Zum Inhalt springen

Torschlusspanik

Kurz gesagt

Angst, eine wichtige Gelegenheit endgültig zu verpassen, weil die Zeit abläuft, oft mit Blick auf Partnerschaft, Kinder oder Beruf.

Was bedeutet „Torschlusspanik“?

Torschlusspanik ist die Angst, zu spät zu kommen: eine wichtige Sache nicht mehr rechtzeitig zu erledigen oder eine Chance endgültig zu verpassen. Heute meint man damit vor allem Lebensentscheidungen, die mit dem Alter zusammenhängen. Wer mit Ende dreißig plötzlich unbedingt heiraten, ein Kind bekommen oder noch schnell Karriere machen will, hat in den Augen anderer Torschlusspanik. Daneben gibt es den alltäglichen Gebrauch: Studierende kurz vor der Abgabefrist, Käufer am letzten Tag eines Angebots, Parteien kurz vor einer Wahl.

Das Wort wird oft ein wenig spöttisch auf andere angewandt, weil es unterstellt, dass jemand aus Angst überstürzt handelt. Über sich selbst gesagt klingt es selbstironisch („Ich glaube, ich hatte ein bisschen Torschlusspanik“). Torschlusspanik ist nicht dasselbe wie „Fear of missing out“: Dort geht es um die Sorge, gerade etwas Schönes zu verpassen, hier um das Gefühl, dass sich eine Tür bald für immer schließt. Im Fußball wird das Wort gelegentlich zur „Torschusspanik“ verdreht, das ist aber ein Wortspiel und keine feste Wendung.

Woher kommt „Torschlusspanik“?

Das Wort setzt sich aus „Torschluss“ und „Panik“ zusammen. Torschluss war die Zeit, zu der abends die Stadttore geschlossen wurden. Wer dann noch draußen war, musste vor den Mauern übernachten oder kam, je nach Stadt, nur gegen eine Gebühr, das Sperrgeld, hinein. Solche Torsperren galten bis weit ins 19. Jahrhundert, in Hamburg bis 1860, in Lübeck bis 1864. Entsprechend groß war das Gedränge kurz vor Torschluss. Aus Hamburg ist für 1808 ein Tumult überliefert, als bei schönem Wetter mehrere tausend Menschen vor den geschlossenen Toren standen.

Dasselbe Bild zeigt die Wendung „kurz vor Toresschluss“ im Sinn von „im letzten Augenblick“, die das DWDS ebenfalls verzeichnet. Wann das Wort „Torschlusspanik“ selbst aufkam, ist nicht genau belegt. Wie fest es im Wortschatz verankert ist, zeigt ein Artikel des amerikanischen Magazins „Time“ von 1961: Er übernahm das deutsche Wort, um die Fluchtwelle aus der DDR kurz vor dem Mauerbau zu beschreiben.

Beispiele aus dem Alltag

  • Mit 38 trennt sich Jana von ihrem Freund und ist drei Monate später mit einem anderen verlobt. Ihre beste Freundin sorgt sich: „Ist das Liebe oder Torschlusspanik?“

  • Zwei Tage vor der Abgabe der Bachelorarbeit sitzt Malik nachts um drei noch in der Bibliothek. „Torschlusspanik“, sagt er zum Wachmann und lacht nervös.

  • Am letzten Tag vor der Preiserhöhung steht vor dem Ticketschalter eine lange Schlange. „Typisch Torschlusspanik“, sagt der Verkäufer zu seiner Kollegin.

Häufige Fragen

Was ist mit „Torschluss“ gemeint?

Torschluss war die Zeit, zu der abends die Stadttore geschlossen wurden. Wer zu spät kam, blieb draußen oder musste eine Gebühr zahlen, um noch hineinzukommen.

Ist Torschlusspanik dasselbe wie FOMO?

Nicht ganz. FOMO, die „Fear of missing out“, ist die Angst, gerade etwas Schönes zu verpassen. Torschlusspanik meint die Sorge, dass eine Chance bald endgültig vorbei ist, etwa wegen des Alters.

Gibt es ein englisches Wort für Torschlusspanik?

Eine genaue Entsprechung gibt es nicht. Englische Texte übernehmen manchmal das deutsche Wort, das Magazin „Time“ etwa schon 1961. Beim Kinderwunsch spricht man im Englischen von der tickenden „biological clock“.

Kurzer Test

Ganzes Quiz

Wie geht das Sprichwort weiter?

Der Weg …

Ähnliche Sprichwörter

Alle zu Zeit und Geduld
↑↓auswählen↵öffnen