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Aus der Haut fahren

Kurz gesagt

Die Beherrschung verlieren und plötzlich sehr wütend, ungeduldig oder aufgebracht werden.

Auf Englisch
To fly off the handle
To hit the roof
Auch gesagt
Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren
Aus der Haut springen

Was bedeutet „Aus der Haut fahren“?

„Aus der Haut fahren“ heißt: die Fassung verlieren und vor Wut oder Ungeduld explodieren. Man sagt es von der Mutter, die zum zehnten Mal ans Zähneputzen erinnert, vom Autofahrer im Stau oder vom Trainer, der an der Seitenlinie nach einer Fehlentscheidung tobt. Oft steht die Wendung mit „könnte“ oder „möchte“: „Ich könnte aus der Haut fahren“ beschreibt den Drang, nicht den tatsächlichen Ausbruch. Ebenso häufig ist „Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren“ für eine Lage, die einen zur Verzweiflung bringt. Das DWDS umschreibt die Wendung mit „ungeduldig, zornig werden“ und ordnet sie der Umgangssprache zu.

Heute ist fast immer Ärger gemeint. Früher konnte man auch vor Freude, Angst oder Staunen aus der Haut fahren, diese Lesarten sind veraltet. Nicht verwechseln sollte man die Wendung mit „nicht aus seiner Haut können“: Das bedeutet, seine Art oder seinen Standpunkt nicht ändern zu können. Auch das englische „to jump out of one’s skin“ ist ein falscher Freund, es beschreibt einen Schreck und keinen Wutausbruch.

Woher kommt „Aus der Haut fahren“?

Das Bild stellt die Haut als Hülle vor, in der der Mensch steckt. Wer außer sich gerät, fährt gleichsam aus dieser Hülle heraus. Grimms Wörterbuch erklärt: Wer aus der Haut fährt, „ist nicht mehr bei sich“, zunächst vor Verzweiflung, Schmerz und Wut. Im 16. Jahrhundert ist die Wendung gut belegt. Luther schreibt von einem Menschen, der bei einem Fieber, das über drei Tage dauert, schon „aus der haut faren“ will. Wander nennt Belege bei Johannes Mathesius und Jakob Ayrer, bei dem die Leute „vor grossem vnerhörten wunder“ aus der Haut fahren, also vor Staunen.

Grimms Belege aus dem 17. bis 19. Jahrhundert zeigen, dass man ebenso vor Freude, Eifersucht oder Furcht aus der Haut fahren konnte. Lessing nahm das Bild schon wörtlich: Auf „ich möchte aus der haut fahren“ antwortet bei ihm eine Figur „thun sie das, und fahren sie in eine klügere“. Heute ist von diesen Lesarten vor allem Zorn und Ungeduld geblieben.

Beispiele aus dem Alltag

  • Zum fünften Mal stürzt der Laptop mitten in der Präsentation ab. Herr Nowak atmet tief durch, um vor den Kunden nicht aus der Haut zu fahren.

  • „Wenn du noch einmal ‚Warum?‘ fragst, fahre ich aus der Haut“, sagt Jana lachend zu ihrer vierjährigen Tochter.

  • Das Bürgeramt verlangt zum dritten Mal dieselben Unterlagen. „Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren“, schimpft Emre am Telefon.

Lustige Abwandlungen

  • ’S ist zum aus der Haut fahren, sagte der Bauer, als er sterben wollte, und schickte nach dem Pastor.

    Sagwort, von Wander verzeichnet.

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Häufige Fragen

Woher kommt „aus der Haut fahren“?

„Aus der Haut fahren“ stellt die Haut als Hülle vor, aus der man herausfährt, wenn man außer sich gerät. Die Wendung ist seit dem 16. Jahrhundert belegt, unter anderem bei Luther, und konnte früher auch Freude oder Staunen ausdrücken.

Was ist der Unterschied zwischen „aus der Haut fahren“ und „nicht aus seiner Haut können“?

Wer aus der Haut fährt, verliert vor Wut die Beherrschung. Wer nicht aus seiner Haut kann, kann seine Art oder seine Haltung nicht ändern, auch wenn er es vielleicht möchte.

Wie sagt man „aus der Haut fahren“ auf Englisch?

Passende Entsprechungen sind „to fly off the handle“ und „to hit the roof“. Das wörtlich ähnliche „to jump out of one’s skin“ bedeutet dagegen, sich heftig zu erschrecken.

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