Die Nase voll haben
Kurz gesagt
Von etwas oder jemandem endgültig genug haben und nichts mehr davon wissen wollen.
- Auf Englisch
- To be fed up
- To have had enough
- To be sick and tired of something
- Auch gesagt
- Die Nase gestrichen voll haben
Was bedeutet „Die Nase voll haben“?
Wer die Nase voll hat, ist einer Sache oder eines Menschen gründlich überdrüssig und will nichts mehr davon wissen. Man sagt es über Dauerbaustellen, ständige Werbeanrufe, einen nörgelnden Kollegen oder die eigene Diät: „Ich hab die Nase voll von dem Theater.“ Die Wendung ist salopp und klingt genervt, oft kurz vor einer Entscheidung. Wer die Nase voll hat, kündigt, zieht um oder sagt endlich Nein.
Verstärkt heißt es „die Nase gestrichen voll haben“, also bis zum Rand. Gleichbedeutend, aber derber sind „die Schnauze voll haben“ und „den Kanal voll haben“. Im Beruf oder gegenüber Fremden wirkt die Wendung schnell schroff, weil sie Ärger offen zeigt. Zeitungen benutzen sie gern für gemeinsamen Unmut, etwa wenn Anwohner, Wähler oder Fans „die Nase voll“ haben. Wer sie über sich selbst sagt, kündigt meist an, dass seine Geduld am Ende ist.
Woher kommt „Die Nase voll haben“?
Woher das Bild genau kommt, ist nicht geklärt. Lutz Röhrich verzeichnet „die Nase voll davon haben: nichts mehr davon wissen wollen“ und stellt daneben „verschnupft sein“, das ebenfalls Verärgerung über eine Kränkung ausdrückt. Der Gedanke liegt nahe: Eine volle, verstopfte Nase ist lästig, man bekommt schlecht Luft. Röhrich ergänzt den medizinischen Hinweis, dass die Nasenmuscheln in seelischen Stresslagen tatsächlich anschwellen und das Atmen schwerer fällt. Einen frühen Beleg, der den Ursprung erklärt, nennen die Wörterbücher nicht.
Scherzhaft halbfranzösisch sagte man auch „die Nase plein haben“. Im Französischen selbst lautet die Wendung anders, „en avoir plein le dos“, wörtlich den Rücken voll haben. Im Zeitungsdeutsch ist „die Nase voll“ spätestens um 1950 fest. Das DWDS zitiert etwa die Berliner Zeitung von 1951: „Das deutsche Volk hat die Nase voll vom Kriege.“
Quellen
- DWDS: die Nase voll haben
- Duden: Nase
- Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Zum dritten Mal in dieser Woche fällt der Zug aus. „Ich hab die Nase voll“, schimpft Selin am Bahnsteig, „ab Montag fahr ich Rad.“
Nach dem fünften Streit über den Abwasch reicht es Tobias. „Ich habe die Nase gestrichen voll von euren Ausreden“, sagt er zu seinen Mitbewohnern und hängt einen Putzplan an den Kühlschrank.
Die Anwohner der Lindenstraße haben die Nase voll vom Durchgangsverkehr und sammeln Unterschriften für eine Spielstraße.
Häufige Fragen
Ist „die Nase voll haben“ unhöflich?
Die Wendung ist salopp, aber nicht vulgär. Im Freundeskreis ist sie üblich, im Beruf oder gegenüber Fremden wirkt sie schnell schroff, weil sie Ärger offen ausspricht. Deutlich derber ist „die Schnauze voll haben“.
Was bedeutet „gestrichen“ in „die Nase gestrichen voll haben“?
„Gestrichen voll“ heißt bis zum Rand gefüllt, so wie ein gestrichener Löffel. Die Verstärkung sagt also: Mehr geht wirklich nicht.
Wie sagt man „die Nase voll haben“ auf Englisch?
Üblich sind „to be fed up (with something)“, „to have had enough“ und „to be sick and tired of something“.
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