Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an
Kurz gesagt
Spott auf eine egoistische Haltung: Hauptsache, ein Unheil oder eine Last trifft nicht einen selbst, ob es stattdessen andere trifft, ist gleichgültig.
- Auf Englisch
- Not in my backyard
- Auch gesagt
- O heiliger Sankt Florian, verschon dies Haus, zünd andere an
- Heiliger Sankt Florian, schon unser Haus, zünd andere an
Was bedeutet „Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an“?
„Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an“ verspottet eine Haltung, die Gefahren und Lasten nicht löst, sondern bloß von sich wegschiebt: Hauptsache, es trifft einen nicht selbst. Man zitiert den Spruch, wenn alle für Windräder, Mobilfunkmasten oder eine neue Unterkunft für Geflüchtete sind, nur nicht in der eigenen Straße. Ebenso, wenn eine Abteilung Sparvorgaben an die Nachbarabteilung weiterreicht oder ein Ort seinen Durchgangsverkehr in den Nachbarort umleiten möchte.
Der Ton ist spöttisch und entlarvend: Wer den Spruch sagt, hält dem anderen sein unausgesprochenes Stoßgebet vor. Aus ihm ist der Begriff „Sankt-Florians-Prinzip“ hervorgegangen, in Österreich auch „Floriani-Prinzip“. Der Duden erklärt ihn als Handeln nach dem egoistischen Grundsatz, Unangenehmes von sich wegzuschieben, ungeachtet dessen, dass dann andere betroffen sind. Im Englischen spricht man von NIMBY, „not in my backyard“. Den heiligen Florian selbst trifft der Spott eigentlich zu Unrecht: Nach der Legende starb er, weil er anderen beistehen wollte.
Woher kommt „Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an“?
Florian war nach der Überlieferung ein römischer Beamter in der Provinz Noricum. Als er im Jahr 304 verhafteten Christen in Lauriacum, dem heutigen Lorch in Enns in Oberösterreich, beistehen wollte, wurde er selbst verurteilt und mit einem Stein um den Hals in die Enns gestürzt. Verehrt wird er als Schutzpatron gegen Feuer und als Patron der Feuerwehr, sein Gedenktag ist der 4. Mai. Dargestellt wird er meist als Soldat, der aus einem Kübel Wasser auf ein brennendes Haus gießt. Ursprünglich verwies der Kübel auf seinen Tod im Wasser, das brennende Haus kam erst später hinzu.
Der Spruch parodiert die Gebete, mit denen man ihn um Schutz vor Feuer bat. Der Duden nennt ihn ein scherzhaftes Gebet, katholisch.de verweist auf Hauswände, an denen er stehe, und Wikipedia vermutet eine ironische Votivtafel als Ursprung. Wander verzeichnet „O heiliger Sanct-Florian, verschon’ dies Haus, zünd’ andere an!“ und daneben die ernst gemeinte Bitte „O heiliger Sanct-Florian, schütt’ einen Kübel Wasser dran“. Wer den Spruch zuerst so formuliert hat, ist nicht bekannt.
Beispiele aus dem Alltag
Alle im Ort sind für die Energiewende, aber gegen das Windrad auf dem Hügel hinter dem Neubaugebiet. Bei der Bürgerversammlung murmelt Frau Albers: „Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an.“
Die Geschäftsführung will Stellen streichen, und jeder Abteilungsleiter schlägt die Nachbarabteilung vor. Betriebsrätin Yasemin kommentiert trocken: „Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an.“
Im Elternchat protestieren alle gegen die Umleitung der Lastwagen durch die Schulstraße und schlagen die Nachbarsiedlung vor. Murat schreibt: „Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an?“
Häufige Fragen
Was ist das Sankt-Florians-Prinzip?
Das Sankt-Florians-Prinzip ist nach dem Duden das egoistische Wegschieben von Unangenehmem auf andere. Der Name geht auf den Spruch „Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an“ zurück, im Englischen spricht man von NIMBY, „not in my backyard“.
Warum ausgerechnet Sankt Florian?
Der heilige Florian, ein Märtyrer aus dem Jahr 304, wird als Schutzpatron gegen Feuer verehrt und oft mit einem Wasserkübel über einem brennenden Haus dargestellt. „Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an“ parodiert die Gebete, mit denen man ihn um Schutz vor Bränden bat.
Ist „Heiliger Sankt Florian, verschon mein Haus, zünd andre an“ ein echtes Gebet?
Nein. Der Duden nennt es ein scherzhaftes Gebet, Wikipedia vermutet eine ironische Votivtafel als Ursprung. Ernst gemeint ist dagegen die Bitte „O heiliger Sanct-Florian, schütt’ einen Kübel Wasser dran“, die Wander ebenfalls verzeichnet.
Kurzer Test
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