Brot und Spiele
Kurz gesagt
Versorgung und Unterhaltung, mit denen Mächtige das Volk zufriedenstellen und von politischen Fragen ablenken.
- Ursprung
- Aus der Antike
- Auf Englisch
- Bread and circuses
- Auch gesagt
- Panem et circenses
Was bedeutet „Brot und Spiele“?
„Brot und Spiele“ steht für eine Politik, die die Menschen mit Essen und Vergnügen ruhigstellt, damit sie nicht nach Macht, Rechten oder Missständen fragen. Man gebraucht die Formel fast immer kritisch: wenn eine Regierung kurz vor der Wahl Geschenke verteilt, wenn ein sportliches Großereignis von Menschenrechtsfragen ablenken soll oder wenn Fernsehen und soziale Medien als Beruhigungsmittel für die Massen gelten. Wer sie benutzt, unterstellt zweierlei: dass die Herrschenden ablenken wollen und dass sich das Publikum ablenken lässt.
Der Ton ist bildungssprachlich und oft bissig, in Leitartikeln ebenso wie in Kommentaren unter Nachrichten. Gern wird auch die lateinische Form „panem et circenses“ zitiert. Mit „Spielen“ sind ursprünglich keine Brett- oder Videospiele gemeint, sondern öffentliche Rennen und Kämpfe vor großem Publikum. Heute passt die Formel auf jede Massenunterhaltung. Wer sie auf ein harmloses Stadtfest anwendet, klingt allerdings schnell überheblich, denn sie unterstellt den Leuten, sie ließen sich mit Würstchen und Musik kaufen.
Woher kommt „Brot und Spiele“?
Die Formel stammt vom römischen Satiriker Juvenal, der Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. schrieb. In seiner zehnten Satire (Vers 77–81) spottet er über das Volk von Rom: Seit es seine Stimmen nicht mehr verkaufen kann, sei ihm die Politik gleichgültig. Dasselbe Volk, das einst Befehlsgewalt, Rutenbündel und Legionen vergab, wünsche sich nur noch zwei Dinge: „panem et circenses“, Brot und Circusspiele. Gemeint sind das Getreide, das an die Bürger Roms verteilt wurde, und die Wagenrennen im Circus. Unter den Kaisern hatten die Wahlen der Beamten ihre Bedeutung verloren, das Volk hatte politisch nichts mehr zu entscheiden.
Einen ähnlichen Gedanken überliefert der Redner Fronto: Kaiser Trajan habe gewusst, dass sich das römische Volk vor allem durch zwei Dinge lenken lasse, durch Getreide und Schauspiele („annona et spectaculis“). Büchmann verzeichnet Juvenals Vers 1898 in den „Geflügelten Worten“ mit der Übersetzung „Brot und Circusspiele“. Der Duden führt „Brot und Spiele“ heute als feste Wendung.
Beispiele aus dem Alltag
Kurz vor der Landtagswahl kündigt die Regierung Gratiskonzerte und ein Volksfest mit Freibier an. Herr Nowak faltet die Zeitung zusammen und brummt: „Brot und Spiele, wie bei den alten Römern.“
Im Ethikunterricht geht es um eine Fußball-WM in einem autoritären Staat. Aylin meldet sich: „Das ist doch Brot und Spiele. Alle schauen aufs Spielfeld, keiner auf die Gefängnisse.“
Jonas scrollt seit zwei Stunden durch Kurzvideos. Seine Schwester nimmt ihm das Handy ab: „Panem et circenses fürs 21. Jahrhundert, nur ohne Brot.“
Häufige Fragen
Woher kommt „Brot und Spiele“?
„Brot und Spiele“ geht auf den römischen Dichter Juvenal zurück. In seiner zehnten Satire, Vers 81, wirft er dem Volk von Rom vor, es wolle nur noch „panem et circenses“, also Getreide und Circusspiele, und kümmere sich nicht mehr um Politik.
Was bedeutet „circenses“?
„Circenses“ sind die Spiele im römischen Circus, vor allem Wagenrennen vor Zehntausenden Zuschauern. Mit dem heutigen Zirkus mit Clowns und Akrobaten haben sie nichts zu tun, deshalb übersetzt man „Brot und Spiele“ und nicht „Brot und Zirkus“.
Wie sagt man „Brot und Spiele“ auf Englisch?
Im Englischen heißt die Formel „bread and circuses“. Sie wird dort genauso kritisch gebraucht wie „Brot und Spiele“ im Deutschen.
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