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Trau, schau, wem

Kurz gesagt

Man soll niemandem leichtfertig vertrauen, sondern sich einen Menschen erst genau ansehen, bevor man sich auf ihn verlässt.

Auf Englisch
Trust, but verify
Auch gesagt
Trau, aber schau, wem

Was bedeutet „Trau, schau, wem“?

„Trau, schau, wem“ heißt: Vertrau ruhig, aber sieh dir vorher genau an, wem du vertraust. Der Duden erklärt es so: Man soll sich einen Menschen erst genau ansehen, ehe man ihm vertraut. Die drei Wörter sind eine Verkürzung von „Trau, aber schau, wem du traust“. Das „wem“ steht für einen eingesparten Nebensatz: schau, wem du traust. Man sagt den Spruch bei Kleinanzeigen mit Vorkasse, bei Anrufen angeblicher Verwandter, die dringend Geld brauchen, bei neuen Geschäftspartnern oder bei der Online-Bekanntschaft, die nach drei Tagen von der großen Liebe spricht.

Der Ton ist knapp und warnend, oft mit erhobenem Zeigefinger, etwa wenn Eltern ihre Kinder vor Fremden warnen. Ein häufiges Missverständnis ist, der Satz rate, niemandem zu trauen. Das Gegenteil stimmt: Vertrauen ist erlaubt, nur nicht blind. Weil die Kommas oft fehlen, wirkt „trau schau wem“ geschrieben manchmal rätselhaft. Ältere Drucke setzen ein Ausrufe- oder Fragezeichen dazu, etwa „Trau, schau, wem!“.

Woher kommt „Trau, schau, wem“?

Das Sprichwort ist alt und weit verbreitet. Wander verzeichnet 1867 unter ‚Trauen‘ die vollere Form „Traue, (aber) schaue, (erst) wem“ und belegt sie mit mehr als zwanzig Sammlungen, darunter Petri (1605) und Simrock (1846). Aus einer Predigtsammlung zitiert er: „Es heisset: trawe vnd sihe Weme, Fide sed vide.“ Daneben stellt er das lateinische „Fide, sed cui vide“, also: Vertraue, aber sieh, wem. Regionale Fassungen hängen eine Warnung vor den Nachbarn an, etwa an der Nordseeküste „Trau, schau, wem, kenen Sweden und kenen Dän’“.

Im 18. Jahrhundert diente der Spruch als Titel für Komödien. Wander nennt ein Lustspiel „Trau, schau, wem!“, Nördlingen 1769, und „Der Gasthof, oder trau, schau, wem!“ in den Sämmtlichen dramatischen Schriften von Johann Christian Brandes (1791). Wie bekannt die Formel war, zeigt auch eine Parodie, die Wander unter ‚Kauen‘ festhält: „Kau, schau, was?“ als Überschrift eines Artikels über Gesundheitspflege.

Beispiele aus dem Alltag

  • Leon will eine gebrauchte Spielkonsole kaufen, der Verkäufer verlangt Vorkasse per Überweisung. Seine Schwester schüttelt den Kopf: „Trau, schau, wem. Mach lieber Abholung gegen Bargeld aus.“

  • Oma Ilse erzählt beim Kaffee von dem angeblichen Enkel, der am Telefon dringend 8.000 Euro brauchte. „Trau, schau, wem“, sagt sie, „ich hab erst mal meine Tochter angerufen.“

  • Bevor die Firma den neuen Lieferanten beauftragt, lässt Einkäuferin Sevgi dessen Referenzen prüfen. „Trau, schau, wem“, erklärt sie dem Azubi, „auch wenn das Angebot noch so gut klingt.“

Lustige Abwandlungen

  • Kau, schau, was?

    Parodie, laut Wander die Überschrift eines Artikels über Gesundheitspflege (Stichwort ‚Kauen‘).

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Häufige Fragen

Was bedeutet „Trau, schau, wem“ wörtlich?

Der Satz ist verkürzt aus „Trau, aber schau, wem du traust“. Wander verzeichnet die Langform „Traue, (aber) schaue, (erst) wem“, der Duden erklärt „Trau, schau, wem“ so: Man soll sich einen Menschen erst genau ansehen, ehe man ihm vertraut.

Heißt „Trau, schau, wem“, dass man niemandem trauen soll?

Nein. „Trau, schau, wem“ erlaubt Vertrauen, verlangt aber, vorher genau hinzusehen. Wer niemandem traut, verfehlt den Sinn ebenso wie jemand, der jedem blind glaubt.

Woher kommt „Trau, schau, wem“?

Wer den Spruch geprägt hat, ist nicht bekannt. Er steht schon in Sammlungen um 1600 und bei Wander (1867) mit vielen Belegen, daneben das lateinische „Fide, sed cui vide“. Im 18. Jahrhundert trugen sogar Lustspiele „Trau, schau, wem!“ im Titel.

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