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Die Geister, die ich rief

Kurz gesagt

Man wird etwas, das man selbst herbeigerufen oder in Gang gesetzt hat, nicht mehr los, weil es außer Kontrolle geraten ist.

Auf Englisch
The genie is out of the bottle
Auch gesagt
Die Geister, die man rief
Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los

Was bedeutet „Die Geister, die ich rief“?

„Die Geister, die ich rief“ sagt man über etwas, das man selbst herbeigeholt oder angestoßen hat und das sich nun nicht mehr bändigen lässt. Meist reicht der erste Halbsatz, jeder ergänzt im Kopf: Man wird sie nicht mehr los. Typische Fälle sind ein Verein, der randalierende Fans lange gewähren ließ, eine Firma, deren neues Kennzahlensystem bald den ganzen Betrieb beherrscht, oder Eltern, die dem Kind ein Tablet geschenkt haben und seitdem um jede Minute Bildschirmzeit ringen.

Der Ton ist bildungssprachlich, über andere gesagt oft spöttisch, über sich selbst gesagt selbstkritisch. Entscheidend ist der eigene Anteil: Wer bloß von einem Unglück getroffen wird, passt nicht ins Bild. Gemeint ist immer jemand, der etwas wollte, seine Kräfte überschätzt hat und nun die Folgen trägt. Neben der Ich-Form ist auch die allgemeine Fassung „die Geister, die man rief“ verbreitet. Mit Gespenstern hat die heutige Verwendung nichts mehr zu tun: Die Geister stehen für Kräfte, Leute oder Entwicklungen.

Woher kommt „Die Geister, die ich rief“?

Die Zeile stammt aus Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“, geschrieben im Sommer 1797 und gedruckt in Schillers „Musen-Almanach für das Jahr 1798“. Ein Lehrling nutzt die Abwesenheit seines Meisters, verzaubert einen Besen und lässt ihn Wasser schleppen. Das Wort, das den Besen wieder anhält, hat er vergessen. Als er ihn mit dem Beil spaltet, tragen zwei Besen Wasser, und der Lehrling ruft im Erstdruck: „Herr, die Noth ist groß, / Die ich rief die Geister / Werd ich nun nicht los.“ Erst der heimkehrende Meister bannt den Spuk.

Im Volksmund wurde die Wortstellung geglättet: Aus „Die ich rief, die Geister“ wurde „Die Geister, die ich rief“. Den Stoff fand Goethe in Lukians Satire „Der Lügenfreund“, die er aus Wielands Übersetzung von 1788 kannte; dort erweckt ein Schüler einen Mörserstößel zum Leben. Wander nimmt Goethes Verse 1867 unter dem Stichwort „Geist“ auf, gleich neben dem Sprichwort „Wer die Geister nicht kann regieren, soll sie nicht citiren“.

Beispiele aus dem Alltag

  • Der Verein hat die Ultras jahrelang hofiert, jetzt brennt bei jedem Heimspiel Pyrotechnik. Der Präsident seufzt in der Pressekonferenz: „Die Geister, die ich rief.“

  • Aylin hat vorgeschlagen, dass im Familienchat jeder sein Abendessen fotografiert. Seitdem kommen täglich vierzig Bilder. „Die Geister, die ich rief“, schreibt sie und schaltet die Gruppe stumm.

  • Die Schule hat für alle Tablets angeschafft, nun wird im Unterricht heimlich gezockt. „Das sind die Geister, die man rief“, sagt Herr Nowak im Lehrerzimmer.

Häufige Fragen

Von wem stammt „Die Geister, die ich rief“?

Von Johann Wolfgang von Goethe. Die Zeile steht in seiner Ballade „Der Zauberlehrling“ von 1797. Im Original lautet sie „Die ich rief, die Geister, / Werd ich nun nicht los“.

Wie geht „Die Geister, die ich rief“ weiter?

Bei Goethe folgt „Werd ich nun nicht los“. Deshalb genügt im Alltag der erste Teil von „Die Geister, die ich rief“: Jeder versteht, dass jemand mit den Folgen seines eigenen Handelns nicht mehr fertig wird.

Was hat Disneys „Fantasia“ mit dem Zauberlehrling zu tun?

Paul Dukas vertonte Goethes Ballade 1897 als Orchesterstück. Disney setzte die Musik 1940 in „Fantasia“ in Bilder um, mit Micky Maus als Zauberlehrling, der Besen und Wasser nicht mehr bändigen kann.

Wie sagt man „Die Geister, die ich rief“ auf Englisch?

Eine feste Entsprechung gibt es nicht. Nah dran ist „The genie is out of the bottle“. Wer auf Goethe anspielen will, spricht im Englischen vom „sorcerer’s apprentice“, den viele aus „Fantasia“ kennen.

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