Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach
Kurz gesagt
Ein kleiner, sicherer Gewinn ist mehr wert als ein großer, der nur in Aussicht steht.
- Auf Englisch
- A bird in the hand is worth two in the bush
- Auch gesagt
- Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach
- Ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube auf dem Dach
- Besser ein Sperling in der Hand als ein Kranich auf dem Dach
- Gegenteil
- Wer nicht wagt, der nicht gewinnt
Was bedeutet „Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach“?
Der Spatz ist klein, aber man hat ihn schon. Die Taube wäre größer und lohnender, doch sie sitzt auf dem Dach und fliegt weg, sobald man nach ihr greift. Das Sprichwort rät, ein sicheres Angebot nicht für eine vage Hoffnung aufzugeben: die feste Stelle statt der vielleicht besseren, den Käufer mit Bargeld statt des Interessenten, der sich noch melden will.
Oft ist es ein Rat zur Vorsicht, manchmal eine Rechtfertigung im Nachhinein. Kritisch gesehen ist es das Motto der Bequemen: Wer immer den Spatz nimmt, bekommt nie die Taube. Deshalb steht ihm gern „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ gegenüber.
Woher kommt „Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach“?
Der Gedanke ist in vielen Sprachen verbreitet, nur die Vögel wechseln. Ein lateinischer Merkvers lautet „Plus valet in manibus passer quam sub dubio grus“: Mehr wert ist der Sperling in der Hand als der ungewisse Kranich. Im 16. Jahrhundert verzeichnet Christian Egenolffs Sprichwortsammlung „Besser ein Spatz in der handt, dann ein Storck auf dem Dache“. Andere alte Fassungen setzen einen Kranich aufs Dach oder zehn Vögel auf den Zaun.
Wanders Sprichwörter-Lexikon aus dem 19. Jahrhundert kennt bereits Formen mit der Taube, etwa aus der Steiermark und aus Hannover. Diese Fassung hat sich durchgesetzt. Das Englische rechnet anders: „A bird in the hand is worth two in the bush“, ein Vogel in der Hand ist zwei im Busch wert.
Quellen
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwörter ‚Spatz‘ und ‚Sperling‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Lea hat eine feste Zusage von der Agentur in Köln, wartet aber noch auf Berlin. Ihr Vater meint: „Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach. Unterschreib, bevor die Kölner es sich anders überlegen.“
Auf dem Flohmarkt bietet jemand 40 Euro für die alte Kommode. Jan wollte eigentlich 60, schlägt aber ein. „Lieber den Spatz in der Hand“, sagt er zu seiner Freundin. „Bis halb fünf kommt hier keiner mehr.“
Die Mannschaft stürmt beim Stand von 1:1 weiter nach vorn und kassiert in der Nachspielzeit das 1:2. „Wir hätten den Punkt mitnehmen sollen“, sagt Trainerin Kowalski. „Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach.“
Häufige Fragen
Heißt es „Besser ein Spatz“ oder „Lieber den Spatz in der Hand“?
Beides ist gebräuchlich. „Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach“ gilt als Standardform, „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ hört man im Alltag mindestens genauso oft.
Warum ausgerechnet Spatz und Taube?
Der Spatz ist klein und kaum eine Mahlzeit wert, Tauben wurden früher gezüchtet und gern gegessen. Der Vergleich stellt also wenig, aber sicher, gegen mehr, aber unerreichbar. Ältere Fassungen nehmen statt der Taube einen Kranich oder Storch.
Wie heißt das Sprichwort auf Englisch?
„A bird in the hand is worth two in the bush“. Wörtlich: Ein Vogel in der Hand ist zwei im Gebüsch wert.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Der Krug geht so lange zum Brunnen, …
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