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Jemandem ein Dorn im Auge sein

Kurz gesagt

Jemanden dauerhaft stören und ärgern, ihm so lästig oder verhasst sein, dass er es am liebsten loswürde.

Auf Englisch
a thorn in someone’s side
Auch gesagt
Jemandem ein Dorn in den Augen sein

Was bedeutet „Jemandem ein Dorn im Auge sein“?

„Jemandem ein Dorn im Auge sein“ heißt: jemanden ständig stören, ihm lästig oder verhasst sein. Das DWDS umschreibt es als etwas, das als sehr störend und als ständiges Ärgernis empfunden wird. Das kann eine Person sein, etwa ein unbequemer Kritiker, ein Konkurrent oder ein Betriebsrat, aber genauso eine Sache: das Windrad vor dem Fenster, die Raser in der Wohnstraße, eine neue Steuer. In der Presse ist die Wendung sehr häufig, das DWDS belegt sie von der „Vossischen Zeitung“ 1903 bis zu Berichten über Handelsstreit und Silvesterfeuerwerk.

Grammatisch ist das Störende das Subjekt, der Gestörte steht im Dativ: „Die Baustelle ist den Anwohnern ein Dorn im Auge.“ Gemeint ist ein dauerhafter Ärger, kein kurzer Verdruss, und oft schwingt der Wunsch mit, das Störende zu beseitigen. Mit „den Splitter im fremden Auge sehen“ hat die Wendung nichts zu tun. Dort geht es um Heuchelei, wer kleine Fehler anderer bemerkt und die eigenen großen übersieht. Hier geht es allein um Ärger.

Woher kommt „Jemandem ein Dorn im Auge sein“?

Ein Dorn im Auge schmerzt bei jedem Lidschlag und lässt sich nicht übersehen. Das Bild steht auch in der Bibel. In 4. Mose 33,55 warnt Gott die Israeliten, die Bewohner des Landes, die sie nicht vertreiben, würden ihnen „zu Dornen in euren Augen werden und zu Stacheln in euren Seiten“ (Lutherbibel 2017), ähnlich Josua 23,13.

Der Ursprung der Wendung ist die Bibel aber nicht nachweislich. Das Grimmsche Wörterbuch belegt sie schon im Mittelhochdeutschen des 13. Jahrhunderts, lange vor Luthers Übersetzung: Beim Stricker ist ein Held „sînen vîanden in den ougen ein dorn“, bei Konrad von Würzburg ist Paris der Helena „niht ein dorn“ in den Augen. Die lateinische Bibel des Mittelalters spricht an der Stelle in 4. Mose 33,55 nicht von Dornen, sondern von Nägeln („quasi clavi in oculis“). Luther konnte also an eine Wendung anknüpfen, die im Deutschen schon geläufig war.

Wander verzeichnet „Einem ein Dorn im Auge sein“ und erklärt: „So ungern von ihm gesehen werden, wie man einen Splitter im Auge hat.“ Goethe lässt seinen Götz 1773 zu Weislingen sagen: „Ich bin euch ein Dorn in den Augen, so klein ich bin.“

Beispiele aus dem Alltag

  • Die neue Ladesäule direkt vor ihrem Küchenfenster ist Frau Kowalski ein Dorn im Auge. Sie hat schon zweimal bei der Stadt angerufen.

  • „Unser Betriebsrat ist der Geschäftsführung schon lange ein Dorn im Auge“, sagt Dragan im Pausenraum. „Jetzt sollen die Sitzungen nur noch nach Feierabend stattfinden.“

  • Dass ihr Bruder jeden Abend bis Mitternacht am Computer zockt, ist Lara ein Dorn im Auge. Die Wand zwischen ihren Zimmern ist dünn.

Häufige Fragen

Ist „ein Dorn im Auge“ ein Bibelzitat?

Ein ähnliches Bild steht in 4. Mose 33,55, wo es von den Bewohnern des Landes heißt, sie würden „zu Dornen in euren Augen“. Die Wendung „ein Dorn im Auge“ ist im Deutschen aber schon im 13. Jahrhundert belegt, also lange vor Luthers Bibel. Dass sie aus der Bibel stammt, lässt sich nicht nachweisen.

Heißt es „ein Dorn im Auge“ oder „ein Dorn in den Augen“?

Heute sagt man „jemandem ein Dorn im Auge sein“. Ältere Texte haben oft den Plural, so Goethe im „Götz von Berlichingen“: „Ich bin euch ein Dorn in den Augen, so klein ich bin.“

Wie sagt man „ein Dorn im Auge“ auf Englisch?

Im Englischen heißt es „a thorn in someone’s side“. Die englische Bibel hat in 4. Mose 33,55 beide Bilder, „pricks in your eyes“ und „thorns in your sides“. Im Englischen ist die Seite sprichwörtlich geworden, im Deutschen das Auge.

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