: Gefährlicher seien die, die nichts sagen und dann handeln. Wörtlich genommen stimmt der Satz nicht. Auch ein bellender Hund kann zubeißen, Bellen ist oft gerade die Warnung vor dem nächsten Schritt. Ebenso wenig garantiert lautes Auftreten bei Menschen, dass keine Taten folgen. Deshalb klingt das Sprichwort manchmal eher nach Selbstberuhigung als nach Gewissheit.
Woher kommt „Hunde, die bellen, beißen nicht“?
Der Gedanke ist antik. Der römische Geschichtsschreiber Curtius Rufus lässt in seiner Alexandergeschichte (7,4,13) den Meder Cobares vor dem Baktrerfürsten Bessus ein Sprichwort der Baktrer anführen: Ein furchtsamer Hund belle heftiger, als er beiße, und die tiefsten Flüsse flössen mit dem geringsten Geräusch („canem timidum vehementius latrare quam mordere“).
Im Deutschen ist das Sprichwort seit dem 16. Jahrhundert gut belegt. Wander verzeichnet 1870 „Die hund, die vil bellen, beissen nit“ nach Eberhard Tappius und „Hunde, die viel bellen, beissen nit“ nach Sebastian Franck. Burkard Waldis reimt im selben Jahrhundert „bellend Hund beissen auch nicht“ und setzt hinzu: „Schedlicher sindt still beissig Hunde, still wasser haben tieffe grunde.“ Die Verbindung von lauten Hunden und stillen Wassern steckt also schon in der antiken Fassung. Entsprechungen gibt es in vielen europäischen Sprachen, etwa französisch „Chien qui aboie ne mord pas“.
Quellen
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Hund‘
- Curtius Rufus: Historiae Alexandri Magni, Buch 7 (LacusCurtius)
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Der neue Abteilungsleiter brüllt im Meeting, dass bald Köpfe rollen. Hinterher sagt Sabine zu ihrem jungen Kollegen: „Keine Sorge. Hunde, die bellen, beißen nicht.“
Herr Albers droht seit Jahren mit dem Anwalt, weil die Hecke zu hoch ist. „Hunde, die bellen, beißen nicht“, sagt Yusuf und schneidet sie trotzdem zurück, um des lieben Friedens willen.
Vor dem Derby tönt der gegnerische Stürmer in der Zeitung, er werde drei Tore schießen. Der Kapitän liest es in der Kabine vor und lacht: „Hunde, die bellen, beißen nicht.“
Häufige Fragen
Stimmt „Hunde, die bellen, beißen nicht“?
Bei echten Hunden nicht zuverlässig: Bellen ist oft eine Warnung, und ein bellender Hund kann durchaus zubeißen. Auf Menschen gemünzt beschreibt das Sprichwort eine Erfahrung, keine Regel.
Gibt es „Hunde, die bellen, beißen nicht“ schon auf Latein?
Eine Vorform steht beim römischen Geschichtsschreiber Curtius Rufus: „canem timidum vehementius latrare quam mordere“, ein furchtsamer Hund bellt heftiger, als er beißt. Die deutsche Form ist seit dem 16. Jahrhundert belegt.
Was ist der Unterschied zu „Getroffene Hunde bellen“?
„Getroffene Hunde bellen“ meint, dass sich jemand durch heftigen Widerspruch selbst verrät. „Hunde, die bellen, beißen nicht“ sagt dagegen, dass lautes Drohen meist folgenlos bleibt.
Wie sagt man das auf Englisch?
„Barking dogs seldom bite“ entspricht dem Sprichwort genau. Über eine Person sagt man oft „His bark is worse than his bite“.
Kurzer Test
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