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Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus

Kurz gesagt

Leute aus derselben Gruppe oder demselben Berufsstand schonen und decken einander, auch wenn einer von ihnen etwas falsch gemacht hat.

Auf Englisch
Dog does not eat dog
There is honour among thieves
Auch gesagt
Eine Krähe hackt der andern kein Auge aus
Eine Krähe pickt der anderen kein Auge aus
Keine Krähe hackt der anderen ein Auge aus

Was bedeutet „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“?

Wenn eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, halten Menschen derselben Sorte zusammen und tun einander nichts, selbst wenn es angebracht wäre. Man sagt das Sprichwort fast immer kritisch und mit einem resignierten Unterton: über Ärzte, die den Kunstfehler eines Kollegen nicht bezeugen wollen, über Politiker, die einen Parteifreund nicht fallen lassen, über Funktionäre, die eine interne Untersuchung im Sande verlaufen lassen. Gemeint ist eine stille Solidarität, die nach außen wie Kumpanei wirkt.

Wer so redet, unterstellt mehr als Freundschaft. Er vermutet, dass die Beteiligten einander brauchen und deshalb schweigen. Das DWDS umschreibt das Sprichwort knapp mit „Spießgesellen stehen einander bei“. Lobend verwendet man es kaum: Wer bei einem Streit unter Kollegen „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“ sagt, rechnet nicht mit einem fairen Ergebnis. Im Gespräch genügt oft schon der Anfang, „Eine Krähe …“, den Rest ergänzt jeder selbst.

Woher kommt „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“?

Das Bild ist schon in der Antike geläufig. Der römische Schriftsteller Macrobius setzt es im frühen 5. Jahrhundert in seinen „Saturnalia“ als bekannt voraus: Ein Grieche solle einem anderen Griechen den Beifall streitig machen, „tamquam cornix cornici oculos effodiat“, als ob eine Krähe der anderen die Augen aushacke (Buch 7, Kapitel 5, 2). Die häufig zitierte lateinische Sprichwortform „Cornix cornici numquam oculos effodit“ ist eine spätere Zuspitzung.

Im Deutschen ist das Sprichwort seit dem 16. Jahrhundert reich belegt. Wander verzeichnet es 1870 mit Dutzenden Quellen, darunter Martin Luthers handschriftliche Sprichwörtersammlung und Sebastian Francks Sammlung, die es als „Es beisst kein kraw der andern die augen auss“ führt. Dazu kommen Mundartformen von Sylt bis Siebenbürgen und Entsprechungen in vielen europäischen Sprachen. Der Vogelkundler Naumann deutete es in seiner „Naturgeschichte der Vögel Deutschlands“ als Hinweis auf die Geselligkeit der Krähen.

Quellen

Stand:

Weitere Sprichwörter aus der Antike

Beispiele aus dem Alltag

  • Der Gutachter soll den Pfusch seines früheren Studienfreunds bewerten. Jana schüttelt den Kopf: „Da kommt nichts raus. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“

  • Im Gemeinderat stimmen alle Fraktionen gegen den Untersuchungsausschuss. „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“, schreibt Bernd in die Nachbarschaftsgruppe.

  • Als der Schiedsrichterausschuss den umstrittenen Elfmeterpfiff seines Kollegen für korrekt erklärt, stöhnt Trainerin Özdemir: „Klar. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“

Häufige Fragen

Ist „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“ positiv oder negativ gemeint?

Fast immer negativ. Wer das Sprichwort benutzt, kritisiert, dass Angehörige einer Gruppe einander decken, statt Fehler offen zu benennen.

Woher stammt das lateinische „Cornix cornici“?

Die lateinische Fassung geht auf eine Stelle in den „Saturnalia“ des Macrobius aus dem frühen 5. Jahrhundert zurück. Dort heißt es „tamquam cornix cornici oculos effodiat“, als ob eine Krähe der anderen die Augen aushacke.

Heißt es „der anderen“ oder „der andern“?

Beide Formen sind richtig. „Der andern“ ist die verkürzte Form, die man in gesprochener Sprache und in älteren Sammlungen häufig findet.

Wie sagt man das auf Englisch?

Eine wörtliche Entsprechung ist im Englischen nicht geläufig. Ähnlich gemeint sind „Dog does not eat dog“ und „There is honour among thieves“, also Ganovenehre.

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