Jemandem einen Bären aufbinden
Kurz gesagt
Jemandem eine erfundene Geschichte so überzeugend erzählen, dass er sie glaubt.
- Auf Englisch
- To pull someone’s leg
- To spin someone a yarn
- Auch gesagt
- Jemandem einen Bären anbinden
- Gegenteil
- Jemandem reinen Wein einschenken
Was bedeutet „Jemandem einen Bären aufbinden“?
Wer jemandem einen Bären aufbindet, erzählt ihm etwas Unwahres und bringt ihn dazu, es zu glauben. Meist geht es um harmlose Flunkereien, Aufschneiderei oder einen Scherz auf Kosten eines Leichtgläubigen: der große Bruder, der der Kleinen erzählt, Spaghetti wüchsen auf Bäumen, oder der Kollege, der dem Praktikanten weismacht, der Kopierer müsse jeden Abend entkalkt werden. Duden beschreibt die Wendung als umgangssprachlich. Sie klingt eher schelmisch als böse.
Für ernsthafte Täuschungen mit Schaden, etwa Betrug, wirkt sie zu verharmlosend. Häufig steht sie in der abwehrenden Frage „Willst du mir einen Bären aufbinden?“ oder in der Feststellung „Da hat dir jemand einen Bären aufgebunden“. Damit sagt man, dass man eine Behauptung für erfunden hält. Ähnlich, aber noch spielerischer ist „jemanden auf den Arm nehmen“, das jede Art von Neckerei meinen kann. An das Tier denkt beim Sprechen kaum jemand, für die Bedeutung spielt es keine Rolle mehr.
Woher kommt „Jemandem einen Bären aufbinden“?
Woher der Bär kommt, ist nicht geklärt. Grimms Wörterbuch nennt die älteren Bärenredensarten „verdunkelt“ und „wahrscheinlich uralt“. Früher sagte man meist „einem einen Bären anbinden“. In Grimmelshausens „Simplicissimus“ (1668) bemerkt der Erzähler, er hätte, wenn er nur aufschneiden wollte, „seltzame bären anbinden können“, und bei Wieland heißt es „wer dir wol den bären angebunden haben mag?“. Daneben gab es „einen Bären anbinden“ im Sinne von Schulden machen.
Erklärungen gibt es mehrere, sicher ist keine. Duden vermutet, die Wendung spiele auf etwas praktisch Unmögliches an: Niemandem lässt sich unbemerkt ein Bär auf den Rücken schnallen. Andere führen „Bär“ auf ein altes Wort für „Last“ zurück, das man später als Tiernamen missverstanden habe. Auch Anekdoten von Jägern, die einem Wirt einen lebenden Bären als Pfand dagelassen hätten, werden erzählt. Belege für diese Geschichten gibt es nicht.
Beispiele aus dem Alltag
Am ersten Arbeitstag erzählt der Kollege dem Praktikanten, er müsse jeden Abend den Kopierer entkalken. Erst nach einer Woche merkt Jonas, dass man ihm einen Bären aufgebunden hat.
„Mein Onkel war mal Stuntman in einem James-Bond-Film“, behauptet Kemal auf dem Schulhof. Lisa lacht: „Willst du mir einen Bären aufbinden?“
Oma erzählt den Enkeln, im Teich hinter dem Haus lebe ein Krokodil. Beim Frühstück gesteht sie: „Ich hab euch einen Bären aufgebunden. Da wohnen nur Frösche.“
Häufige Fragen
Warum heißt es „einen Bären aufbinden“?
Das ist nicht sicher geklärt. Duden vermutet, die Wendung spiele auf etwas Unmögliches an, denn niemandem lässt sich unbemerkt ein Bär auf den Rücken binden. Deutungen über ein altes Wort für „Last“ oder über Jägeranekdoten sind nicht belegt.
Wie sagt man „jemandem einen Bären aufbinden“ auf Englisch?
Am nächsten kommt „to pull someone’s leg“. Für eine ausgedachte, abenteuerliche Geschichte sagt man auch „to spin someone a yarn“.
Was ist der Unterschied zu „jemanden auf den Arm nehmen“?
Wer jemandem einen Bären aufbindet, erzählt eine erfundene Geschichte, die der andere glauben soll. „Jemanden auf den Arm nehmen“ ist weiter gefasst und meint jede Art, jemanden scherzhaft zu foppen.
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