Das Kind beim Namen nennen
Kurz gesagt
Eine Sache offen und unverblümt aussprechen, statt sie zu beschönigen oder drum herumzureden.
- Auf Englisch
- To call a spade a spade
- Auch gesagt
- Das Kind beim rechten Namen nennen
Was bedeutet „Das Kind beim Namen nennen“?
Wer das Kind beim Namen nennt, spricht eine Sache klar und unverblümt aus, auch wenn sie unangenehm ist. Statt von „Optimierungspotenzial“ zu reden, sagt er „Fehler“, statt „Personalanpassung“ sagt er „Entlassungen“. Die Wendung ist umgangssprachlich, aber auch in Reden, Kommentaren und Leitartikeln üblich, oft als Ankündigung: „Nennen wir das Kind beim Namen.“
Sie hat einen positiven Klang: Wer das Kind beim Namen nennt, gilt als ehrlich und mutig, nicht als grob. Darin unterscheidet sie sich etwas von „kein Blatt vor den Mund nehmen“, das auch für taktlose Offenheit stehen kann. Der Duden verzeichnet ebenso die Form „das Kind beim rechten Namen nennen“. Mit Kindern hat die Wendung nichts zu tun, „Kind“ steht hier für die Sache, um die es geht. Wer eine Sache dagegen absichtlich verschleiert, redet um den heißen Brei herum.
Woher kommt „Das Kind beim Namen nennen“?
Das Bild ist einfach: Ein Kind bekommt einen Namen, und wer es beim richtigen Namen ruft, spricht es direkt an, ohne Umschreibung. Laut Wiktionary ist die übertragene Bedeutung schon frühneuhochdeutsch. Wander verzeichnet 1870 „Er nennt das Kind beim rechten Namen“ mit der niederländischen Parallele „Hij noemt het kind bij den regten naam“ und dazu die Mahnung „Man soll das Kind beim rechten Namen rufen“.
Bekannt ist die Wendung auch aus Goethes „Faust“ von 1808. In der Szene „Nacht“ fragt Faust seinen Famulus Wagner: „Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?“ Er meint damit, wie gefährlich es sei, die Wahrheit offen auszusprechen, denn wer es tat, sei „gekreuzigt und verbrannt“ worden. Erfunden hat Goethe die Redensart nicht, er griff eine geläufige Wendung auf.
Beispiele aus dem Alltag
In der Betriebsversammlung redet der Geschäftsführer lange von „Herausforderungen“. Dann steht die Betriebsrätin auf: „Nennen wir das Kind beim Namen: Es geht um 200 Stellen.“
„Das ist kein Missverständnis, das ist eine Lüge“, sagt Carla zu ihrem Bruder. „Irgendwer muss das Kind ja mal beim Namen nennen.“
Der Kommentar in der Lokalzeitung nennt das Kind beim Namen: Die neue Umgehungsstraße ist ein teurer Fehler.
Häufige Fragen
Was ist mit dem Kind gemeint?
Mit dem Kind ist die Sache gemeint, um die es geht. Wer sie beim Namen nennt, bezeichnet sie mit dem richtigen, ungeschönten Wort.
Stammt „das Kind beim Namen nennen“ von Goethe?
Goethe verwendet „das Kind beim rechten Namen nennen“ 1808 im „Faust“, die Wendung war aber schon vorher geläufig. Wiktionary führt sie bis ins Frühneuhochdeutsche zurück.
Wie sagt man „das Kind beim Namen nennen“ auf Englisch?
„To call a spade a spade“, also einen Spaten einen Spaten nennen. Gemeint ist ebenfalls, eine Sache ohne Beschönigung auszusprechen.
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