Die Büchse der Pandora öffnen
Kurz gesagt
Etwas in Gang setzen, aus dem viele Übel hervorgehen, die sich danach nicht mehr eindämmen oder rückgängig machen lassen.
- Ursprung
- Aus der Antike
- Auf Englisch
- to open Pandora’s box
- to open a can of worms
Was bedeutet „Die Büchse der Pandora öffnen“?
„Die Büchse der Pandora öffnen“ heißt: einen Schritt tun, der eine Kette von Übeln freisetzt, die sich nicht mehr einfangen lassen. Das DWDS beschreibt es als Auslösen einer gefährlichen, nicht mehr aufzuhaltenden Entwicklung, oft aus Unwissenheit. Die Wendung dient meist als Warnung vor einem Präzedenzfall: Wer einmal eine Ausnahme bei Grundrechten zulässt, Zölle mit Sicherheitsinteressen begründet oder im Familienrat die alten Erbstreitigkeiten wieder aufrollt, so die Sorge, bekommt die Folgen nicht mehr unter Kontrolle. Häufig steht sie im Konjunktiv: „Damit würde man die Büchse der Pandora öffnen.“ Der Ton ist bildungssprachlich und ernst.
Anders als „schlafende Hunde wecken“ betont das Bild die Menge und Unumkehrbarkeit der Folgen: Was einmal heraus ist, kommt nicht mehr hinein. Oft schwingt mit, dass der Schritt aus Neugier oder Leichtsinn geschieht. Wer die Sage genau kennt, weiß außerdem, dass in der Büchse etwas zurückblieb, die Hoffnung. Daraus wird manchmal ein tröstlicher Nachsatz gemacht, im alltäglichen Gebrauch spielt er aber kaum eine Rolle.
Woher kommt „Die Büchse der Pandora öffnen“?
Die Geschichte erzählt der griechische Dichter Hesiod in „Werke und Tage“ (Vers 47–105). Zur Strafe dafür, dass Prometheus den Menschen das Feuer gebracht hat, lässt Zeus von Hephaistos eine Frau aus Lehm formen, die alle Götter beschenken. Hermes nennt sie Pandora, „die Allbeschenkte“, und bringt sie zu Epimetheus, der sie trotz der Warnung seines Bruders Prometheus aufnimmt. Pandora hebt den Deckel von einem großen Vorratsgefäß und lässt Mühsal und Krankheiten in die Welt. Nur die Hoffnung (griechisch „elpis“) bleibt unter dem Rand zurück, weil der Deckel nach dem Willen des Zeus wieder geschlossen wird.
Bei Hesiod ist von einer Büchse keine Rede. Das Gefäß heißt dort „pithos“, ein großer irdener Vorratskrug für Wein, Öl oder Getreide. Die Büchse führten Dora und Erwin Panofsky 1956 auf Erasmus von Rotterdam zurück: In seinen „Adagia“ (1508) erzählt er die Sage zum Sprichwort „Malo accepto stultus sapit“ nach und lässt Jupiter Pandora „cum pyxide pulcherrima“ schicken, mit einer sehr schönen Büchse, die Epimetheus öffnet. Das deutsche Wort „Büchse“ geht übrigens selbst auf das griechische „pyxis“ zurück, eine Dose aus Buchsbaumholz.
Beispiele aus dem Alltag
Im Familienrat geht es um das Haus der Großeltern. Als Onkel Ralf die alten Kredite von 1998 anspricht, stöhnt Aylin: „Bitte nicht. Damit öffnest du die Büchse der Pandora.“
Im Ausschuss wird über eine Ausnahme beim Datenschutz beraten. Die Abgeordnete warnt: „Wer hier einmal nachgibt, öffnet die Büchse der Pandora. Dann will jede Behörde ihre eigene Ausnahme.“
Jonas möchte die Vereinssatzung ‚nur ein bisschen‘ ändern. Die Kassiererin winkt ab: „Wenn wir die Satzung aufmachen, ist die Büchse der Pandora offen, und wir diskutieren zwei Jahre.“
Häufige Fragen
War die Büchse der Pandora eine Büchse oder ein Krug?
Bei Hesiod, der ältesten Quelle, ist die Büchse der Pandora ein „pithos“, ein großer Vorratskrug aus Ton. Zur Büchse wurde das Gefäß erst bei Erasmus von Rotterdam, der 1508 in seinen „Adagia“ das lateinische Wort „pyxis“, Büchse, verwendete.
Was war in der Büchse der Pandora?
In der Büchse der Pandora steckten nach Hesiod die Übel der Menschheit, etwa Mühsal und Krankheiten. Als Pandora den Deckel hob, entwichen sie in die Welt. Nur die Hoffnung blieb im Gefäß zurück.
Wer war Pandora?
Pandora ist nach Hesiod die erste Frau, von Hephaistos im Auftrag des Zeus aus Lehm geformt und von den Göttern beschenkt. Ihr Name wird als „die Allbeschenkte“ gedeutet. Zeus schickte sie als Strafe für den Feuerraub des Prometheus zu den Menschen.
Wie sagt man „die Büchse der Pandora öffnen“ auf Englisch?
Auf Englisch heißt es „to open Pandora’s box“. Umgangssprachlicher ist „to open a can of worms“, das ebenfalls eine Kette unangenehmer Folgen meint.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Besser ein Spatz in der Hand …