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Schuster, bleib bei deinem Leisten

Kurz gesagt

Man soll bei dem bleiben, wovon man etwas versteht, und nicht über Dinge urteilen, für die einem das Wissen fehlt.

Auf Englisch
Cobbler, stick to your last
Let the cobbler stick to his last
Auch gesagt
Der Schuster bleib bei seinem Leisten

Was bedeutet „Schuster, bleib bei deinem Leisten“?

„Schuster, bleib bei deinem Leisten“ fordert jemanden auf, sich auf sein eigenes Fachgebiet zu beschränken und nicht über Dinge zu urteilen, von denen er nichts versteht. Man sagt es, wenn sich ein Fußballprofi zur Geldpolitik äußert, der Onkel beim Familienessen der Ärztin die richtige Therapie erklärt oder ein Programmierer dem Koch das Rezept verbessern will. Ernst gemeint ist der Satz eine deutliche Zurechtweisung und klingt schnell herablassend. Unter Freunden wird er auch selbstironisch verwendet: „Ich bleib mal lieber bei meinem Leisten.“

Zweischneidig ist das Sprichwort, weil es Kritik von Laien pauschal abwerten kann. In der antiken Anekdote hatte der Schuster mit seinem ersten Einwand recht. Erst als er sich auch über Dinge äußerte, die er nicht beurteilen konnte, wurde er abgewiesen. Wer das Sprichwort benutzt, um jede fachfremde Meinung abzubügeln, verfehlt diesen Kern. Der Leisten ist übrigens das fußförmige Formstück, über das der Schuhmacher den Schuh arbeitet.

Woher kommt „Schuster, bleib bei deinem Leisten“?

Das Sprichwort geht auf eine Anekdote zurück, die Plinius der Ältere in seiner „Naturalis historia“ (35,85) über den griechischen Maler Apelles erzählt. Apelles stellte fertige Bilder öffentlich aus und hörte versteckt zu, was die Leute sagten. Ein Schuster bemängelte, an einer Sandale sei eine Öse zu wenig, und Apelles besserte das aus. Als der Schuster am nächsten Tag stolz auch das Bein kritisierte, wies ihn Apelles zurecht, ein Schuster solle nicht über die Sandale hinaus urteilen: „ne supra crepidam sutor iudicaret“. Plinius fügt hinzu, auch dieser Satz sei sprichwörtlich geworden.

Lateinisch lebt die Wendung als „Sutor, ne ultra crepidam“ fort. Im Deutschen wurde aus der Sandale der Leisten. Wander verzeichnet „Der Schuster bleib’ bei seinem Leisten“ mit zahlreichen Belegen, darunter Sebastian Francks „Zeytbuch“ aus dem 16. Jahrhundert.

Quellen

Stand:

Weitere Sprichwörter aus der Antike

Beispiele aus dem Alltag

  • Beim Grillen erklärt Onkel Ralf der Kardiologin am Tisch, wie man Bluthochdruck richtig behandelt. Seine Frau zischt: „Schuster, bleib bei deinem Leisten, Ralf.“

  • Ein Mittelfeldspieler kritisiert im Interview die Steuerpolitik. Im Fanforum schreibt jemand nur: „Schuster, bleib bei deinem Leisten. Lauf lieber mehr.“

  • Als Nina das Firmenlogo überarbeiten soll, winkt sie ab: „Ich kann Buchhaltung. Schuster, bleib bei deinem Leisten, frag lieber die Grafikerin.“

Häufige Fragen

Was ist ein Leisten?

Ein Leisten ist ein Formstück in Gestalt eines Fußes, früher aus Holz, über das der Schuhmacher den Schuh baut. „Bei seinem Leisten bleiben“ heißt also: bei seinem Handwerk bleiben.

Wer hat „Schuster, bleib bei deinem Leisten“ gesagt?

Der Satz geht auf den griechischen Maler Apelles zurück, wie Plinius der Ältere erzählt. Apelles wies damit einen Schuster zurecht, der nach einem berechtigten Hinweis zur Sandale auch noch das Bein auf seinem Bild kritisierte.

Ist „Schuster, bleib bei deinem Leisten“ unhöflich?

Ernst gemeint ja, denn der Satz spricht jemandem die Kompetenz ab und wirkt herablassend. Scherzhaft über sich selbst gesagt, ist er dagegen harmlos.

Wie heißt „Schuster, bleib bei deinem Leisten“ auf Latein?

Die bekannte Form lautet „Sutor, ne ultra crepidam“, wörtlich: Schuster, nicht über die Sandale hinaus. Bei Plinius heißt es „ne supra crepidam sutor iudicaret“.

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