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Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen

Kurz gesagt

Einfache Leute werden für kleine Vergehen hart bestraft, Reiche und Mächtige kommen selbst bei großen Taten davon.

Auf Englisch
One law for the rich and another for the poor
Auch gesagt
Die Kleinen fängt man, die Großen lässt man laufen
Die kleinen Diebe hängt man, die großen lässt man laufen

Was bedeutet „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“?

„Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“ beklagt eine Justiz, die mit zweierlei Maß misst. Wer ein paar Mal schwarzfährt, bekommt eine Anzeige, während der Konzernchef, dessen Firma Millionen an Steuern hinterzogen hat, mit einer Geldauflage davonkommt. Das Sprichwort ist ein bitterer Kommentar. Man hört es in Leserbriefen, am Stammtisch und in Kommentaren zu Korruptions-, Steuer- und Wirtschaftsskandalen. Gehängt wird heute niemand mehr, das Bild aus der Zeit der Galgen ist geblieben.

Es ist keine Feststellung über jedes einzelne Verfahren, sondern ein Vorwurf, und der kann begründet oder pauschal sein. Manchmal steht dahinter echte Ungleichheit, etwa teure Anwälte und lange Verfahren, die sich nur Wohlhabende leisten können. Manchmal ist es schlicht Frust über ein Urteil, das man nicht nachvollziehen kann. Die Variante „Die Kleinen fängt man, die Großen lässt man laufen“ zielt eher auf Ermittlungen, die sich an leichte Fälle halten. Auch außerhalb der Justiz wird das Sprichwort gebraucht, etwa im Verein oder in der Firma, wenn Regeln nur für die Unteren gelten.

Woher kommt „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“?

Ursprünglich ging es um Diebe und den Galgen. Johannes Pauli schreibt 1522 in seiner Schwanksammlung „Schimpf und Ernst“: „Die grossen dieb lasst man gehn, vnnd die kleinen henckt man.“ In der Sprichwortsammlung von Eberhard Tappius im 16. Jahrhundert steht die Form „Die kleinen dieb henckt man, die grossen lesst man lauffen“. Wander verzeichnet unter dem Stichwort „Dieb“ ein gutes Dutzend Spielarten, etwa „Kleine Dieb henckt mann an galgen, die grossen an gulden Ketten“ und „Kleine Diebe henckt man, vor den grossen zeucht man den Hut ab“.

Die Klage ist noch älter. Der römische Staatsmann Cato der Ältere sagte nach dem Zeugnis des Aulus Gellius (Noctes Atticae 11,18), Diebe, die Privatleute bestehlen, verbrächten ihr Leben in Fesseln, Diebe am Staatsgut dagegen „in Gold und Purpur“. Aus den Dieben wurden im heutigen Sprichwort allgemein „die Kleinen“ und „die Großen“.

Beispiele aus dem Alltag

  • Nach einem Bericht über einen Bankvorstand, der trotz Millionenschadens mit einer Geldauflage davonkommt, schüttelt Jonas den Kopf: „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.“

  • Lisa muss ein Verwarnungsgeld zahlen, weil an ihrem Fahrrad das Licht fehlte. Am selben Abend liest sie, dass ein Investor nach jahrelangen illegalen Rodungen nur verwarnt wurde. „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“, schreibt sie auf Instagram.

  • Im Sportverein wird der Platzwart wegen einer fehlenden Kiste Getränke abgemahnt, der Vorsitzende behält trotz teurer Dienstreisen sein Amt. „Typisch“, murmelt ein Mitglied. „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.“

Häufige Fragen

Wer hat „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“ gesagt?

Das Sprichwort hat keinen einzelnen Urheber. Es ist im 16. Jahrhundert belegt, etwa 1522 bei Johannes Pauli, und den Gedanken äußerte schon Cato der Ältere im alten Rom.

Was ist mit „hängen“ gemeint?

Das Hängen am Galgen, lange die übliche Strafe für Diebe. In den alten Fassungen ist ausdrücklich von kleinen und großen Dieben die Rede.

Wie sagt man „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“ auf Englisch?

Eine verbreitete englische Entsprechung ist „One law for the rich and another for the poor“.

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Einem geschenkten Gaul …

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