Wer sich entschuldigt, klagt sich an
Kurz gesagt
Wer sich rechtfertigt, bevor ihm jemand etwas vorwirft, macht sich gerade dadurch verdächtig.
- Auf Englisch
- He who excuses himself accuses himself
- Auch gesagt
- Wer sich entschuldigt, beschuldigt sich
Was bedeutet „Wer sich entschuldigt, klagt sich an“?
„Wer sich entschuldigt, klagt sich an“ heißt: Wer sich verteidigt, bevor ihm überhaupt jemand etwas vorwirft, lenkt den Verdacht erst auf sich. Gemeint ist die ungefragte Rechtfertigung, nicht die ehrliche Bitte um Verzeihung nach einem Fehler. Typisch ist der Mitbewohner, der beim Heimkommen sofort erklärt, warum er bestimmt nicht den Kuchen angeschnitten hat, oder das Kind, das beteuert, die Vase nicht angefasst zu haben, bevor jemand die Scherben bemerkt hat.
Meist wird der Satz halb scherzhaft eingeworfen, wenn sich jemand auffällig herausredet. Ernst gemeint kann er unfair sein: Nicht jeder, der sich erklärt, hat etwas zu verbergen, manche wollen nur einem Missverständnis zuvorkommen. Auch in der Politik fällt er gern, wenn ein Minister Vorwürfe zurückweist, die noch gar niemand erhoben hat. Im deutschen Sprachraum hört man oft die französische Form „Qui s’excuse, s’accuse“, die genau dasselbe sagt.
Woher kommt „Wer sich entschuldigt, klagt sich an“?
Der Gedanke ist im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert belegt. Johann Agricola nahm in den zweiten Teil seiner Sprichwörtersammlung (1530) die Fassung auf: „Wer sich entschuldiget, eh man jn fraget, der muss ain böss gewissen haben, vnd schuldiget sich selbs.“ Wander verzeichnet sie und daneben die knappe Form „Wer sich (zu sehr) entschuldigt, beschuldigt sich (klagt sich an)“ nach der Sammlung des Schweizers Kirchhofer.
Dasselbe Sprichwort gibt es in vielen Sprachen. Wander nennt das italienische „Chi si scusa, s’accusa“, im Französischen heißt es „Qui s’excuse, s’accuse“. Dahinter steht die lateinische Formel „Excusatio non petita, accusatio manifesta“: Eine Entschuldigung, um die niemand gebeten hat, ist eine offene Anklage. Sie stammt aus dem mittelalterlichen Latein, nicht aus der Antike. Wer sie zuerst formuliert hat, ist nicht bekannt, ebenso wenig, ob die deutsche Fassung aus ihr übersetzt wurde oder unabhängig entstand.
Beispiele aus dem Alltag
Kaum ist Jonas zur Tür herein, sagt er: „Ich war übrigens nicht derjenige, der den Kuchen angeschnitten hat.“ Seine Mitbewohnerin grinst: „Wer sich entschuldigt, klagt sich an.“
Im Elternchat erklärt ein Vater in drei langen Nachrichten, warum sein Sohn mit dem Streit auf dem Schulhof nichts zu tun hat. Frau Albers antwortet nur: „Wer sich entschuldigt, klagt sich an. Gefragt hatte keiner.“
Auf der Pressekonferenz betont der Minister ungefragt, er habe von den Verträgen nichts gewusst. Ein Journalist flüstert seiner Kollegin zu: „Wer sich entschuldigt, klagt sich an.“
Häufige Fragen
Woher kommt „Wer sich entschuldigt, klagt sich an“?
Im Deutschen verzeichnet Johann Agricola den Gedanken schon 1530: Wer sich entschuldigt, bevor man ihn fragt, „der muss ain böss gewissen haben“. Die kurze Form „Wer sich entschuldigt, klagt sich an“ führt Wander im 19. Jahrhundert auf.
Was heißt „Qui s’excuse, s’accuse“?
„Qui s’excuse, s’accuse“ ist die französische Fassung und bedeutet wörtlich: Wer sich entschuldigt, klagt sich an. Im deutschen Sprachraum wird sie oft im Original zitiert.
Ist „Excusatio non petita, accusatio manifesta“ ein antikes Zitat?
Nein. Die Formel „Excusatio non petita, accusatio manifesta“ (Eine ungefragte Entschuldigung ist eine offene Anklage) stammt aus dem mittelalterlichen Latein. Ein antiker Autor ist für sie nicht nachgewiesen.
Soll man sich also besser nicht entschuldigen?
Das Sprichwort „Wer sich entschuldigt, klagt sich an“ zielt auf die ungefragte Rechtfertigung, mit der jemand einem Vorwurf zuvorkommt. Wer nach einem Fehler um Verzeihung bittet, ist damit nicht gemeint.
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