Wer schweigt, stimmt zu
Kurz gesagt
Wer zu etwas schweigt, obwohl er widersprechen könnte, wird so behandelt, als sei er einverstanden.
- Auf Englisch
- Silence gives consent
- Silence means consent
- Auch gesagt
- Wer schweigt, scheint zuzustimmen
- Gegenteil
- Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
Was bedeutet „Wer schweigt, stimmt zu“?
Wer schweigt, stimmt zu: Wer keinen Einwand erhebt, obwohl er die Gelegenheit dazu hat, gilt als einverstanden. Man hört den Satz in Besprechungen, wenn auf die Frage nach Einwänden nur Stille folgt, oft halb im Scherz, um eine Entscheidung festzuklopfen. Ernster klingt er als Vorwurf: Wer zu einer Ungerechtigkeit, zu Mobbing in der Klasse oder zu einer offensichtlichen Lüge nichts sagt, macht sich nach diesem Verständnis mitverantwortlich. In dieser Form taucht das Sprichwort häufig in Appellen auf, Zivilcourage zu zeigen.
Als feste Regel taugt es wenig. Schweigen kann Zustimmung bedeuten, aber ebenso Unsicherheit, Höflichkeit, Angst oder schlichtes Desinteresse. Das deutsche Zivilrecht sieht das ähnlich: Schweigen ist dort grundsätzlich keine Willenserklärung. Wer als Verbraucher unbestellte Ware zugeschickt bekommt und nicht reagiert, hat damit nichts gekauft. Ausnahmen gibt es vor allem unter Kaufleuten, etwa beim Schweigen auf ein kaufmännisches Bestätigungsschreiben. Wer sich im Streit auf das Sprichwort beruft, macht es sich deshalb oft zu leicht.
Woher kommt „Wer schweigt, stimmt zu“?
Das Sprichwort ist die deutsche Form einer alten Rechtsregel. Papst Bonifatius VIII. ließ 1298 seiner Dekretalensammlung, dem „Liber Sextus“, eine Reihe von Rechtsgrundsätzen anhängen. Einer davon lautet „Qui tacet, consentire videtur“: Wer schweigt, scheint zuzustimmen. Das „scheint“ ist wichtig, denn die Regel beschreibt eine Vermutung, keinen Beweis. In der Rechtslehre wurde sie später auf Fälle eingegrenzt, in denen jemand hätte reden können und müssen. Der Gedanke selbst ist älter und findet sich schon bei antiken Autoren.
Im Deutschen ist der Satz früh als Sprichwort belegt. Grimms Wörterbuch zitiert die niederdeutsche Form „de swicht, de volget“ aus der Sammlung des Antonius Tunnicius (1514) und eine Lehenrechtsschrift des Juristen Ulrich Zasius in der Ausgabe von 1576: „nach der gemeynen rechtsregell, welche besaget, wer schweiget, der williget“. Der Verweis auf die „gemeine Rechtsregel“ zeigt, dass man den juristischen Ursprung damals noch kannte.
Quellen
- Grimm: Deutsches Wörterbuch, Stichwort ‚schweigen‘
- Liber Sextus (1298), Titel ‚De regulis iuris‘, Regel 43
- Proverbia Iuris: Qui tacet consentire non videtur
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Die Abteilungsleiterin fragt, ob jemand etwas gegen den neuen Schichtplan hat. Nach drei Sekunden Stille klappt sie den Laptop zu: „Wer schweigt, stimmt zu. Dann gilt er ab Montag.“
Im Elternbeirat wird der teure Klassenausflug beschlossen. Hinterher beschwert sich Herr Yilmaz, und die Vorsitzende erinnert ihn: „Sie haben in der Sitzung nichts gesagt. Wer schweigt, stimmt zu.“
Als im Vereinsheim wieder über den neuen Torwart gelästert wird, sagt Marlene laut: „Jetzt reicht’s.“ Später erklärt sie ihrem Bruder: „Wer schweigt, stimmt zu. Und das wollte ich nicht.“
Häufige Fragen
Gilt „Wer schweigt, stimmt zu“ auch vor Gericht?
Im deutschen Zivilrecht in der Regel nicht: Schweigen ist grundsätzlich keine Willenserklärung. Ausnahmen gibt es vor allem im Handelsverkehr, etwa wenn ein Kaufmann einem kaufmännischen Bestätigungsschreiben nicht widerspricht.
Wie heißt „Wer schweigt, stimmt zu“ auf Latein?
„Qui tacet, consentire videtur“, wörtlich: Wer schweigt, scheint zuzustimmen. Der Satz steht als Rechtsregel im „Liber Sextus“, den Papst Bonifatius VIII. 1298 veröffentlichte.
Wie sagt man das auf Englisch?
Im Englischen sagt man „Silence gives consent“ oder „Silence means consent“. Beide entsprechen der lateinischen Rechtsregel.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
In der Kürze …