Das Kind mit dem Bade ausschütten
Kurz gesagt
Mit dem Schlechten zugleich das Gute beseitigen, weil man zu radikal oder übereilt vorgeht.
- Auf Englisch
- To throw the baby out with the bathwater
- Auch gesagt
- Das Kind mit dem Bad ausschütten
Was bedeutet „Das Kind mit dem Bade ausschütten“?
Wer das Kind mit dem Bade ausschüttet, wirft beim Beseitigen eines Missstands das Gute gleich mit weg. Eine Schule streicht alle Klassenfahrten, weil eine aus dem Ruder lief; eine Firma schafft das Homeoffice ab, weil zwei Leute es ausgenutzt haben. Die Wendung ist ein Vorwurf, aber ein sachlicher: Man hält das Ziel für richtig und die Maßnahme für überzogen. Beliebt ist sie in Politik, Leitartikeln, Vereinssitzungen und Diskussionen über Reformen.
Meist steht sie als Warnung in verneinter Form: „Wir sollten das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.“ Dahinter steht die Bitte, genauer hinzusehen und nur das zu ändern, was wirklich schlecht ist. Mit dem „Bad“ ist das Badewasser gemeint, nicht der Raum. Die Form „mit dem Bade“ bewahrt die alte Dativendung; daneben ist „mit dem Bad“ gebräuchlich. Wer die Wendung benutzt, gesteht dem Gegenüber meist zu, dass es tatsächlich etwas zu ändern gibt.
Woher kommt „Das Kind mit dem Bade ausschütten“?
Das Bild stammt aus einer Zeit, in der man kleine Kinder im Zuber badete und das Wasser danach ausgoss. Wer achtlos kippt, schüttet das Kind mit hinaus. Der früheste bekannte Beleg ist Thomas Murners „Narrenbeschwörung“ von 1512; ein Holzschnitt darin zeigt eine Frau, die ein Kind mit dem Badewasser ausgießt. Wander führt zahlreiche Belege aus dem 16. Jahrhundert an, unter anderem bei Sebastian Franck. Luthers Schüler Johannes Mathesius dreht es ins Positive: „das bad soll man ausgieszen, das kind behalten.“
Goethe gebraucht die Wendung ausdrücklich als Sprichwort. Ins Englische gelangte sie über Thomas Carlyle, der 1849 schrieb: „The Germans say, ‚you must empty-out the bathing-tub, but not the baby along with it‘.“ Daraus wurde das englische „to throw the baby out with the bathwater“.
Beispiele aus dem Alltag
Nach einem Datenleck will der Geschäftsführer alle Cloud-Dienste verbieten. IT-Leiterin Sandra widerspricht: „Damit schütten wir das Kind mit dem Bade aus. Wir brauchen bessere Passwörter, nicht weniger Werkzeuge.“
Weil beim letzten Sommerfest zu viel getrunken wurde, schlägt jemand vor, das Fest ganz zu streichen. „Lasst uns nicht das Kind mit dem Bade ausschütten“, sagt Kassenwart Uwe. „Ein früheres Ende reicht.“
Nach einer verpatzten Mathearbeit will Finn sein ganzes Lernsystem über Bord werfen. Seine Mutter bremst ihn: „Schütt nicht das Kind mit dem Bade aus. Die Karteikarten haben doch funktioniert.“
Häufige Fragen
Heißt es „mit dem Bade“ oder „mit dem Bad“?
Beides ist richtig. „Mit dem Bade“ ist die ältere Form mit Dativ-e, die sich in der Redewendung gehalten hat; das DWDS nennt „mit dem Bad“ als Nebenform.
Was ist mit dem Bad gemeint?
Das Badewasser im Zuber, in dem früher kleine Kinder gewaschen wurden. Wer es unachtsam ausgießt, schüttet das Kind gleich mit aus.
Wie sagt man „das Kind mit dem Bade ausschütten“ auf Englisch?
„To throw the baby out with the bathwater“. Die englische Wendung ist dem Deutschen entlehnt: Thomas Carlyle führte sie 1849 ausdrücklich als deutsches Sprichwort ein.
Kurzer Test
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