Jemandem einen Bärendienst erweisen
Kurz gesagt
Jemandem in guter Absicht helfen wollen und ihm damit schaden.
- Auf Englisch
- To do someone a disservice
- To do more harm than good
- Auch gesagt
- Jemandem einen Bärendienst leisten
Was bedeutet „Jemandem einen Bärendienst erweisen“?
„Jemandem einen Bärendienst erweisen“ heißt: jemandem in guter Absicht helfen wollen und ihm damit schaden. Duden umschreibt es mit „in guter Absicht etwas tun, was einem anderen, zu dessen Nutzen es gedacht war, schadet“. Typisch sind Eltern, die dem Kind jede Hausaufgabe abnehmen, bis es in der Klassenarbeit allein dasteht, der Kollege, der so übereifrig für ein Projekt wirbt, dass die Skeptiker erst recht dagegen stimmen, oder Fans, die ihren Star im Netz so aggressiv verteidigen, dass sein Ruf leidet. Statt „erweisen“ sagt man auch „leisten“, und oft trifft der Schaden eine Sache: „Damit erweist ihr eurem Anliegen einen Bärendienst.“
Die Wendung ist stilistisch neutral und in Kommentaren und Debatten sehr verbreitet; im DWDS stehen „Anliegen“, „Klima“ und „Klimaschutz“ unter den typischen Begleitern. Entscheidend ist die gute Absicht: Wer jemandem bewusst schadet, erweist ihm keinen Bärendienst. Wer das Wort als „großen Gefallen“ versteht, weil er an Bärenkräfte denkt, liegt falsch. Ein Bärendienst ist immer ein schlechter Dienst.
Woher kommt „Jemandem einen Bärendienst erweisen“?
„Bärendienst“ ist nach Kluges Etymologischem Wörterbuch seit dem 19. Jahrhundert belegt. Duden führt das Wort „vielleicht“ auf die Fabel „Der Bär und der Gartenliebhaber“ von Jean de La Fontaine zurück, die 1678 erschien (Buch VIII, Fabel 10). Darin freundet sich ein einsamer Bär mit einem alten Gartenfreund an und verscheucht ihm beim Schlafen die Fliegen. Als sich eine Fliege immer wieder auf die Nase des Schlafenden setzt, wirft der Bär einen Pflasterstein nach ihr, zerquetscht die Fliege und zerschmettert dabei dem Freund den Schädel. La Fontaine schließt mit der Moral: „Rien n’est si dangereux qu’un ignorant ami; / Mieux vaudrait un sage ennemi.“ Nichts ist so gefährlich wie ein unwissender Freund, besser wäre ein kluger Feind.
Dass die deutsche Wendung auf diese Fabel zurückgeht, ist wahrscheinlich, aber nicht bewiesen; Duden und die Wikipedia formulieren vorsichtig. Dasselbe Bild kennen auch andere Sprachen, etwa das schwedische „björntjänst“, das finnische „karhunpalvelus“ und das polnische „niedźwiedzia przysługa“.
Beispiele aus dem Alltag
Jonas’ Eltern haben ihm jahrelang jede Matheaufgabe vorgerechnet. „Damit habt ihr ihm einen Bärendienst erwiesen“, sagt die Nachhilfelehrerin, als er in der Klausur allein nicht weiterkommt.
Unter einem Video beschimpfen Fans die Kritiker ihres Lieblingsrappers. Jemand schreibt darunter: „Ihr erweist ihm einen Bärendienst, jetzt redet jeder nur noch über euch.“
Die Gemeinde will über Nacht alle Parkplätze vor den Läden streichen. „Mit dieser Hauruckaktion leistet ihr dem Klimaschutz einen Bärendienst“, warnt Frau Albers im Stadtrat.
Häufige Fragen
Woher kommt der Begriff „Bärendienst“?
„Bärendienst“ geht vermutlich auf La Fontaines Fabel „Der Bär und der Gartenliebhaber“ (1678) zurück: Ein Bär will seinem schlafenden Freund eine Fliege von der Nase vertreiben und erschlägt ihn dabei mit einem Stein. Im Deutschen ist das Wort seit dem 19. Jahrhundert belegt.
Ist ein Bärendienst etwas Gutes?
Nein. Ein Bärendienst ist ein gut gemeinter Dienst, der dem anderen schadet. Wer „jemandem einen Bärendienst erweisen“ im Sinn von „einen großen Gefallen tun“ gebraucht, verwendet die Wendung falsch.
Heißt es „einen Bärendienst erweisen“ oder „leisten“?
Beides ist korrekt. Duden und DWDS nennen „jemandem einen Bärendienst erweisen“ und „jemandem einen Bärendienst leisten“ nebeneinander, die Bedeutung ist dieselbe.
Wie sagt man „jemandem einen Bärendienst erweisen“ auf Englisch?
Die übliche Entsprechung ist „to do someone a disservice“. Wenn eine gut gemeinte Hilfe mehr schadet als nützt, sagt man auch „to do more harm than good“.
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