Gottes Mühlen mahlen langsam
Kurz gesagt
Unrecht wird oft erst spät bestraft, aber am Ende holt die Gerechtigkeit den Täter doch ein.
- Ursprung
- Aus der Antike
- Auf Englisch
- The mills of God grind slowly, but they grind exceeding small
- Auch gesagt
- Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein
- Die Mühlen Gottes mahlen langsam
Was bedeutet „Gottes Mühlen mahlen langsam“?
„Gottes Mühlen mahlen langsam“ sagt man, wenn eine Strafe oder ein Ausgleich lange auf sich warten lässt, aber schließlich doch eintritt. Der Satz fällt bei Prozessen, die Jahrzehnte nach einer Tat zu einem Urteil führen, bei aufgedeckten Betrugsfällen oder bei Politikern, die über alte Affären stolpern. Er hat einen ernsten, manchmal genugtuenden Ton und wird auch ganz weltlich gebraucht, ohne religiöse Absicht.
Oft hört man ihn spöttisch über Behörden und Gerichte. Dann geht es nicht um höhere Gerechtigkeit, sondern um schlichte Langsamkeit, etwa wenn ein Bauantrag seit Monaten unbearbeitet liegt. In der bekanntesten vollständigen Fassung lautet der Spruch „Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein“. Der zweite Teil, der heute meist wegfällt, ist der eigentlich bedrohliche: Was die Mühle einmal erfasst hat, wird gründlich zermahlen.
Woher kommt „Gottes Mühlen mahlen langsam“?
Das Bild ist griechisch. Der Philosoph Sextus Empiricus überliefert im 2. Jahrhundert einen Vers unbekannter Herkunft: „Spät mahlen die Mühlen der Götter, aber sie mahlen fein.“ Schon Plutarch spielt im 1. Jahrhundert in seiner Schrift über die späte Strafe der Gottheit auf diese Mühlen an.
Im Deutschen machte Friedrich von Logau den Gedanken bekannt. In seinen „Sinngedichten“ von 1654 steht unter der Überschrift „Göttliche Rache“: „Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein, / ob aus Langmut er sich säumet, bringt mit Schärf’ er alles ein.“ Aus diesem Epigramm wurde das Sprichwort. Wander verzeichnet daneben „Die Mühlen der Götter mahlen langsam, aber fein Mehl“ und „Die Mühlen Gottes mahlen langsam, aber sie zermalmen“. Der Amerikaner Henry Wadsworth Longfellow übertrug Logaus Verse 1846 ins Englische: „Though the mills of God grind slowly, yet they grind exceeding small.“
Quellen
- Friedrich von Logau: Sinngedichte (1654), „Göttliche Rache“
- Wikipedia: Mills of God
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Stichwort ‚Mühle‘
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Zwanzig Jahre nach dem Bankraub überführt eine DNA-Spur den Täter. „Gottes Mühlen mahlen langsam“, sagt die pensionierte Kommissarin im Fernsehinterview.
Der Vereinskassierer hatte jahrelang Beiträge abgezweigt, jetzt fliegt alles auf. „Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen“, meint Platzwart Jürgen.
Seit acht Monaten wartet Familie Nowak auf die Baugenehmigung. „Gottes Mühlen mahlen langsam“, seufzt Frau Nowak, „die vom Bauamt noch langsamer.“
Häufige Fragen
Steht „Gottes Mühlen mahlen langsam“ in der Bibel?
Nein, die Bibel enthält diesen Satz nicht. Er geht auf einen griechischen Vers zurück und wurde durch Friedrich von Logaus Epigramm „Göttliche Rache“ von 1654 im Deutschen bekannt.
Wie geht „Gottes Mühlen mahlen langsam“ weiter?
Bei Logau heißt es: „Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein.“ Gemeint ist, dass die späte Strafe umso gründlicher ausfällt.
Wie sagt man „Gottes Mühlen mahlen langsam“ auf Englisch?
Im Englischen sagt man „The mills of God grind slowly“. Die Fassung geht auf Henry Wadsworth Longfellows Übersetzung von Logaus Epigramm zurück.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Steter Tropfen …