Heiliger Strohsack
Kurz gesagt
Salopper Ausruf der Verwunderung oder des Erschreckens, scherzhaft gebildet statt der Anrufung eines Heiligen.
- Auf Englisch
- Holy cow!
- Holy smoke!
- Auch gesagt
- Ach du heiliger Strohsack
- Gerechter Strohsack
Was bedeutet „Heiliger Strohsack“?
„Heiliger Strohsack!“ ist laut Duden ein salopper Ausruf der Verwunderung, der unangenehmen Überraschung oder des Erschreckens. Oft heißt es vollständiger „Ach du heiliger Strohsack!“. Man sagt es, wenn der Kontoauszug einen Schreck verursacht, wenn ein Gewitter die Gartenparty wegspült oder wenn jemand eine verblüffende Leistung hinlegt. Das DWDS betont, dass die Überraschung angenehm wie unangenehm sein kann.
Der Ausruf ist komisch gemeint und wird auch so verstanden. Er klingt nach früheren Zeiten und hat gerade deshalb seinen Platz behalten: in Comics, Kinderbüchern, Filmsynchronisationen und in der Familienchat-Gruppe, wenn jemand bewusst altmodisch klingen will. Einen Heiligen oder etwas Heiliges verspottet er nicht, im Gegenteil: Er umgeht die Anrufung. Der Duden kennt auch die Form „Gerechter Strohsack!“, die heute kaum noch zu hören ist.
Woher kommt „Heiliger Strohsack“?
Lutz Röhrich erklärt Ausrufe wie „Heiliger Strohsack“, „Heiliges Kanonenrohr“ oder „Heiliger Bimbam“ als scherzhafte Umbildungen. An die Stelle eines Heiligennamens, den man nicht missbräuchlich oder im Fluch verwenden wollte, tritt etwas möglichst Unheiliges. Das DWDS zitiert diese Erklärung, und der Duden sieht es beim „Kanonenrohr“ genauso.
Warum es ausgerechnet ein Strohsack wurde, ist nicht überliefert. Der Duden erklärt das Wort als mit Stroh gefüllten Sack, der als einfache Matratze dient: ein denkbar alltäglicher, wertloser Gegenstand, was den Kontrast zu „heilig“ besonders groß macht. Erklärungen, die den Strohsack auf das Stroh in der Krippe von Bethlehem oder auf Spott über Reliquien zurückführen, haben keinen Beleg. Wann der Ausruf aufkam, ist ebenfalls unbekannt.
Quellen
- Duden: Strohsack
- DWDS: heiliger Strohsack!
- DWDS: heiliges Kanonenrohr (mit Zitat aus Röhrich)
- Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten
Stand:
Beispiele aus dem Alltag
Als Ben das Paket öffnet, liegt statt der bestellten Kopfhörer ein Paar Gummistiefel darin. „Heiliger Strohsack, was ist das denn?“
Die Enkel haben in einer Stunde das halbe Beet umgegraben. Oma steht auf der Terrasse: „Ach du heiliger Strohsack, wo sind meine Tulpen?“
Mira liest in der WhatsApp-Gruppe, dass ihre schüchterne Freundin beim Poetry-Slam gewonnen hat. Sie tippt: „Heiliger Strohsack! Glückwunsch!“
Häufige Fragen
Ist „Heiliger Strohsack“ ein Fluch?
Höchstens ein sehr milder, scherzhafter. „Heiliger Strohsack“ ersetzt gerade die Anrufung eines Heiligen und gilt deshalb als harmloser Ausruf, nicht als Gotteslästerung.
Was ist ein Strohsack?
Ein mit Stroh gefüllter Sack, der früher als einfache Matratze diente. Im Ausruf steht er als bewusst alltäglicher Gegenstand neben dem Wort „heilig“.
Welche ähnlichen Ausrufe gibt es?
Nach demselben Muster gebildet sind „Heiliges Kanonenrohr“, „Heiliger Bimbam“ und „Ach du heilige Makrele“. Alle setzen etwas Unheiliges an die Stelle eines Heiligen.
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Der Ton macht …