Liebe macht blind
Kurz gesagt
Wer verliebt ist, übersieht die Fehler und Schwächen des geliebten Menschen.
- Auf Englisch
- Love is blind
- Auch gesagt
- Die Liebe macht blind
- Gegenteil
- Drum prüfe, wer sich ewig bindet
Was bedeutet „Liebe macht blind“?
„Liebe macht blind“ heißt: Wer verliebt ist, sieht die Fehler des geliebten Menschen nicht oder will sie nicht sehen. Die ständige Unpünktlichkeit wirkt plötzlich charmant, die Launen interessant, und die Warnungen der Freunde prallen ab. Man sagt das Sprichwort meist über andere, halb verständnisvoll, halb kopfschüttelnd, wenn jemand an einer offensichtlich ungesunden Beziehung festhält oder einem Partner alles verzeiht.
Die Blindheit muss nicht romantisch sein. Der Satz passt auch auf Fans, die ihrem Verein trotz Abstiegs alles verzeihen, oder auf Politiker, die ein Land oder eine Idee unkritisch bewundern. Nach diesem Muster entstehen Abwandlungen wie „Wut macht blind“ oder „Macht macht blind“. Wörtlich nehmen sollte man das Sprichwort nicht: Verliebte sehen durchaus, nur eben durch eine rosarote Brille. In Theodor Fontanes Roman „Irrungen, Wirrungen“ (1888) heißt es dazu, die Liebe mache blind, „aber sie macht auch hell und fernsichtig“.
Woher kommt „Liebe macht blind“?
Der Gedanke ist antik. Platon schreibt in den „Nomoi“ (731e), der Liebende sei blind gegenüber dem Geliebten und urteile deshalb schlecht über das Gerechte, Gute und Schöne. Er meint dort allerdings die übermäßige Liebe zu sich selbst. Im Englischen lässt Shakespeare im „Kaufmann von Venedig“ die verkleidete Jessica sagen: „But love is blind, and lovers cannot see“.
Im Deutschen ist das Sprichwort fest verankert. Wander verzeichnet „Liebe macht blind“ schon im ersten Band seines „Deutschen Sprichwörter-Lexikons“ (1867), im dritten Band (1873) auch die spöttische Fortsetzung „Liebe macht blind, aber die Ehe gibt das Gesicht wieder“. Gemeint ist: Spätestens im Alltag der Ehe sieht man den anderen wieder so, wie er ist. „Gesicht“ steht hier in der alten Bedeutung für das Sehvermögen.
Quellen
- OWID Sprichwörterbuch: Liebe macht blind
- Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Bd. 3 (1873), Stichwort ‚Liebe‘
- Platon: Nomoi 731e
- William Shakespeare: Der Kaufmann von Venedig, II,6
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Jasmin leiht ihrem Freund schon wieder 300 Euro, obwohl er die letzten nie zurückgezahlt hat. Ihre Mitbewohnerin seufzt: „Liebe macht blind.“
„Der neue Trainer ist ein Genie!“, schwärmt Tobias nach der dritten Niederlage in Folge. Sein Vater grinst: „Liebe macht blind, mein Sohn.“
Frau Arslan findet, ihr Dackel sei das gehorsamste Tier der Welt, während er gerade die Gartenhose zerfetzt. „Liebe macht blind“, murmelt der Nachbar über den Zaun.
Lustige Abwandlungen
Liebe macht blind, aber die Ehe gibt das Gesicht wieder
Spöttische Fortsetzung, schon bei Wander 1873 verzeichnet.
Häufige Fragen
Wer hat „Liebe macht blind“ gesagt?
Ein einzelner Urheber ist nicht bekannt. Der Gedanke findet sich schon bei Platon, im Englischen bei Shakespeare, und im Deutschen ist das Sprichwort spätestens im 19. Jahrhundert fest belegt.
Wie geht „Liebe macht blind“ weiter?
Eine alte scherzhafte Fortsetzung lautet „aber die Ehe gibt das Gesicht wieder“. Wander verzeichnete sie 1873; „Gesicht“ meint hier das Sehvermögen.
Wie sagt man „Liebe macht blind“ auf Englisch?
Auf Englisch heißt es „Love is blind“. Die Wendung ist dort genauso geläufig und steht unter anderem in Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“.
Kurzer Test
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