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Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf

Kurz gesagt

Menschen sind einander oft die größte Gefahr, besonders wo Vertrauen, Regeln oder ein schützender Staat fehlen.

Auf Englisch
Man is a wolf to man
Auch gesagt
Homo homini lupus
Ein Mensch ist des andern Wolf

Was bedeutet „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“?

„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ heißt: Menschen können einander schlimmer schaden als jedes Raubtier, besonders wenn keine Regeln, kein Vertrauen und keine Gemeinschaft sie bremsen. Der Satz ist eine düstere Feststellung über die menschliche Natur. Man zitiert ihn, wenn von Krieg, Betrug, Mobbing oder rücksichtsloser Konkurrenz die Rede ist, etwa bei Berichten über Plünderungen nach einer Katastrophe, über Hetze im Netz oder über eine Firma, in der jeder jeden ausbootet. Häufig fällt auch die lateinische Form „Homo homini lupus“.

Der Ton ist ernst, oft bitter oder resigniert, in Philosophie und Politik auch nüchtern analytisch. Ein verbreitetes Missverständnis ist, der Satz erkläre den Menschen schlechthin für böse. Bei Plautus wie bei Hobbes steht er in einem Zusammenhang, der ihn einschränkt: Gefährlich ist der Mensch dem Fremden, den er nicht kennt, und dort, wo kein Staat für Frieden sorgt. Wer den Satz als Rechtfertigung für eigene Rücksichtslosigkeit benutzt, verkehrt ihn ins Gegenteil, denn ursprünglich ist er eine Warnung.

Woher kommt „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“?

Der Satz geht auf den römischen Komödiendichter Plautus (um 254–184 v. Chr.) zurück. In seiner „Asinaria“ („Eselskomödie“) soll ein Kaufmann Geld einem Sklaven übergeben, der sich als Verwalter ausgibt. Er weigert sich, Vers 495: „lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit“, ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, solange er nicht weiß, wie der andere ist. Bei Plautus ist das eine Regel gesunden Misstrauens gegenüber Fremden, kein Urteil über die Menschheit.

Berühmt machte ihn der englische Philosoph Thomas Hobbes. In der Widmung seiner Schrift „De cive“ (1642) schreibt er, beides sei wahr gesagt: „Homo homini Deus, & Homo homini Lupus“, der Mensch ist dem Menschen ein Gott und ein Wolf. Das Erste gelte für Mitbürger untereinander, das Zweite für das Verhältnis der Staaten. Im Deutschen ist der Gedanke früh als Sprichwort belegt: Sebastian Franck verzeichnet 1541 „Ein Mensch ist des andern wolff, Teuffel oder hagel worden“, wobei „Hagel“ für Unheil steht. Wander führt außerdem „Kein Wolf frisst den andern, aber ein Mensch ist des andern Wolf“.

Beispiele aus dem Alltag

  • In den Nachrichten wird über Plünderungen nach dem Hochwasser berichtet. Jonas schaltet den Fernseher aus und murmelt: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“

  • Im Philosophiekurs liest Herr Brandt aus Hobbes vor: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Und deshalb, meint Hobbes, brauchen wir einen Staat, der Frieden erzwingt.“

  • Seit der Umstrukturierung schwärzt in Aylins Abteilung jeder jeden beim Chef an. In der Mittagspause seufzt sie: „Homo homini lupus. Hier gilt das jeden Tag.“

Häufige Fragen

Von wem stammt „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“?

Der Gedanke stammt von Plautus. In seiner Komödie „Asinaria“, Vers 495, heißt es „lupus est homo homini“, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, solange er den anderen nicht kennt. Berühmt wurde „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ durch Thomas Hobbes, der die Formel 1642 aufgriff.

Hat Thomas Hobbes „Homo homini lupus“ erfunden?

Nein. Hobbes zitierte in „De cive“ ein älteres Wort und stellte ihm „Homo homini Deus“ gegenüber, der Mensch ist dem Menschen ein Gott. Von Hobbes stammt dagegen die verwandte Formel vom „Krieg aller gegen alle“ („bellum omnium contra omnes“).

Wie heißt „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ auf Latein?

Die übliche lateinische Form ist „Homo homini lupus“. Bei Plautus steht der Wolf vorn: „lupus est homo homini“, mit dem einschränkenden Zusatz, das gelte, solange man den anderen nicht kennt.

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