Zum Inhalt springen

Gott bewahre

Kurz gesagt

Ein Ausruf der Abwehr, der „keinesfalls“ oder „bloß nicht“ bedeutet und oft eingeschoben wird, um einen Gedanken entschieden zurückzuweisen.

Auf Englisch
God forbid!
Heaven forbid!
Auch gesagt
Gottbewahre!
I bewahre!
Bewahre!

Was bedeutet „Gott bewahre“?

„Gott bewahre!“ sagt man, wenn man etwas weit von sich weist. Das DWDS unterscheidet zwei Spielarten. Die eine wiegelt ab und heißt „keineswegs, nicht im Geringsten“: „Waren Sie ein braver Schüler? Gott bewahre.“ Die andere wehrt eine Befürchtung ab, im Sinn von „bloß nicht, das möge Gott verhüten“: „Sollte es, Gott bewahre, regnen, feiern wir drinnen.“ In dieser zweiten Bedeutung steht der Ausruf oft eingeschoben mitten im Satz, als kleine Beschwörung gegen das Unglück.

Der Ton ist umgangssprachlich und ein wenig altmodisch, in Zeitungen ist die Wendung aber lebendig. Oft schwingt Ironie mit, etwa wenn jemand betont, er wolle „Gott bewahre“ niemanden kritisieren, und es dann doch tut. Ohne Gottesnamen sagt man „I bewahre!“ oder nur „Bewahre!“, was Duden als emotionale Verneinung im Sinn von „aber nein, nicht doch“ führt. Ähnlich gebaut sind „Gott behüte!“ und „Gott sei Dank!“. An ein Gebet denkt bei alldem kaum noch jemand.

Woher kommt „Gott bewahre“?

Grammatisch ist „Gott bewahre!“ ein Wunschsatz: Gott möge davor bewahren. Das Grimmsche Wörterbuch zeigt, dass die Formel zunächst vollständig und wörtlich gemeint war. Bei Hartmann von Aue heißt es um 1200 „got sol iuch dervor bewarn“, bei Clemens Brentano „bewahr uns gott davor!“. Mit der Zeit schrumpfte sie auf zwei Wörter. Mozart schreibt 1782 in einem Brief „sollte ich, gott bewahre, heute krank sein“.

Als bloße Verneinung im Sinn von „keineswegs“ belegt das Wörterbuch die Formel seit dem späten 18. Jahrhundert, etwa 1798 in Heinrich Becks Stück „Die Schachmaschine“: „gott bewahre! wir haben eine zähe haut“. Bei Fontane sagt eine Figur „i, gott bewahre!“. Duden unterscheidet heute den vollständigen Satz „Gott bewahre uns davor!“ von der umgangssprachlichen Interjektion, die man auch zusammenschreiben darf: „gottbewahre!“.

Beispiele aus dem Alltag

  • „Willst du nicht doch in den Gemeinderat?“, fragt die Nachbarin. Herr Albers winkt ab: „Gott bewahre, mir reicht der Elternbeirat.“

  • „Falls der Flug, Gott bewahre, ausfällt, nehmen wir den Nachtzug“, schreibt Merve in die Reisegruppe.

  • Der neue Kollege fragt, ob die Kantine wirklich so schlecht sei. Ines lächelt: „Schlecht? Gott bewahre. Nur sehr fantasievoll.“

Häufige Fragen

Wie sagt man „Gott bewahre“ auf Englisch?

„God forbid!“ oder „Heaven forbid!“. Beide wehren wie das deutsche Vorbild eine unerwünschte Möglichkeit ab.

Schreibt man „Gott bewahre“ zusammen oder getrennt?

Beides kommt vor. Duden schreibt „Gott bewahre uns davor!“ getrennt, die umgangssprachliche Interjektion darf aber auch zusammengeschrieben werden: „gottbewahre!“.

Ist „Gott bewahre“ religiös gemeint?

Ursprünglich ja: Es ist ein Wunsch, Gott möge vor etwas schützen. Im Alltag denkt dabei kaum noch jemand an ein Gebet, die Wendung heißt einfach „bloß nicht“ oder „keineswegs“.

Kurzer Test

Ganzes Quiz

Wie geht das Sprichwort weiter?

Der Ton macht …

Ähnliche Sprichwörter

Alle zu Reden und Schweigen
↑↓auswählen↵öffnen