Einen Narren an jemandem gefressen haben
Kurz gesagt
Jemanden oder etwas übertrieben gern haben, regelrecht vernarrt sein, oft ohne dass andere den Grund verstehen.
- Auf Englisch
- To be smitten with someone
- To take a shine to someone
- Auch gesagt
- An jemandem einen Narren gefressen haben
- Einen Narren gefressen haben
Was bedeutet „Einen Narren an jemandem gefressen haben“?
„Einen Narren an jemandem gefressen haben“ heißt: eine übertriebene, fast unvernünftige Vorliebe für jemanden oder etwas haben, in jemanden vernarrt sein. So beschreibt es auch das DWDS. Man sagt es von der Großmutter, die an ihrem jüngsten Enkel einen Narren gefressen hat, vom Chef, der jeden Vorschlag einer bestimmten Praktikantin großartig findet, oder von einem Hund, der einem fremden Besucher nicht mehr von der Seite weicht. Auch Dinge können gemeint sein: ein Oldtimer, eine Band, eine Stadt.
Die Wendung ist salopp und meist gutmütig, oft begleitet von einem leichten Kopfschütteln: Die Zuneigung wirkt größer, als die Sache es verdient. Sie bezeichnet keine romantische Liebe im engeren Sinn, sondern eine Schwäche, eine Vernarrtheit, wie sie zwischen Großeltern und Enkeln, Lehrern und Schülern oder Menschen und Tieren vorkommt. Der „Narr“ hat hier nichts mit einem Clown im Karneval zu tun, näher liegt das Wort „vernarrt“.
Woher kommt „Einen Narren an jemandem gefressen haben“?
Die Wendung ist alt, das DWDS datiert „einen Narren gefressen haben“ in der Bedeutung „närrische Vorliebe für jemanden haben“ ins 16. Jahrhundert. Die Zimmerische Chronik aus dieser Zeit schreibt von einem, der „den narren gleicher gestalt an dieser von Barr gefressen“ habe. Christian Weise tadelt im 17. Jahrhundert Eltern, die „ausz übermäsziger liebe den narren an den kindern fressen“.
Wie das Bild genau zu verstehen ist, sagen die Quellen nicht eindeutig. Grimms Wörterbuch stellt die Wendung zu einer Reihe von Vorstellungen, in denen der Narr wie ein zweites, fremdes Ich erscheint, das im Menschen haust: Man kann vom Narren gebissen werden, ihn austreiben oder herausschneiden lassen. Wer den Narren gefressen hat, trägt die Torheit demnach in sich. Johann Fischart spricht von Leuten, „denen der rohgefressen narr noch aufstoszet“. Ohne Ergänzung hieß „den Narren fressen“ nach Grimm einfach „närrisch sein“; mit „an jemandem“ bezeichnet die Wendung die übertriebene Vorliebe für eine bestimmte Person oder Sache.
Beispiele aus dem Alltag
Oma Inge muss an ihrem Urenkel einen Narren gefressen haben: Bei ihr darf der Kleine einfach alles.
„Der Chef muss an der neuen Praktikantin einen Narren gefressen haben“, murmelt Tobias, als ihr Vorschlag schon wieder angenommen wird.
Die Zwillinge wollen jeden Nachmittag zu Herrn Nowak in die Werkstatt, weil sie an seinem alten Traktor einen Narren gefressen haben.
Häufige Fragen
Woher kommt „einen Narren an jemandem gefressen haben“?
„Einen Narren an jemandem gefressen haben“ ist seit dem 16. Jahrhundert belegt. Grimms Wörterbuch deutet den Narren als fremdes Wesen, das man in sich aufgenommen hat: Wer ihn gefressen hat, benimmt sich närrisch, hier gegenüber einer bestimmten Person.
Was bedeutet „Narr“ in dieser Redewendung?
Der „Narr“ steht in „einen Narren an jemandem gefressen haben“ für die Torheit selbst, nicht für einen Hofnarren oder Clown. Gemeint ist eine unvernünftig große Zuneigung, wie sie auch im Wort „vernarrt“ steckt.
Wie sagt man „einen Narren an jemandem gefressen haben“ auf Englisch?
Passend sind „to be smitten with someone“ und „to take a shine to someone“. Die zweite Wendung betont eher die plötzliche Sympathie, die erste die starke Zuneigung.
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