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Jemandem Sand in die Augen streuen

Kurz gesagt

Jemanden täuschen, indem man ihm ein falsches, meist beschönigtes Bild vorspiegelt, damit er die wahre Lage nicht erkennt.

Auf Englisch
to pull the wool over someone’s eyes
to throw dust in someone’s eyes

Was bedeutet „Jemandem Sand in die Augen streuen“?

„Jemandem Sand in die Augen streuen“ heißt: jemanden täuschen, indem man ihm etwas vorspiegelt und so den klaren Blick auf die Tatsachen verstellt. Gemeint ist selten die glatte Lüge, eher das geschickte Ablenken und Beschönigen: ein Unternehmen, das mit ein paar Bäumen für den Klimaschutz wirbt, während die Fabrik weiter qualmt; eine Regierung, die Zahlen so auswählt, dass die Bilanz glänzt; ein Teenager, der nur den Teil des Zimmers aufräumt, den man von der Tür aus sieht.

Der Ton ist kritisch und eher sachlich als derb, die Wendung steht oft in Zeitungskommentaren und politischen Reden. Häufig erscheint sie verneint und aus Sicht des Getäuschten: „Wir lassen uns keinen Sand in die Augen streuen.“ Damit erklärt man, das Spiel durchschaut zu haben. Nicht verwechseln sollte man sie mit dem Sandmann, der nach altem Kinderglauben den Müden Sand in die Augen streut. Dort geht es um Schlaf, nicht um Betrug.

Woher kommt „Jemandem Sand in die Augen streuen“?

Woher das Bild genau stammt, ist nicht sicher geklärt. Das Grimmsche Wörterbuch und der Duden führen es auf einen alten Kniff im Zweikampf zurück: Wer dem Gegner Sand ins Gesicht wirft, blendet ihn und nimmt ihm die Fähigkeit, sich zu wehren. Wander gibt eine gelehrtere Erklärung: Bei den Wagenrennen der Olympischen Spiele hätten die vorderen Gespanne den Sand der Rennbahn in Wolken aufgewirbelt und den Nachfolgenden die Sicht genommen. Belegt ist diese Herleitung nicht.

Alt ist das Bild in jedem Fall. Der römische Schriftsteller Aulus Gellius beschreibt im 2. Jahrhundert in den „Noctes Atticae“ (V, 21, 4) einen vorlauten Sprachkritiker, der seine halbverstandenen Grammatikregeln jedem Gegner „quasi pulverem ob oculos“ streute, wie Staub in die Augen. Ob die deutsche Wendung davon abhängt, lässt sich nicht zeigen. In deutschen Sammlungen erscheint sie im 19. Jahrhundert, etwa bei Wilhelm Körte 1837 und bei Wander, der sie erklärt: „Ihn durch falsche Vorspiegelungen hindern, eine Sache so zu sehen, wie sie ist.“ Das Niederländische kennt dieselbe Wendung, das Französische ein ähnliches Bild in „jeter de la poudre aux yeux“.

Beispiele aus dem Alltag

  • Der Bürgermeister lobt die neue Radspur, die nach 200 Metern im Nichts endet. Aylin schreibt im Bürgerforum: „Hier wird uns Sand in die Augen gestreut, ein echtes Radwegenetz ist das nicht.“

  • Die Geschäftsführung verspricht, dass keine Stelle wegfällt, und spricht nur von „Umstrukturierung“. Betriebsrätin Frau Kaya sagt in der Versammlung: „Lasst euch keinen Sand in die Augen streuen.“

  • Jonas hat vor dem Besuch der Eltern alles in den Schrank gestopft. Seine Freundin lacht: „Du streust deiner Mutter Sand in die Augen. Sie macht garantiert den Schrank auf.“

Häufige Fragen

Woher kommt „jemandem Sand in die Augen streuen“?

Die Herkunft von „jemandem Sand in die Augen streuen“ ist umstritten. Grimm und der Duden denken an einen Trick im Zweikampf, bei dem man den Gegner mit Sand blendet; Wander nennt die Staubwolken bei den Wagenrennen der Olympischen Spiele, ohne Beleg.

Hat „Sand in die Augen streuen“ etwas mit dem Sandmann zu tun?

Nein. Vom Sandmann sagt man, er streue müden Kindern Sand in die Augen, damit sie einschlafen. Die Redewendung „jemandem Sand in die Augen streuen“ meint dagegen eine Täuschung.

Wie sagt man „jemandem Sand in die Augen streuen“ auf Englisch?

Am gebräuchlichsten ist „to pull the wool over someone’s eyes“. Etwas altmodischer gibt es auch „to throw dust in someone’s eyes“, das dem deutschen Bild sehr nahekommt.

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