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Jeder ist sich selbst der Nächste

Kurz gesagt

Im Zweifel denkt jeder zuerst an sich und seine eigenen Interessen, vor allem wenn es knapp wird oder Gefahr droht.

Auf Englisch
Every man for himself
Charity begins at home
Auch gesagt
Ich bin mir selbst der Nächste

Was bedeutet „Jeder ist sich selbst der Nächste“?

„Jeder ist sich selbst der Nächste“ heißt: Im Zweifel denkt jeder zuerst an sich. Das DWDS ergänzt, dass Menschen gerade dann selbstsüchtig handeln, wenn sie selbst in Not geraten. Man sagt den Satz über Hamsterkäufe vor einer angekündigten Krise, über Kollegen, die bei drohendem Stellenabbau nur die eigene Haut retten, über Staaten, die in schlechten Zeiten ihre Märkte abschotten, oder über den Mitbewohner, der die letzte Packung Nudeln in seinem Zimmer bunkert.

Der Ton ist nüchtern bis bitter. Meist stellt man damit fest, wie andere sich verhalten. Wer das eigene Verhalten so rechtfertigt, klingt schnell zynisch. „Der Nächste“ ist das alte, heute gehobene Wort für den Mitmenschen, bekannt aus dem Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Vor diesem Hintergrund hat der Spruch eine Spitze: Der Nächste, an den man zuerst denkt, ist man selbst. Wer widersprechen will, dreht ihn um. So sagte ein Redner im Bundestag 2016, nicht jeder sei sich selbst der Nächste, Zusammenhalt und Solidarität seien das Höchste.

Woher kommt „Jeder ist sich selbst der Nächste“?

Den Gedanken formuliert schon der römische Komödiendichter Terenz. In seiner „Andria“ (166 v. Chr.) klagt Charinus über Leute, die ein Versprechen brechen, sobald sie es einlösen sollen, und dann unverschämt sagen: „Wer bist du? Was bist du mir? … Ich bin mir selbst der Nächste“, lateinisch „proxumus sum egomet mihi“ (Vers 636). Ob das deutsche Sprichwort von dieser Stelle abstammt, ist nicht belegt. Der Gedanke ist in vielen Sprachen verbreitet.

Im Deutschen ist das Sprichwort gut belegt. Wander verzeichnet „Jeder ist sich selbst der Nächste“ 1873 unter ‚Nächster‘ mit zahlreichen Sammlungen, darunter Simrock (1846), dazu waldeckisch „Jeder is sick selwer de Nöcheste“. Er verweist außerdem auf eine Jenaer Schrift von 1717, die das lateinische Wort und die deutsche Ich-Form nebeneinanderstellt: „Proximus sum egomet mihi. Vulgo: Ich bin mir selbst der Nächste.“ Das Wort „Nächster“ bezeichnete nach dem Grimmschen Wörterbuch zuerst den Nachbarn und erst dann, im biblischen Sinn, den Mitmenschen.

Beispiele aus dem Alltag

  • Vor dem angekündigten Sturm sind im Supermarkt die Wasserflaschen ausverkauft, ein Mann schiebt drei volle Paletten zur Kasse. Die Kassiererin seufzt: „Jeder ist sich selbst der Nächste.“

  • Als in der Firma Stellen gestrichen werden, bewirbt sich Jan heimlich auf die einzige freie Stelle in einer anderen Abteilung. „Na ja“, sagt Svenja in der Kaffeeküche, „jeder ist sich selbst der Nächste.“

  • Beim Gruppenprojekt hat jeder nur seinen eigenen Teil hochgeladen, die Zusammenfassung schreibt niemand. Paul tippt in den Chat: „Super, jeder ist sich selbst der Nächste, oder was?“

Häufige Fragen

Woher kommt „Jeder ist sich selbst der Nächste“?

Der Gedanke findet sich schon beim römischen Dichter Terenz: In der Komödie „Andria“ heißt es „proxumus sum egomet mihi“, ich bin mir selbst der Nächste. Im Deutschen verzeichnen viele Sammlungen „Jeder ist sich selbst der Nächste“, Wander 1873 unter ‚Nächster‘. Dass das Sprichwort direkt auf Terenz zurückgeht, ist nicht belegt.

Wer ist mit „der Nächste“ gemeint?

„Der Nächste“ ist ein altes, heute gehobenes Wort für den Mitmenschen, bekannt aus „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Ursprünglich bezeichnete es den Nachbarn. In „Jeder ist sich selbst der Nächste“ ist der Nächste, an den man zuerst denkt, man selbst.

Wie sagt man „Jeder ist sich selbst der Nächste“ auf Englisch?

Üblich ist „Every man for himself“. Wander nennt auch „Charity begins at home“, das betont aber eher, dass man zuerst für die eigenen Leute sorgt.

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