Jemanden an der Nase herumführen
Kurz gesagt
Jemanden täuschen, hinhalten oder mit falschen Versprechungen in die Irre führen.
- Auf Englisch
- To lead someone up the garden path
- To string someone along
- Auch gesagt
- Sich an der Nase herumführen lassen
- Jemanden bei der Nase herumführen
- Gegenteil
- Jemandem reinen Wein einschenken
Was bedeutet „Jemanden an der Nase herumführen“?
Wer jemanden an der Nase herumführt, täuscht ihn, macht ihm falsche Hoffnungen oder hält ihn mit Ausreden hin. Der Getäuschte merkt es oft lange nicht und lässt sich führen, wohin der andere will. Typisch sind der Handwerker, der wochenlang „nächste Woche“ verspricht, der Verkäufer mit erfundenen Rabatten oder die Firma, die Kundinnen von Hotline zu Hotline schickt. Die Wendung ist umgangssprachlich und deutlich vorwurfsvoll.
Sie unterscheidet sich von harmlosem Necken. „Jemanden auf den Arm nehmen“ kann ein Scherz unter Freunden sein, wer dagegen an der Nase herumgeführt wird, ist meist ernsthaft hereingelegt und fühlt sich gedemütigt. In der Form „sich nicht an der Nase herumführen lassen“ ist sie eine Warnung, etwa an einen Geschäftspartner. Goethes Faust benutzt die Wendung selbstkritisch: Er führe seine Schüler seit Jahren an der Nase herum, weil er selbst nichts wisse.
Woher kommt „Jemanden an der Nase herumführen“?
Das Bild stammt aus der Tierhaltung. Bullen, Büffeln und Tanzbären zog man einen Ring durch die Nase. An der empfindlichen Stelle gefasst, ließen sich selbst kräftige Tiere ohne Widerstand führen. Der Duden erklärt die Wendung so, und schon Wander schreibt 1873 zu „sich bei der Nase herumführen lassen“, der Ausdruck komme „von dem Gebrauch, einen Ring durch die Nasenlöcher der Büffel zu ziehen um sie zu zähmen und zu führen“.
Im 16. Jahrhundert ist die Redensart bereits geläufig. Wander zitiert den Fabeldichter Burkard Waldis mit „mich lenger bei der nasen führen“, also mich länger hinhalten. Goethe lässt Faust 1808 im Eingangsmonolog der Szene „Nacht“ klagen, er ziehe „schon an die zehen Jahr' / Herauf, herab und quer und krumm / Meine Schüler an der Nase herum“.
Beispiele aus dem Alltag
Seit drei Wochen verspricht der Fliesenleger, „morgen ganz sicher“ zu kommen. „Der führt uns an der Nase herum“, schimpft Selin und sucht eine neue Firma.
Der Escape-Room-Betreiber hat absichtlich falsche Hinweise versteckt. „Die haben uns schön an der Nase herumgeführt“, lacht Moritz nach dem Spiel.
„Lass dich von dem Typen nicht an der Nase herumführen“, schreibt Aylin ihrer Schwester, als der Neue schon wieder ein Treffen absagt.
Häufige Fragen
Was hat die Nase mit Täuschen zu tun?
Tiere wie Stiere oder Tanzbären führte man an einem Nasenring, an dem sie willenlos folgten. Wer an der Nase herumgeführt wird, folgt also wie ein solches Tier, ohne zu merken, wohin es geht.
Ist „jemanden an der Nase herumführen“ dasselbe wie „jemanden auf den Arm nehmen“?
Nicht ganz. „Jemanden auf den Arm nehmen“ ist oft ein harmloser Scherz, „jemanden an der Nase herumführen“ meint eine ernsthafte Täuschung oder ein dauerndes Hinhalten.
Heißt „to lead someone by the nose“ dasselbe?
Nur teilweise. Das englische „to lead someone by the nose“ bedeutet, jemanden völlig zu beherrschen. Für Täuschen sagt man eher „to lead someone up the garden path“.
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