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Jemandem ein X für ein U vormachen

Kurz gesagt

Jemanden plump täuschen und ihm etwas Falsches als wahr verkaufen.

Auf Englisch
To pull the wool over someone’s eyes
Auch gesagt
Sich kein X für ein U vormachen lassen

Was bedeutet „Jemandem ein X für ein U vormachen“?

Wer jemandem ein X für ein U vormacht, täuscht ihn bewusst und versucht, ihm etwas Falsches als richtig unterzujubeln. Häufig steht die Wendung verneint, als selbstbewusste Abwehr: „Mir kannst du kein X für ein U vormachen.“ Damit sagt man: Ich durchschaue dich, mich legst du nicht herein. Typische Anlässe sind geschönte Zahlen, faule Ausreden oder ein Händler, der einen Unfallwagen als unfallfrei anpreist.

Der Duden markiert die Wendung als umgangssprachlich und veraltend und spricht von einer Täuschung „auf plumpe, grobe Weise“. Sie klingt etwas altmodisch, ist aber weiterhin gut verständlich und wird gern augenzwinkernd gebraucht. Viele kennen die Wendung, ohne zu wissen, warum ausgerechnet X und U vertauscht werden, denn auf den ersten Blick sehen sich die beiden Buchstaben gar nicht ähnlich.

Woher kommt „Jemandem ein X für ein U vormachen“?

Die Erklärung liegt in den römischen Zahlen. Im lateinischen Alphabet gab es kein eigenes U, man schrieb dafür V, und V ist zugleich das Zahlzeichen für fünf. Verlängert man die beiden Striche des V nach unten, entsteht ein X, also zehn. Wer auf einer Schuldentafel oder einer Zechrechnung aus einem V ein X machte, verlangte das Doppelte. So erklären es Duden und Wiktionary. Weil U und V in der Schrift lange nicht unterschieden wurden, hieß es früher auch „ein X für ein V“.

Wander verzeichnet 1880 alte Belege, etwa aus der Sammlung von Friedrich Petri Anfang des 17. Jahrhunderts: „Wer ein X schreibt für ein V, kompt in der Welt am besten zu“. Er nennt auch eine Gegendeutung von Albert Höfer, der an eine mittelalterliche Geheimschrift dachte, in der x für u stand. Die Nachschlagewerke folgen heute der Erklärung über die Zahlen.

Beispiele aus dem Alltag

  • Der Gebrauchtwagenhändler schwört, das Auto sei unfallfrei. Herr Kowalski klopft auf den frisch lackierten Kotflügel: „Mir können Sie kein X für ein U vormachen.“

  • „Du warst nicht in der Bibliothek, du warst im Freibad“, sagt Mama und zeigt auf den Sonnenbrand. „Mir machst du kein X für ein U vor.“

  • Im Betriebsrat lässt sich niemand von den geschönten Zahlen beeindrucken. „Die wollen uns ein X für ein U vormachen“, sagt die Vorsitzende.

Häufige Fragen

Warum ausgerechnet X und U?

Weil U früher als V geschrieben wurde, das römische Zahlzeichen für fünf. Mit zwei verlängerten Strichen wird daraus ein X, also zehn, und die Rechnung verdoppelt sich.

Ist „ein X für ein U vormachen“ veraltet?

Der Duden nennt die Wendung veraltend. Sie wird aber noch gut verstanden und vor allem in der Form „Mir kannst du kein X für ein U vormachen“ gebraucht.

Wie sagt man „jemandem ein X für ein U vormachen“ auf Englisch?

Am nächsten kommt „to pull the wool over someone’s eyes“, wörtlich jemandem Wolle über die Augen ziehen. Gemeint ist ebenfalls eine Täuschung.

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