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Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand

Kurz gesagt

Wer heimlich zuhört, bekommt oft zu hören, was andere Schlechtes über ihn denken, und hat sich den Ärger selbst eingebrockt.

Auf Englisch
Listeners seldom hear good of themselves
Auch gesagt
Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand
Der Horcher an der Wand hört seine eigne Schand

Was bedeutet „Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand“?

„Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand“ heißt: Wer andere heimlich belauscht, muss damit rechnen, wenig Schmeichelhaftes über sich selbst zu hören. Der Duden erklärt es so: Wer heimlich lauscht, muss oft mit anhören, was für eine schlechte Meinung andere von ihm haben. Darin steckt eine Warnung und ein kleiner Vorwurf: Die Kränkung hat sich der Lauscher selbst zuzuschreiben, denn niemand hat ihn gebeten zuzuhören.

Eltern sagen den Reim zu Kindern, die an der Tür horchen, wenn die Erwachsenen reden. Heute passt er genauso, wenn jemand im Büro zufällig das Gespräch in der Teeküche mitbekommt oder heimlich die Nachrichten auf dem Handy des Partners liest und dort Unfreundliches über sich findet. Der Ton ist halb mahnend, halb spöttisch und durch den Reim etwas altmodisch. Manchmal fällt der Satz auch selbstironisch, wenn man sich ertappt fühlt. „Schand“ ist eine verkürzte Form von „Schande“, die den Reim auf „Wand“ möglich macht.

Woher kommt „Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand“?

Der Gedanke ist mittelalterlich. Schon Freidank sagt in seiner Spruchsammlung „Bescheidenheit“ aus dem 13. Jahrhundert, ein lauschendes Ohr höre sehr oft leidige Kunde: „Ez hoert ein lûzen aere vil dicke leidiu maere“, wie Wander aus Zingerles Sammlung mittelalterlicher Sprichwörter zitiert.

Die gereimte Form steht 1846 in Karl Simrocks Sammlung „Die deutschen Sprichwörter“ als „Der Horcher an der Wand / Hört seine eigne Schand.“ Wander verzeichnet sie 1870 unter „Horcher“ mit älteren Belegen, unter anderem aus der Sammlung des Juristen Pistorius im frühen 18. Jahrhundert, und unter „Lauscher“ in der Fassung „Der Lauscher hinter der Wand hört seine eigene Schand’“. Dazu kommen Mundartformen aus der Steiermark und aus Trier. Als englische Entsprechung nennt er „Listeners seldom hear good of themselves“. Heute ist die Form mit „Lauscher“ üblich, unter diesem Stichwort führen es DWDS und Duden.

Beispiele aus dem Alltag

  • Leonie hört durch die angelehnte Küchentür, wie ihre Eltern über ihr Zeugnis reden. Als sie hereinplatzt, sagt ihr Vater nur: „Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand.“

  • Jonas bleibt vor der Teeküche stehen, weil er seinen Namen hört, und erfährt, dass seine Präsentation „etwas zäh“ war. Abends schreibt er seinem Freund: „Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand.“

  • Aylin hat heimlich im Familienchat ihrer Schwiegermutter mitgelesen und ist jetzt beleidigt. Ihre Freundin zuckt mit den Schultern: „Tja, der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand.“

Häufige Fragen

Was bedeutet „Schand“ in „Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand“?

„Schand“ ist eine verkürzte Form von „Schande“, gekürzt wegen des Reims auf „Wand“. „Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand“ heißt also: Wer heimlich lauscht, hört, was ihm Schande macht, nämlich die schlechte Meinung anderer über ihn.

Heißt es „Lauscher“ oder „Horcher“ an der Wand?

Beides ist belegt. Karl Simrock schreibt 1846 „Der Horcher an der Wand hört seine eigne Schand“, Wander kennt 1870 beide Fassungen. Heute ist „Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand“ üblich, so steht es auch im Duden und im DWDS.

Wie sagt man „Der Lauscher an der Wand hört seine eigne Schand“ auf Englisch?

Das englische Gegenstück lautet „Listeners seldom hear good of themselves“, Wander führt es schon im 19. Jahrhundert an.

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