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Wehret den Anfängen

Kurz gesagt

Eine gefährliche Entwicklung muss man bekämpfen, solange sie noch klein ist, denn später lässt sie sich kaum noch aufhalten.

Auf Englisch
Nip it in the bud
Auch gesagt
Wehre den Anfängen

Was bedeutet „Wehret den Anfängen“?

„Wehret den Anfängen“ heißt: Einer gefährlichen Entwicklung muss man sofort entgegentreten, solange sie noch klein ist, denn später ist sie zu stark geworden. Der Satz ist eine Mahnung und klingt gehoben, fast feierlich. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht er vor allem für die Warnung vor einem Wiedererstarken von Rechtsextremismus und Faschismus: auf Demonstrationen, in Gedenkreden zum 9. November, in Kommentaren nach Wahlen. Wer ihn sagt, erinnert daran, dass die NS-Diktatur nicht über Nacht kam, sondern mit Ausgrenzung, Hetze und kleinen Rechtsbrüchen begann.

Daneben wird die Mahnung auf viele andere Bereiche übertragen: auf Mobbing in der Schule, Belästigung am Arbeitsplatz, Jugendbanden oder die schleichende Einschränkung von Freiheitsrechten. Der Kern bleibt derselbe: Kleine Grenzüberschreitungen nicht hinnehmen, weil sie sonst zur Gewohnheit werden. Gerade wegen ihres Gewichts wirkt die Formel schief, wenn jemand sie für Kleinigkeiten bemüht, etwa gegen eine neue Parkordnung. „Wehret“ ist eine altertümliche Form des Imperativs Plural; an eine einzelne Person gerichtet heißt es „Wehre den Anfängen“.

Woher kommt „Wehret den Anfängen“?

Der Gedanke stammt vom römischen Dichter Ovid. In seinem Lehrgedicht „Remedia amoris“ („Heilmittel gegen die Liebe“), entstanden um die Zeitenwende, rät er unglücklich Verliebten in Vers 91 f.: „Principiis obsta; sero medicina paratur, / cum mala per longas convaluere moras.“ Sinngemäß: Widersteh den Anfängen; zu spät wird die Arznei bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern stark geworden sind. Ovid meint eine Liebe, die sich unglücklich anlässt: Man soll sie beenden, solange das noch leicht fällt. Kurz davor vergleicht er sie mit einem Baum, der als junger Trieb noch mit der Hand aus der Erde zu ziehen war.

Büchmann verzeichnet „Principiis obsta“ 1898 in den „Geflügelten Worten“ und merkt an, der Satz werde oft falsch als „wehre dich gegen Prinzipien“ verstanden. Die deutsche Fassung „Wehret den Anfängen“ hat sich von Ovids Liebesratgeber ganz gelöst. Das DWDS hält fest, dass sie seit dem Zweiten Weltkrieg besonders auf aufkeimenden Rechtsextremismus und Faschismus bezogen wird.

Beispiele aus dem Alltag

  • Auf der Kundgebung vor dem Rathaus hält Frau Albers ein selbst gemaltes Schild hoch. Darauf steht in roten Buchstaben: „Wehret den Anfängen!“

  • In der Lehrerkonferenz geht es um rassistische Sprüche in der 8b. „Wir sprechen das morgen in der Klasse an“, sagt Herr Yılmaz. „Wehret den Anfängen, sonst ist es nächste Woche normal.“

  • Leonie erzählt im Betriebsrat von anzüglichen Bemerkungen eines Abteilungsleiters. Die Vorsitzende nickt: „Wehret den Anfängen. Wir reden noch heute mit der Geschäftsführung.“

Häufige Fragen

Woher kommt „Wehret den Anfängen“?

„Wehret den Anfängen“ geht auf Ovids „Remedia amoris“ zurück, Vers 91: „Principiis obsta“. Ovid rät dort unglücklich Verliebten, eine aussichtslose Liebe gleich zu Beginn zu beenden, weil die Heilung später zu spät kommt.

Was hat „Wehret den Anfängen“ mit dem Nationalsozialismus zu tun?

Der Satz stammt nicht aus der NS-Zeit, wird aber seit 1945 vor allem als Warnung vor einer Rückkehr des Faschismus gebraucht. „Wehret den Anfängen“ erinnert daran, dass die Diktatur mit kleinen Schritten begann, die viele hingenommen haben.

Heißt es „Wehret den Anfängen“ oder „Wehrt den Anfängen“?

Die feste Form ist „Wehret den Anfängen“ mit der älteren Endung -et. „Wehrt“ wäre grammatisch ebenso richtig, ist in der Wendung aber unüblich. Spricht man eine einzelne Person an, heißt es „Wehre den Anfängen“.

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