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Heiliges Kanonenrohr

Kurz gesagt

Veralteter, umgangssprachlicher Ausruf erstaunter oder erschrockener Betroffenheit, scherzhaft gebildet statt eines Heiligennamens.

Auf Englisch
Holy smoke!
Holy cow!
Auch gesagt
Ach du heiliges Kanonenrohr

Was bedeutet „Heiliges Kanonenrohr“?

„Heiliges Kanonenrohr!“ drückt erstaunte oder erschrockene Betroffenheit aus. Der Duden setzt den umgangssprachlichen Ausruf mit „Ach du meine Güte!“ gleich, Lutz Röhrich spricht von einem „Ausruf komischer Verzweiflung“. Man ruft ihn, wenn etwas schiefgeht, das man eigentlich hätte kommen sehen, oder wenn etwas so überraschend ist, dass einem die Worte fehlen.

Die Mischung aus Heiligkeit und Kriegsgerät macht den Ausruf übertrieben und dadurch komisch, ernst gemeint ist er nie. Heute gilt er als veraltet und taucht vor allem in Kinderbüchern, Comics, Fernsehsendungen oder bei älteren Sprechern auf. Häufig wird er mit „Ach du“ eingeleitet. Wer ihn benutzt, tut das meist bewusst nostalgisch oder ironisch, ähnlich wie bei „Potz Blitz“. Als Fluch im eigentlichen Sinn taugt er nicht mehr, dafür klingt er zu sehr nach Bühne.

Woher kommt „Heiliges Kanonenrohr“?

Lutz Röhrich erklärt „Heiliges Kanonenrohr“ als „scherzhafte Umbildung eines Heiligennamens, der nicht mißbräuchlich oder im Fluch verwendet werden soll“, und stellt den Ausruf neben „Heiliger Strohsack“ und „Heiliger Bimbam“. Der Duden sieht es ebenso. Statt einen Heiligen anzurufen, nennt man ein möglichst unpassendes Ding.

Wer den Ausruf erfunden hat, ist nicht bekannt. Bekannt wurde er durch Carl Millöckers Operette „Der Bettelstudent“, 1882 in Wien uraufgeführt, Libretto von F. Zell und Richard Genée. Dort flucht der eitle Oberst Ollendorf, Gouverneur von Krakau, in seinem Auftrittslied „Alle Himmelmillionendonnerwetter, heiliges Kanonenrohr“, weil ihn eine junge Dame für einen Kuss auf die Schulter mit dem Fächer ins Gesicht geschlagen hat. Für einen polternden Militär lag das Kanonenrohr als Ersatzheiliges nahe. Ob die Operette den Ausruf geprägt oder nur aufgegriffen hat, lässt sich nicht sicher sagen.

Beispiele aus dem Alltag

  • Beim Grillen fängt die Tischdecke Feuer. „Heiliges Kanonenrohr!“, ruft Onkel Werner und kippt seinen Eistee darüber.

  • Lisa sieht das Ergebnis der Mathearbeit: eine Eins, zum ersten Mal. „Ach du heiliges Kanonenrohr, das muss ich sofort Mama schicken.“

  • Auf dem Trödelmarkt hält der Händler die alte Taschenuhr ins Licht und nennt einen Preis. Die Verkäuferin staunt: „Heiliges Kanonenrohr, so viel?“

Häufige Fragen

Wer sagt „Heiliges Kanonenrohr“ im „Bettelstudent“?

Oberst Ollendorf, der Gouverneur von Krakau in Carl Millöckers Operette „Der Bettelstudent“ von 1882. In seinem Auftrittslied flucht er „Alle Himmelmillionendonnerwetter, heiliges Kanonenrohr“.

Ist „Heiliges Kanonenrohr“ veraltet?

Ja, der Ausruf gilt als altmodisch. Man hört ihn heute meist augenzwinkernd, etwa in Kinderbüchern oder von älteren Leuten.

Wie sagt man „Heiliges Kanonenrohr“ auf Englisch?

Ähnlich gebaut sind „Holy smoke!“ und „Holy cow!“. Auch sie verbinden „heilig“ mit etwas ganz Weltlichem.

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