Die Kirche im Dorf lassen
Kurz gesagt
Nicht übertreiben, auf dem Boden der Tatsachen bleiben und eine Sache im vernünftigen Rahmen halten.
- Auf Englisch
- To keep things in perspective
- Don’t get carried away
- Auch gesagt
- Die Kirche im Dorf stehen lassen
- Die Kirche mitten im Dorf lassen
Was bedeutet „Die Kirche im Dorf lassen“?
Wer die Kirche im Dorf lässt, bleibt vernünftig und maßvoll und macht aus einer Sache nicht mehr, als sie ist. Meist steht die Wendung als Aufforderung: „Jetzt lass mal die Kirche im Dorf.“ So bremst man jemanden, der sich aufregt, maßlose Forderungen stellt oder ein kleines Problem zur Katastrophe erklärt. Der Ton ist umgangssprachlich, oft beschwichtigend, manchmal auch leicht genervt. Das DWDS umschreibt sie mit „bleibe im Bereich des Möglichen, übertreibe nicht!“.
Die Wendung richtet sich gegen Übertreibung in Worten ebenso wie gegen überzogene Pläne: Wer zur Geburtstagsfeier gleich eine Band und ein Feuerwerk buchen will, hört vielleicht, er solle die Kirche im Dorf lassen. In Interviews und Talkshows benutzen sie Politiker gern, um eine aufgeheizte Debatte zu versachlichen. Ältere Belege meinen etwas Verwandtes, aber nicht ganz dasselbe: die gewohnte Ordnung nicht umzukehren und nichts Auffälliges zu tun.
Woher kommt „Die Kirche im Dorf lassen“?
Woher das Bild stammt, ist nicht sicher geklärt. Wörtlich gilt: Die Kirche gehört mitten ins Dorf, und niemand käme auf die Idee, sie woanders hinzustellen. Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm erklärt „lasz die kirch im dorf stehen“ mit „kehr die dinge nicht um“. Wander verzeichnet „Die Kirche muss (mitten) im Dorfe bleiben“ als „Warnung vor Ueberstürzung“ und führt westfälisch „Me mot de Kearke im Doerpe loaten“ an: keine fremden Gebräuche einführen, nichts Auffallendes tun, nichts übertreiben. Das Französische kennt ein ähnliches Bild mit dem Kirchturm, „Il faut mettre le clocher au milieu de la paroisse“.
Oft wird die Wendung mit Prozessionen erklärt: War ein Ort für einen Umzug zu klein, sei man mit der Prozession um das ganze Dorf herumgezogen. Dazu passt die alte Gegenredensart „die Kirche ums Dorf tragen“ für unnötige Umwege, die schon Grimm und Wander kennen. Gesichert ist diese Deutung nicht.
Beispiele aus dem Alltag
Nach dem 0:2 fordern im Fanforum schon alle die Entlassung des Trainers. Ein Vereinsmitglied schreibt: „Lasst mal die Kirche im Dorf. Wir stehen immer noch auf Platz drei.“
Malte will für die Einweihungsparty einen DJ, einen Foodtruck und eine Fotobox mieten. Seine Freundin lacht: „Lass die Kirche im Dorf, es kommen zwölf Leute.“
„Ein Kratzer im Lack ist kein Totalschaden“, sagt der Gutachter zu Frau Lindner. „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen.“
Häufige Fragen
Was ist das Gegenteil von „die Kirche im Dorf lassen“?
Wer maßlos übertreibt, „macht aus einer Mücke einen Elefanten“. Wer umständliche Umwege macht, „trägt die Kirche ums Dorf“, eine alte Redensart mit demselben Bild.
Was bedeutet „die Kirche ums Dorf tragen“?
Die Wendung bedeutet laut DWDS ‚unnötige Umwege machen‘. Sie ist mit „die Kirche im Dorf lassen“ verwandt und spielt mit demselben Bild von der Kirche, die an ihren Platz gehört.
Wie sagt man „die Kirche im Dorf lassen“ auf Englisch?
Eine Entsprechung mit Kirche gibt es nicht. Sinngemäß sagt man „let’s keep things in perspective“ oder „don’t get carried away“.
Kurzer Test
Ganzes QuizWie geht das Sprichwort weiter?
Nix gwiss …