Heiligs Blechle
Kurz gesagt
Ein schwäbischer Ausruf des Staunens oder Erschreckens, ähnlich wie „Heiliger Strohsack!“; scherzhaft auch der Name für das geliebte eigene Auto.
- Auch gesagt
- Heilig’s Blechle
Was bedeutet „Heiligs Blechle“?
Hochdeutsch: „Heiliges Blechlein!“. „Heiligs Blechle!“ ist ein schwäbischer Ausruf, mit dem man Staunen, Bewunderung oder leichtes Entsetzen ausdrückt. Er fällt, wenn einem etwas imponiert oder einen kalt erwischt: der Blick auf die Handwerkerrechnung, ein Tor in letzter Minute, Schnee im April. Zu Hause ist er in Württemberg. Der Ton ist gemütlich und harmlos, ein Fluch ist das nicht.
Über Schwaben hinaus bekannt ist die Wendung vor allem in ihrer zweiten Bedeutung. Das „heilige Blechle“ ist das Auto, das gehegt, gepflegt und am Samstag gewaschen wird, am liebsten eines aus Stuttgarter Produktion. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg gab 2011 eine Veröffentlichung zu 125 Jahren Automobil unter dem Titel „Heilig’s Blechle“ heraus. Die Endung „-le“ ist die schwäbische Verkleinerung, und „heiligs“ wird ohne das „e“ der hochdeutschen Endung gesprochen. Geschrieben findet man „Heiligs Blechle“ ebenso wie „Heilig’s Blechle“.
Woher kommt „Heiligs Blechle“?
Die meistzitierte Erklärung führt in die württembergische Armenfürsorge. Nach der Reformation lag sie bei den Kirchengemeinden. Die Kasse, aus der Bedürftige unterstützt wurden, hieß „der Heilige“, ihr Verwalter „Heiligenpfleger“; das Grimmsche Wörterbuch erklärt den Heiligenpfleger als „verwalter des kirchenvermögens“ und belegt das Wort seit dem 15. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert sollen Arme, die unverschuldet in Not geraten waren, vom Heiligenpfleger ein Blechstück erhalten haben, das sie zum Betteln berechtigte. So stellt es die deutschsprachige Wikipedia unter Berufung auf ein Redensartenbuch von 2009 dar.
Wie aus der Bettelmarke ein Ausruf wurde, ist ungeklärt, zumal die Blechmarken im 19. Jahrhundert wieder abgeschafft wurden. Andere Darstellungen verlegen die Marken ins Mittelalter und verbinden sie mit Armenspeisungen der Klöster. Gesichert ist keine dieser Geschichten.
Beispiele aus dem Alltag
Opa Gottlieb bleibt vor dem Schaufenster des Maklers in Tübingen stehen und liest die Mietpreise. „Heiligs Blechle, des isch ja Wucher!“
Samstagmorgen in der Einfahrt: Herr Kächele poliert den Kotflügel und sagt zufrieden: „Mei heiligs Blechle.“
„Heiligs Blechle!“, ruft Selin im Vereinsheim, als der Torwart den Elfmeter in der letzten Sekunde hält.
Häufige Fragen
Was heißt „Heiligs Blechle“ auf Hochdeutsch?
Wörtlich „Heiliges Blechlein“. Gemeint ist ein Ausruf des Staunens wie „Heiliger Strohsack!“ oder „Ach du meine Güte!“, scherzhaft auch das eigene Auto.
Warum heißt das Auto bei Schwaben „Heiligs Blechle“?
Weil das Auto im Ruf steht, Schwaben fast heilig zu sein: gepflegt, geschont und regelmäßig gewaschen. Die scherzhafte Bezeichnung verbindet den alten Ausruf mit dem Blech der Karosserie.
Ist „Heiligs Blechle“ ein Fluch?
Nein. Der Ausruf ist harmlos und kann auch vor Kindern fallen. Für echten Ärger greift man im Schwäbischen eher zu Wörtern wie „Sackzement“.
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